Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Erstes Kreis-Gebäude für Katastrophenschutz

15 mal 30 Meter groß, 540 Quadratmeter Nutzfläche: Die neue Halle gegenüber der Rockenhausener Stützpunktwehr bietet vier Fahrze
15 mal 30 Meter groß, 540 Quadratmeter Nutzfläche: Die neue Halle gegenüber der Rockenhausener Stützpunktwehr bietet vier Fahrzeugen Platz – drei gehören dem Kreis, eines dem DRK-Ortsverband.

Ein Meilenstein in der Geschichte des Donnersberger Katastrophenschutzes steht vor der Fertigstellung: Noch im Herbst soll die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Sanitätsdienst in ihre neue Fahrzeughalle einziehen. Das 1,3 Millionen Euro teure Projekt in Rockenhausen ist ein Novum – von dem auch andere profitieren.

Das Besondere an der Maßnahme in der Rockenhausener Straße „Am Wörth“: Erstmals baut der Kreis ein solches Gebäude selbst – in diesem Fall für eine seiner Schnelleinsatzgruppen. Diese bestehen aus technisch und medizinisch ausgebildeten Kräften, die bei außergewöhnlichen Ereignissen die Betroffenen versorgen sowie den Rettungsdienst, die Feuerwehr und Polizei unterstützen. Das können etwa Unfälle mit vielen Verletzten, Großbrände, aber auch Unwetter- oder Hochwasserkatastrophen sein.

Der Donnersbergkreis hat dafür unter seiner Führung – das Einsatzleitfahrzeug steht bei der Göllheimer Feuerwehr – drei SEG-Einheiten gebildet: Während die Bereiche Betreuung und Versorgung in Eisenberg beziehungsweise Lautersheim angesiedelt sind, waren Fahrzeuge und Ausstattung der „SEG-San“ neben Winnweiler/Münchweiler bisher in der Breslauer Straße in Rockenhausen untergebracht. Hier hat auch der DRK-Ortsverband Rockenhausen seinen Sitz. Die räumliche Koexistenz ist kein Zufall: Denn der Kreis stellt zwar das Equipment für die SEG, bezieht das Personal aber – gegen Bezahlung – von Hilfsorganisationen, bei uns bislang ausschließlich vom Roten Kreuz. Und greift daher vielfach auf dessen Quartiere zur Unterbringung des Materials für den Katastrophenschutz zurück.

„Reise muss weiter gehen“

Hier werde mit der sogenannten SEG-Halle ein neues Kapitel aufgeschlagen, betonte Landrat Rainer Guth bei einem Rundgang durch den neuen Komplex: „Wir hatten uns in der Vergangenheit ein Stück weit darauf verlassen. die Strukturen des DRK zu nutzen.“ Die Baumaßnahme habe nun ein erforderliches Umdenken eingeleitet: „Die Verbandsgemeinden müssen nach wie vor in ihre Feuerwehren investieren, wir werden uns da dranhängen. Es ist klar, die Reise muss weiter gehen.“

Wie wichtig der Katastrophenschutz ist, habe zwar nicht nur, aber besonders die verheerende Flut im Ahrtal vor wenigen Wochen gezeigt, ergänzte Dominik Gebhardt, stellvertretender Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Donnersbergkreises. „Dadurch ist es vielen Menschen nochmal bewusst geworden. Dass der Kreis erstmals so ein Gebäude in eigener Regie errichtet, ist auch eine Wertschätzung für die vielen ehrenamtlich tätigen Helfer.“

Neues Gebäude gegenüber der Feuerwehr

Mit Blick auf die bisherige Unterbringung der SEG in Rockenhausen fügte Guth hinzu: „Das war weder angemessen, dort Material im sechs- bis siebenstelligen Wert unterzubringen, noch war es motivierend für die Mitarbeiter.“ Ein weiterer Pluspunkt sei, dass die neue Halle gegenüber der Stützpunktwehr steht. „Dadurch ergeben sich Synergien. Der Katastrophenschutz darf nicht von Farben abhängen – es muss ein Miteinander sein von Rot, Weiß und bei Bedarf auch Blau“, so der Kreischef vor dem Hintergrund vermehrter Starkregenereignisse und Vegetationsbränden auch in unserer Region.

Martin Moser, Präsident des DRK-Kreisverbands Donnersberg und Vorsitzender des DRK-Ortsverbands Rockenhausen, bezeichnete das neue Domizil als „absoluten Glücksfall. Unsere Leute, die in der SEG für den Kreis tätig sind, freuen sich sehr. Nur wenn man vernünftige Fahrzeuge und eine ordentliche Unterkunft hat, kann man auch bei der Jugend Interesse für diese Arbeit wecken.“

Zwei Geräte- und zwei Rettungswagen

Der von Architekt Christoph Groth (Kirchheimbolanden) geplante Komplex ist 15 mal 30 Meter groß und verfügt auf zwei Geschossen über 540 Quadratmeter Nutzfläche. Vier Fahrzeuge finden Platz: Stationiert werden zwei Geräte- und ein Rettungswagen der „SEG-San“, dazu ein weiterer des DRK-Ortsverbands.

Aber das dank einer Lichtkuppel auch innen erhellte Gebäude beherbergt weitere Räume: im Untergeschoss Duschen, Umkleiden, eine kleine Werkstatt, einen Technik-, einen Desinfektions- und einen Lagerraum; in der oberen Etage Toiletten, eine Küche, einen Aufenthalts- sowie einen Besprechungs- und Schulungsraum. Hier kann auch ein Lagezentrum eingerichtet werden. Hinter der in einem Stahlskelett-System errichteten Halle, die außen über gedämmte Fassadenpaneele und innen über Wände in Massivbauweise verfügt, werden neun Pkw-Parkflächen sowie Fahrrad-Stellplätze entstehen.

Pfahlgründung notwendig

Die vor rund einem Jahr begonnenen Arbeiten führt die Göllheimer Firma Burgey zum Angebotspreis von rund 1,22 Millionen Euro als Generalunternehmer aus. Dass dieser Betrag etwa 240.000 Euro über der Kostenschätzung von 2019 liegt, resultiert einerseits aus gestiegenen Baupreisen; zudem war die Gründung des Gebäudes aufwendiger als erhofft – vor dem Herstellen der Bodenplatte mussten zunächst Stahlbetonpfähle in den unsicheren Baugrund eingebracht werden. Guth bedauert, dass der Kreis für die Maßnahme keine Förderung vom Land erhält, „obwohl es diese bei vergleichbaren Projekten an anderen Orten gab“. Somit müsse man alles aus eigener Tasche zahlen. Er sei sehr froh, „dass alle politischen Kräfte im Kreis an einem Strang gezogen und die Gremien das mitgetragen haben“.

Nach Auskunft von Roland Breitenbruch, der seitens der Kreisbehörde den Bau betreut, laufen derzeit die Innenarbeiten. „Auch die Hausanschlüsse sind noch herzustellen“, so Breitenbruch. Laut Tanja Gaß, Leiterin der Abteilung Ordnung und Verkehr, sollen die Arbeiten bis Ende Oktober abgeschlossen sein. „Bis alles möbliert und fertig für den Einzug ist, könnte es aber Spätherbst werden.“ Auch sie betont die Bedeutung der Maßnahme: „Wir bauen hier eine funktionale Halle, die der Katastrophenschutz im Landkreis bitter nötig hat.“

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