Bolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Essen auf (Wohnmobil)-Rädern

Jürgen Winterer vom Chefche in Bolanden war am Wochenende erstmals beim Wohnmobil-Dinner dabei.
Jürgen Winterer vom Chefche in Bolanden war am Wochenende erstmals beim Wohnmobil-Dinner dabei.

Die Idee liegt so nahe und ist so schlicht: Wie ist es möglich, trotz geschlossener Gastronomie ein Essen wie im Restaurant zu genießen? Im eigenen Wohnmobil! In der Nordpfalz ist der Trend noch wenig bekannt.

„Das Essen war toll, die Fahrt hat sich gelohnt“, sagt Filomena Pfannkuchen, die mit ihrem Mann und ihrem achtjährigen Sohn unterwegs ist. Das Wohnmobil der Familie steht auf einem Parkplatz vor dem Restaurant Orangerie in Kirchheimbolanden. „Wir wohnen in einem Ort in der Nähe von Offenbach und sind extra hierher gefahren. Erst haben wir einen kleinen Spaziergang im Park gemacht und uns dann vom Restaurant das Essen ans Wohnmobil ,liefern’ lassen.“

Wohnmobile finden immer noch reißenden Absatz, sind sie doch für viele eine Möglichkeit des sicheren und komfortablen Reisens. Diesen Boom machen sich seit einiger Zeit Restaurantbesitzer zunutze und bieten Wohnmobil-Dinner an. Eine Ende des vergangenen Jahres gegründete Facebook-Gruppe hat inzwischen über 40.000 Mitglieder. Hier bekommt man einen Überblick über alle Lokale, die ein Wohnmobil-Dinner in ihrem Repertoire haben. Aber auch andere Adressen im Internet geben Auskunft – einschließlich spezieller Offerten zu besonderen Anlässen wie Jubiläen oder Geburtstagen.

Die Camperküche darf kalt bleiben

Das Konzept ist einfach: Die Gäste melden sich digital oder telefonisch im Restaurant an und reservieren einen Stellplatz. Da sie nicht ins Lokal dürfen, wird – wie erlaubt – geliefert. Aber eben nicht ans Haus oder das Appartement, sondern ans Wohnmobil, das denselben Parkregeln unterliegt wie „normale“ Autos. Die „maskierten“ Servicekräfte betreten das Wohnmobil nicht, die Gäste bleiben drinnen. Das Schöne daran ist, dass das Essen nicht auf Pappe oder in Plastik, sondern auf Porzellan gebracht wird. „Das ist doch ein anderes Gefühl, wenn man so bedient wird“, sagt Martina Müller-Weisrock, die schon mehrmals Dinner in ihrem Wohnmobil genossen hat und gern mit ihrem Mann aus Rheinhessen in die Pfalz fährt. „Unsere Camperküche bleibt kalt und der Abwasch muss auch nicht erledigt werden.“

Wohnmobil-Dinner im Donnersbergkreis

Steffen Höh von der Orangerie bietet schon seit einiger Zeit Wohnmobil-Dinner an. „Ich finde das Konzept sehr attraktiv“, berichtet er. „Es kommen inzwischen recht viele Gäste mit ihrer ,guten Stube’ zu uns; es ist halt schön, Essen mal wieder so zu servieren, wie es sich eigentlich gehört und wie wir es gewohnt sind – aktuell natürlich unter den Hygiene- Bedingungen des Lockdowns. Außerdem hoffe ich, dass einige Gäste auch längerfristig ,hängenbleiben’.“

Jürgen Winterer vom Restaurant Chefche hat am vergangenen Wochenende zum ersten Mal mitgemacht und fasst seine frischen Erfahrungen so zusammen: „Das hat mir gefallen; es war unkompliziert und hat Spaß gemacht. Zehn Gäste in vier Wohnmobilen habe ich bewirten können.“ Eine davon ist Judith Hörl, die mit Ehemann, Sohn und zwei Freunden in einem zweiten Gefährt aus Lampertheim angereist war. „Ich habe eine Wander-App auf dem Smartphone. Da wird eine wunderbare Strecke vorgeschlagen, die wir vorhin rund um Bolanden gelaufen sind“, erzählt sie. „Jetzt stehen wir hier vorm Chefche und gleich gibt es leckeres Essen. Das ist der perfekte Sonntagnachmittag!“ Das Lokal habe sie in der Facebook-Gruppe gefunden. „Es gibt noch nicht viele Angebote im Bereich der Sechser-Postleitzahl“, erläutert sie weiter. „Nach Norden hin sind schon erheblich mehr Lokale dabei. Das ist schade, weil es hier so schön ist.“ Da ist touristisch offensichtlich noch nicht alles ausgereizt.

Zumindest ein weiteres Angebot wird es bald direkt am Donnersberg geben: „Wir steigen auch ein“, sagt Patrik Stollhof vom Restaurant im Hotel Bastenhaus in Dannenfels. „Am Wochenende wird es als Wohnmobil-Dinner ein spezielles Dreigangmenü geben, das nach einer Wanderung hier in unseren Wäldern sicherlich besonders gut schmeckt.“

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