EISENBERG RHEINPFALZ Plus Artikel Fachleute für die speziellen Güsse

Anstich beim Ferroguss. 850 Kilogramm heißes Eisen stehen jetzt bereit, um in die Formen gegossen zu werden. Chef Hubert Hack is
Anstich beim Ferroguss. 850 Kilogramm heißes Eisen stehen jetzt bereit, um in die Formen gegossen zu werden. Chef Hubert Hack ist rechts zu sehen.

Dort einsteigen, wo die großen Unternehmen aufhören müssen, so definiert Hubert Hack seine Gießerei. Mit 15 Mitarbeitern betreibt er in Eisenberg einen traditionsreichen Betrieb, der vorwiegend im Industrieguss tätig ist. Einzelteile, Kleinserien und Prototypen sind das Hauptgeschäft. Aber ab und an entsteht in der Werkhalle auch Kunst.

Gussstücke aus dem Eisenberger Betrieb finden sich immer mal wieder in großen Galerien und Museen, unter anderem in London oder Köln. Skulpturen stehen auch in Luxemburg, beispielsweise ein 2,5 Meter hoher und 2,5 Tonnen schwerer Aluminium-Kubus des Londoner Künstlers David Rickard. Doch die Hauptkunden sind die Maschinenbauer, der wiederum viel für die Autoindustrie arbeiten – und dies wiederum im Prototypenbereich. Die Masse der produzierten Produkte sind Kleinserien, minimal zwei Stück, meist bis maximal 100 Stück. Oft müsse es für die Auftraggeber schnell gehen, betont Hubert Hack. Gerade erst hat ein Lkw-Hersteller eine Konsole benötigt. „Als die Freigabe vom Werk kam, haben wir von der Formherstellung bis zum ersten Probeguss gerade Mal drei Tage gebraucht“, sagt Hack. „Das ist unsere Nische, die wir gefunden haben: schnell und flexibel liefern“, betont der 61-Jährige, der die Gießerei vom Vater übernommen hat.

Als Alu-Gießerei begonnen

Gegründet wurde das Unternehmen 1969 von Arnold Hack, seit 1991 ist Hubert Hack der Chef. Los ging es am Standort im Industriegebiet West in Eisenberg als reine Aluminiumgießerei. Damals mit reichlich Platz, mittlerweile ist das Betriebsgebäude mehrfach erweitert worden und jeder Zentimeter wird intensiv genutzt. Wertvollstes Kapital sind nicht die gelagerten Metalle – neben Aluminium sind es Grau- und Ferroguss, Bronze und Rotguss –, sondern die Mitarbeiter, viele Spezialisten, die seit Jahren im Unternehmen tätig sind. „Wir suchen Gießereifacharbeiter, die sehr schwer zu bekommen sind, der Markt ist abgegrast“, bedauert Hack, der direkt zwei zusätzliche Facharbeiter einstellen würde.

Das hängt damit zusammen, dass das Spektrum der Erzeugnisse der Gießerei Hack so breit ist. Die Kunden sitzen in ganz Europa. „Wir beliefern regelmäßig große Lkw-Hersteller, gießen daneben für einen Schweizer Brunnenbauer historische Kleinteile oder stellen Kompressoren-Teile für ein in diesem Bereich führendes Unternehmen her“, sagt Hack. Einzelteile, Ersatzteile, die sonst nirgends mehr zu bekommen sind, daneben kommunale Gedenktafeln, Absperrpoller oder Dorfbrunnen, die beispielsweise in Rodenbach, Lettweiler oder Ilbesheim in der Nordpfalz stehen, kommen aus der Eisenberger Gießerei. Auch die große bunte Wappentafel der Außenwand der Keep GmbH (VG-Werke) oder die Teile für den historischen Adler am Denkmal in Ramsen wurden in der Eisenberger Gießerei herstellt.

Nachfrage ist groß

Für all diese Produkte bekommt die Gießerei Hack ein Positiv-Modell, aus dem dann mit Formsand die Negativ-Gießform erstellt wird. Formerstellung und der eigentlich Guss werden von den Gießereimechanikern des Unternehmens übernommen. Das Ausleeren der Form sowie die Nachbearbeitung der Gussteile übernehmen weitere Mitarbeiter. „Jeder Schritt ist über Jahre hin geübt, denn die Arbeit mit den heißen Materialien ist gefährlich“, betont Hack. Jeder Arbeitsvorgang sei genau geplant und werde vom Team beherrscht.

Rund eine Million Euro Umsatz erwirtschaftet die Eisenberger Gießerei auf diese Weise im Jahr. Die Nachfrage ist ungebrochen, aktuell werden für zwei Lkw-Hersteller Auspuff-Krümmer gegossen. Die Auslastung liegt bei 100 Prozent, zeigt sich der Firmenchef zufrieden. Mit 61 Jahren sucht Hubert Hack mittlerweile nach einem potenziellen Nachfolger, der sich in der Gießerei einarbeiten möchte, dem er noch mindestens zehn Jahre Hilfestellung geben will, und der dann das Eisenberger Unternehmen in die nächste Phase führen möchte.

Seit 30 Jahren dabei

Ur-Eisenberger und Ur-Gestein in der Gießerei Hack ist Thomas Claus. Seit 30 Jahren arbeitet der 53-Jährige für das Unternehmen im Industriegebiet West. Nach seiner Ausbildung als Gießereimechaniker bei Gienanth wechselte er 1991 zur Gießerei Hack, wo er heute als Vorarbeiter tätig ist. Claus ist zuständig für alle Gussarten und Produktionsabläufe. „Thomas Claus übernimmt meine technische Vertretung, wenn ich beispielsweise im Urlaub bin“, lobt Inhaber Hubert Hack den 53-Jährigen. „Besonders gerne kümmere ich mich um Kunstguss-Projekte, das ist immer eine Herausforderung“, sagt Claus. Auch die Prototypen-Herstellung sei stets anspruchsvoll. Höhepunkt in diesem Jahr war der Guss von Hinterachsen für einen Traktorhersteller mit einem Sondereisen, blickt der Gießereimechaniker zurück.

Thomas Claus ist seit 30 Jahren in der Gießerei Hack tätig.
Thomas Claus ist seit 30 Jahren in der Gießerei Hack tätig.
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