Donnersbergkreis „Es wird auch ohne mich weitergehen“

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Montagsgespräch: Am Ende dieses Monats geht Klaus-Dieter Magsig in den Ruhestand. 16 Jahre lang war er Bürgermeister der VG Göllheim. Es waren 16 ereignisreiche Jahre, in denen sich die VG gewandelt und weiterentwickelt hat. Anlässlich seines Abschieds hat er im Gespräch mit unserer Redakteurin Anja Hartmetz Bilanz gezogen.

Wie geht es Ihnen kurz vor Ihrem Abschied aus dem Amt?

16 Jahre sind ja eine recht lange Zeit, aber sie sind vorbeigegangen wie im Flug, man kann es gar nicht recht glauben. Aber auch hier gilt der Satz: Alles hat seine Zeit. Auch das politische Leben hat ein Ende, und es wird auch ohne mich weitergehen. Ich habe kein Problem, mich davon zu lösen, ich freue mich auf das, was noch kommt. Wie würden Sie diese Zeit bilanzieren? Schwierige Frage – ich habe nie Protokoll geführt, deshalb kann ich jetzt auch keine Akte aus dem Schrank ziehen und sagen: „Ach ja, 2002. Da war das und das los, und ich habe dies und jenes dazu gesagt.“ Dazu hat mir auch die Zeit gefehlt. Man reflektiert natürlich und bewertet – und andere bewerten es vielleicht anders. Für mich ist zum Beispiel das schnelle Breitband-Internet für alle Bürger in der VG eine große Errungenschaft. Aber das hat nicht jeder so empfunden. Gab es auch Momente, wo Ihnen die Arbeit schwergefallen ist? Die gab es auch, sicher, vor allem zu Anfang. Aber in der Summe möchte ich auch das nicht missen. Es hat mir Spaß gemacht etwas zu tun, um unsere Heimatregion zu entwickeln. Was hat Ihnen an Ihrem Amt besonders gefallen? Das riesige Aufgabengebiet, die Breite. die Vielfalt. Jeder Tag forderte mich neu. Angefangen bei den Alltagssorgen zum Beispiel im Bereich der kommunalen Infrastruktur bis hin zu den großen und kleinen Besonderheiten – zum Beispiel den zahlreichen Jubiläen der Vereine und Einrichtungen. Wie wurden Sie von außen wahrgenommen? Darum habe ich mir nicht allzu viele Gedanken gemacht, aber ich glaube, dass man geschätzt hat, dass ich vernünftig gewirtschaftet habe. Vor kurzem erst hat mir jemand gesagt: „An Ihrer Amtsführung hat mir gefallen, dass Sie das Geld nicht aus dem Fenster geworfen haben.“ Ich hatte immer einen klaren Standpunkt: Wir machen keine Maßnahme, die sich erst in 70 Jahren amortisiert. Nur wegen der Zuschüsse auf Teufel komm raus was in die Wege zu leiten, war nie meine Art. Andererseits haben wir vieles, das jetzt aktuell bezuschusst wird, bereits vor Jahren erledigt. Um es mal ganz unbescheiden zu sagen: Was anderswo noch Probleme macht, haben wir bereits hinter uns. Was waren die Meilensteine? Die Breitbandversorgung, ganz klar. Und die Feuerwehr. Wir haben etliche Millionen in Gebäude und Fahrzeuge investiert. Zu Beginn meiner Amtszeit war das Thema ganz brennend. Wir haben uns deshalb schon im Jahr 2000 zusammengesetzt, gemeinsam mit Wehrführern und Wehrleitung ein Beschaffungskonzept erarbeitet. Überhaupt modernisieren wir fortlaufend, so haben wir erst kürzlich in das digitale Alarmierungssystem investiert. Auch in der Bildung haben wir viel erreicht: Mit Hilfe eines Förderprogramms des Bundes haben wir die Grundschule erweitert, das Stadion und die kleine Sporthalle saniert – na ja, eigentlich mehr als das, im Grunde war es schon ein Neubau. In Göllheim haben wir heute ein Schulangebot vom ersten Schuljahr bis zur Fachhochschulreife. Das war schon etwas ganz Besonderes. Der Weg bis zum Ziel war steinig – aber wir haben es geschafft. Ein anderes Thema war die Energiewende: Schon drei Jahre vor Fukushima hatten wir im VG-Rat beschlossen, die Energieeffizienz in den eigenen Gebäuden zu verbessern, um den Verbrauch zu reduzieren und Kosten zu senken. Unsere Photovoltaikanlagen auf den Schuldächern gehörten zu den ersten solcher Anlagen in Rheinland-Pfalz. Überhaupt: Das Thema Nachhaltigkeit hat mich in meiner Amtszeit umfassend beschäftigt. Derzeit sind wir im Abwasserzweckverband dabei, die Gruppenkläranlage in Monsheim so zu modernisieren, dass der auf der Anlage benötigte Energieaufwand völlig autark erzeugt wird. In Monsheim verbrauchen wir immerhin 1,2 Megawatt Strom jährlich. Auch unseren Wärmebedarf erzeugen wir selbst.Worauf sind Sie besonders stolz? Stolz... das ist so ein Wort. Dankbar und zufrieden bin ich, dass wir es geschafft haben, diese hervorragende Breitband-Versorgung für die gesamte VG auf die Beine zu stellen. Im Grunde sind wir hier versorgt wie in der Großstadt. Das ist natürlich ein riesiger Standortvorteil: Selbst in einem kleinen Dorf können sich jetzt Unternehmen ansiedeln, die große Datenmengen verschieben müssen. Wir haben eine hervorragend ausgestattete Feuerwehr, die aber nichts nützen würde, gäbe es keine ehrenamtlichen Männer und Frauen, die an 365 Tagen im Jahr dafür sorgen, dass wir für den Ernstfall gerüstet sind. Auch dafür bin ich sehr dankbar, und für die gute Nachwuchsarbeit. Wir haben uns auch rechtzeitig um die Situation der Schulen gekümmert. Gut, wir haben eine IGS gewollt und nicht bekommen, aber man muss sich eben Ziele setzen, auch wenn sie nicht immer erreicht werden können. Wer weiß, ob wir die Fachoberschule bekommen hätten, wenn wir nicht die IGS angestrebt hätten. Was ist nicht so gut gelaufen? Nicht ganz so gelaufen wie erhofft ist vielleicht die Tourismusförderung mit Schwerpunkt Zellertal. Da hat sich zwar etwas getan, aber das wird oft noch nicht richtig wahrgenommen – vor allem von den Betroffenen vor Ort. Aber wir sind dabei, uns zu entwickeln, und auf gutem Weg. Ich hätte auch gerne erlebt, dass die Zellertalbahn in den Rheinland-Pfalz-Takt aufgenommen worden wäre. Dass die Bahn selbst 2001 für den Betrieb an Sonn- und Feuertagen reaktiviert wurde, war auf jeden Fall richtig. Denn langfristig brauchen wir gerade auf dem Land unbedingt wieder mehr Nahverkehrsstrecken. Ich bin auch durchaus optimistisch, dass es irgendwann zum Regelbetrieb kommen wird. Deshalb bin ich sehr froh über die derzeit laufende technische Sanierung entlang der Strecke, denn es ist ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Wenn dann schon mal die Zugverbindungen am Wochenende das ganze Jahr über angeboten werden, wird mancher, der heute noch mit dem Auto in die Zentren fährt, auf den Zug umsteigen. Da bin ich auch dem Verein Eistalbahn, der ehrenamtlich für den Betrieb der Zellertalbahn gesorgt hat, sehr dankbar, denn anders wäre der bisherige Saisonbetrieb nicht zu bezahlen gewesen. Insgesamt betrachtet, macht mir die vorhandene Infrastruktur Mut, was die Entwicklung der VG betrifft. Gutes Stichwort. Wie oder wo sehen sie die Zukunft der VG? Derzeit scheint sie in ihrer Existenz zwar gesichert, vor allem ist sie nicht von einer Zwangsfusion bedroht. Wenn man aber einmal einen Blick in die Zukunft wirft, scheint nichts in Erz gegossen, nicht einmal die Weiterexistenz des Donnersbergkreises auf lange Sicht... Leider. Obwohl ich glaube, dass es den Donnersbergkreis auch in Zukunft noch geben wird. Aber selbst wenn er in einer größeren Einheit aufgehen würde, würden unsere Verwaltungsstandorte sicher erhalten werden, man kann ja nicht alles von einer weit entfernten Zentrale aus regeln. Im Übrigen sind die Vorteile einer Fusion gar nicht so groß: Zwei arme Verbandsgemeinden ergeben zusammen noch lange keine reiche. Die Einsparmöglichkeiten sind in einem solchen Fall viel geringer als vermutet, denn die Verwaltungsarbeit muss ja nach wie vor gemacht werden. Was Verwaltung so teuer macht, sind die wachsenden formalrechtlichen Vorgaben, die Regelungswut in Gesetzen und Verwaltungsvorschriften oder die zahlreichen Fachbehörden, die eingebunden werden müssen. Was hätten Sie gerne noch erledigt? Ich hätte das Re(b)fugium bei Albisheim gerne noch eingeweiht. Dass es noch nicht so weit ist, hat natürlich Gründe, so konnte der Förderantrag noch gar nicht gestellt werden, weil das Förderprogramm erst noch genehmigt werden muss. Die VG hat durch die Verlegung des Radweges und die E-Bike-Ladestation dafür gesorgt, dass auch Radtouristen künftig dort halten können. Das Re(b)fugium ist meiner Einschätzung nach eine Riesengelegenheit, in Sachen Wein und Tourismus Impulse zu setzen. Hat Sie auch etwas regelrecht enttäuscht? Also, es gibt nichts, worüber ich schwer enttäuscht bin. Natürlich gab es das eine oder andere, das nicht nach Wunsch gelaufen ist. Aber das gehört zum Geschäft. Insgesamt hat mir mein Amt gut gefallen, es gab über die Fraktionen hinweg eine gute Zusammenarbeit im Rat. Wir haben Sachpolitik betrieben und uns nicht auf Grabenkämpfe eingelassen. Auch hatte ich das Glück, mit wirklich kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammenarbeiten zu können. Hatten Sie eine Philosophie? Harmonie um jeden Preis ist falsch, aber man muss mit den Menschen so reden, dass man ihnen immer wieder in die Augen schauen kann. Das Leben kann man nur bis zu einem Punkt tatsächlich planen, aber man kann gewisse Dinge zum Schwerpunkt erklären. Ich habe meinen Beruf mit Ernst ausgeübt und in dem Bemühen, dem Amt gerecht zu werden. Wie werden Sie Ihren Ruhestand gestalten? Länger schlafen (lacht). Bevor ich ins Amt gehe, drehen meine Frau und ich immer eine Nordic-Walking-Runde. Das wollen wir auch künftig beibehalten, aber ohne den Zeitdruck. Meine Frau freut sich schon darauf, dass wir im Winter jetzt im Hellen unterwegs sein können. Ich habe jedenfalls keine Sorge, meine Tage nicht sinnvoll füllen zu können. Immerhin habe ich auch drei Enkel, die sich freuen, wenn der Opa mehr Zeit für sie hat. Ich will mir auch wieder mehr Zeit nehmen für mein Hobby, Malerei und Grafik, und etwa Radierungen machen, für die ich mir schon vor vielen Jahren eine Tiefdruckpresse angeschafft habe. Dann möchte ich gerne in der Lage sein, spontan zu reisen. Nicht zuletzt bin ich Mitglied bei der Stadtmission Kirchheimbolanden – auch da möchte ich mich verstärkt engagieren. Was würden Sie Ihrem Nachfolger auf den Weg geben? Steffen Antweiler wird das schon machen, da bin ich sicher. Er gehört einer anderen Generation an, also wird er manches anders machen, aber mit Sicherheit nicht schlecht. Ich kann ihm eigentlich nur eines raten: Geh deinen Weg.

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