Falkenstein RHEINPFALZ Plus Artikel Falkensteiner Sommertour: Gedichte, „Blutnelken“ und verschiedene Burg-Perspektiven

Bei der romantischen Abendwanderung gab es rund um Falkenstein viele schöne Aussichten. Hier der sogenannte Postkartenblick von
Bei der romantischen Abendwanderung gab es rund um Falkenstein viele schöne Aussichten. Hier der sogenannte Postkartenblick von Südwesten auf die Burgruine.

Eine romantische Abendwanderung in die Welt der Sagen und Lieder bildete den Auftakt der Falkensteiner Sommertouren. Von Glockentürmen und einer legendären Inschrift.

„Sagenhaftes Falkenstein“: So lautete der Titel der ersten Falkensteiner Sommertour für dieses Jahr. Unter der Führung von Stefan Weber umwanderten die Teilnehmer den oberen Ortsteil, genossen beeindruckende Aussichten und erfuhren viele interessante Details über das Bergdörfchen. Dazu rezitierte Weber Gedichte und Liedtexte. Falkenstein sei sein Geburts- und Wohnort, er habe dort eine schöne und abenteuerliche Kindheit mit viel „draußen herumstromern“ verbracht, erzählte er der aufmerksam lauschenden Gruppe.

Die Gruppe traf sich in der Ortsmitte am Grafenbrunnen. Auf dem Brunnenplatz stand früher eine Zehntscheune, deren Ursprung auf einen Wagner und Stellmacher namens Fischer zurückgeht. Seine Nachfahren betreiben heute die Firma Fahrzeugbau Fischer in Kirchheimbolanden. Bevor die eigentliche Wanderung startete, trug Weber noch ein romantisches Gedicht von Hermann Heiser vor: „Abend auf Burg Falkenstein“. Dieser Heimatdichter verfasste auch einen vierzeiligen Sängerspruch für den Gesangverein „Einigkeit“, der bei jeder Chorprobe intoniert wurde. Der Verein entstand 1903 durch Zusammenschluss von zwei zuvor konkurrierenden Chören, was für so einen kleinen Ort schon bemerkenswert war.

Glockentürme von protestantischer Minderheit erbaut

Zunächst setzte sich der Tross Richtung des protestantischen Läuteturms in Bewegung. Diese Bauwerke, auch Glockentürme genannt, stellen eine Besonderheit in der Nordpfalz dar. Oft wurden sie von einer protestantischen Minderheit in der jeweiligen Gemeinde erbaut, damit sie über ein eigenes Glockengeläut verfügten. Die arme protestantische Gemeinde Falkenstein war bei ihrem Bauvorhaben auf die Mithilfe benachbarter Gemeinden und Sponsoren angewiesen. Als Hauptsponsor erwies sich Carl Freiherr von Gienanth, der diverse Eisenwerke besaß: Trippstadt, Eisenberg, Hochstein, Kaiserslautern. Er finanzierte fast die gesamten Baukosten, Einweihung war im Juni 1886. Mittlerweile ist der Turm im Eigentum der Ortsgemeinde, und er läutet synchron mit den Glocken der katholischen Kirche St. Katharina.

Wanderführer Stefan Weber hatte für die Teilnehmer der Sommertour viele Informationen parat – etwa über die protestantischen Glo
Wanderführer Stefan Weber hatte für die Teilnehmer der Sommertour viele Informationen parat – etwa über die protestantischen Glockentürme (im Hintergrund der in Falkenstein).

Mehrfach machte Weber auf eine Blume am Wegesrand aufmerksam, die anspruchslos auf kargem Boden wächst. In Falkenstein wird sie „Blutnelke“ genannt, obwohl ihre offizielle Bezeichnung „Karthäusernelke“ lautet. Weiter führte der dann ansteigende Weg Richtung Wald, dabei ergaben sich immer wieder schöne Aussichten auf die gegenüberliegende Burgruine. Darunter war auch ein von Weber als „Postkartenansicht“ bezeichneter Blick von Südwesten. Die Burg wurde erstmals 1135 urkundlich erwähnt. Sie steht auf dem höchsten Punkt eines Vulkanschlots, dessen Gestein als Dazit bezeichnet wird. Legendär sei ein Stein in der Kapelle vor der Burg mit der Inschrift: „Wie Du willt, Melchior“. Sie bezieht sich auf eine Konfrontation zwischen dem Burgherren Wirich und seinem Sohn Melchior, der seinen Vater zu einem Zweikampf provozieren wollte – woraufhin ihm Wirich kampfbereit entgegentrat und den Ausspruch tätigte. Zum Kampf kam es dann aber nicht, da sich die beiden versöhnten.

Höchster Punkt auf dem alten Römerweg

Über den sogenannten Neuen Weg, der am Waldrand der Falkensteiner Berge angenehm im Schatten verläuft, und vorbei am Gasthaus Falkensteiner Hof erreichte die Gruppe den höchsten Punkt der Route. Dort verlief in der Antike ein alter Römerweg. Kurz darauf konnten die Abendwanderer nochmals die Burgruine sehen. Der Anblick von Westen war allerdings etwas ungewohnt. Auf einem schmalen Pfad, vorbei an Steilhängen, erreichten die Teilnehmer wieder die Hauptstraße und schließlich den Ausgangspunkt, die Grafenquelle.

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