Eisenberg Feuchtes Brennholz zum Heizen nutzen: Ein Albtraum für Schornsteinfeger

Bezirkschornsteinfegermeister Thomas Müller warnt vor dem Heizen mit frisch geschlagenem Holz.
Bezirkschornsteinfegermeister Thomas Müller warnt vor dem Heizen mit frisch geschlagenem Holz.

Die Energiekrise trifft alle Haushalte. Und so denken in diesem Winter viele Menschen über die Anschaffung einer Holzfeuerstätte nach: Brennholz ist gefragt. Warum das für Schornsteinfeger ein Albtraum ist, erklärt Bezirksschornsteinfegermeister Thomas Müller.

Viele Menschen suchen in diesem Winter nach Alternativen in Sachen Heizen. Aber: Bei Wärmepumpen etwa gibt es lange Lieferzeiten und dann muss der Handwerker des Vertrauens auch noch ausreichend freie Kapazität für die Montage haben. Wer mit Gas oder Öl heizt, hat große Preiserhöhungen hinnehmen müssen. Kein Wunder also, dass viele über andere Optionen nachdenken. Das Heizen mit Brennholz etwa. Von den rund 40,6 Millionen Haushalten in Deutschland besitzen nach Angaben des Gesamtverbandes Ofenbau rund elf Millionen mindestens eine Holzfeuerstätte. Zum Vergleich: bei 48,2 Prozent der Haushalte werden die Wohnungen mit Gas beheizt.

Seit Ausbruch des russischen Angriffskrieges in der Ukraine stehen die Telefone bei den Forstämtern der Region nicht mehr still. Beim Forstamt Donnersberg hat sich 2022 die Nachfrage nach Brennholz vervierfacht, wie Revierförster Fabian Keck neulich im Eisenberger Stadtrat berichtet hat. Viele Stadt- und Gemeinderäte der Region haben daher beschlossen, dass die Abgabe von Brennholz an Privatpersonen in diesem Winter limitiert wird. Keck berichtete von vielen Telefonaten, bei denen die Kunden das Brennholz bereits für die aktuelle Heizperiode verwenden möchten.

So lagert man Holz richtig

„Das ist ein Albtraum für jeden Schornsteinfeger“, meint Bezirksschornsteinfegermeister Thomas Müller aus Eisenberg, der unter anderem im Donnersbergkreis einige Kehrbezirke betreut. Frisch geschlagenes oder nicht getrocknetes Holz sollte nicht verbrannt werden. „Das Holz, das momentan verkauft und abtransportiert wird, kann frühestens erst nach ein bis zwei Jahren verbrannt werden“, unterstricht Müller. Wichtig sei auch, dass die Holzstämme gespalten sind und an einem luftigen Ort trocken gelagert werden.

Müller berichtet von seinen vielen Hausbesuchen, wo er sich auch mal die Holzlagerstätten zeigen lässt. „Holz im Keller, Holz in der Garage, Holz im Gartenhaus oder im Blechgeräteschuppen“, erzählt er von Hausbesuchen. Holz sollte aber immer gut durchlüftet werden und am besten nicht direkt auf dem Fußboden gelagert werden. Transportpaletten als Untergrund benutzen, Seiten- und Rückwand durchlüftet und die Vorderseite immer offen lassen, dazu ein Dach mit Überstand nach vorne – fertig. Kein Hexenwerk , meint Müller. Denn je schneller das Holz trocken ist, desto eher kann es in den Ofen. Er empfiehlt für kleines Geld (15 bis 30 Euro) ein Holzfeuchtemessgerät anzuschaffen. um das Brennholz prüfen zu können. Optimal sind 10 bis 15 Prozent Holzfeuchte. Alles darüber ergebe wenig Sinn, so Müller.

Nasses Brennholz gefährlich

Nasses Brennholz ist ineffizient, weil die Verbrennung miserabel sei. Der Schornstein setzt zudem in kurzer Zeit einen klebrigen und schmierigen Rußbelag an. Dieser verwandelt sich dann mit der Zeit zu einer dicken Teerschicht. Normalerweise merkt man das zunächst nicht und je nach Schornstein kann es Wochen dauern, bis man das bemerkt. Das birgt auch große Gefahren. Wenn der Kamin nämlich nicht mehr die schadhaften Gase abziehen kann, treten Mengen von Kohlenmonoxid aus. Diese Gase steigen unbemerkt von unten nach oben und führen unter Umständen zu lebensbedrohlichen Vergiftungen. Das Gleiche gilt übrigens auch bei schlechter Abgasführung bei Gasthermen, wie Manuel Fischer von der Wehrleitung der Feuerwehren der VG Göllheim erzählt. Daher werden elektronische Überwachungsgeräte empfohlen, die in Bodennähe montiert werden sollen.

Das andere große Risiko bei mit Glanzruß zugesetztem Kamin ist der Kaminbrand. Dann beginnt die Teerschicht an zu glimmen und entwickelt hohe Temperaturen. In 70 Prozent der Fälle schlagen dann auch Flammen aus dem Kamin. Hier ist unmittelbares Handeln unerlässlich. Die Feuerwehr muss alarmiert werden. Von eigenen Löschversuchen raten Müller und Fischer ab. Denn unter Umständen gerät das komplette Haus in Brand, weil der Kamin aufplatzt und vor allem zwischen den Stockwerken alles Brennbare in ganz kurzer Zeit in Flammen steht. Die Kaminbrände gingen zwischenzeitlich aber deutlich zurück, unterstricht Manuel Fischer. In der VG Göllheim gab es hierzu im vergangenen Jahr fünf Einsätze, ausschließlich bei Kaminen in älteren Gebäuden.

Der Schornsteinfeger als Glücksbringer

„Schornsteinfeger sind in der Realität wirklich Glücksbringer“, meint Andreas Brauer von der Feuerwehr Eisenberg, da dank ihrer Arbeit viele Kaminbrände verhindert werden. Bei der routinemäßigen Kaminreinigung kann der Schornsteinfeger die dicke Glanzruß-Anhaftung erkennen. Dann reicht ein normaler Kehrbesen nicht mehr aus. Müller hat hierfür eine Kaminfräse. An einer biegsamen Welle befinden sich Kettenglieder, die dann vom Schornsteinfeger in den durch Glanzruß verengten Kamin eingelassen wird. Die Kettenglieder schlagen dann das Ruß ab.

Übrigens: Holzbriketts seien eine echte Alternative. Sie seien immer trocken und hätten außerdem einen spitzen Heizwert im Vergleich zu nassem Holz. Dazu sind sie verfügbar. Aber wie so oft, es fehle es den Kunden an Geduld. „Und wenn der Schornstein brennt, die Feuerwehr rennt, ist danach das Sanierungsgeld versenkt“, so der abschließende Kommentar des Schornsteinfegermeisters.

Leistet wertvolle Dienste: die Kaminfräse.
Leistet wertvolle Dienste: die Kaminfräse.
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