Donnersbergkreis Erst der Einsatz, dann die Pizza

Lange ausruhen konnten sich die Kinder und Jugendlichen nie. Immer wieder ertönte der Alarm – etwa für einen Einsatz am Steinbac
Lange ausruhen konnten sich die Kinder und Jugendlichen nie. Immer wieder ertönte der Alarm – etwa für einen Einsatz am Steinbacher Sportplatz.

Seit drei Jahren gibt es in Steinbach eine Jugendfeuerwehr. Mittlerweile besteht sie aus vier Mädchen und neun Jungs. Am Wochenende hatten die Kinder und Jugendlichen alle Hände voll zu tun – bei ihrem ersten „Berufsfeuerwehrtag“. Das Ziel: gestellte Einsätze bewältigen, um für den Ernstfall zu proben. Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Beim gemeinsamen Frühstück um 8 Uhr ist die Stimmung ausgelassen. Doch schon kurz danach ertönt auf dem eigens für den Tag angeschafften Monitor ein Signal – wie bei der echten Berufsfeuerwehr. Eine Computerstimme gibt die Art des Einsatzes, den Ort und die Anzahl der Verletzten an. Gerade handelt es sich um einen Unfall mit Personenschaden. „Ein Auto fuhr auf einem Feldweg, der Fahrer versuchte, einem Fußgänger auszuweichen, und der Wagen geriet in Brand“, erklärt Sascha Kasper, Mitorganisator und stellvertretender Jugendwart. Zudem seien die Fußgänger gestürzt. Nun müssen die Nachwuchswehrleute schnell handeln. Ihre Aufgabe: die Verletzten betreuen und den Brand löschen. Nervosität macht sich breit. Jeder bekommt eine Funktion zugewiesen – entweder auf den Fahrzeugen oder in der Leitstelle. Drei Verletzte müssen versorgt werden. Mit der geliehenen Schere der Sippersfelder Wehr, die die Steinbacher Kollegen an diesem Tag unterstützt, befreien die Jugendlichen eine Person aus dem brennenden Fahrzeug. Geschafft! Der erste Einsatz ist erfolgreich abgeschlossen, die Arbeit aber noch nicht erledigt: Nach jedem Einsatz müssen die Fahrzeuge kontrolliert und aufgerüstet werden. Erst dann ist Zeit zum Entspannen, Fußball und Karten spielen. Der erste Einsatz ist schon fast vergessen, als um 11.30 Uhr der nächste Alarm losgeht. Neun Kinder eilen in die Umkleide; innerhalb von drei Minuten sollen sie umgezogen sein. Auch diesmal hat es ihre Aufgabe in sich: Drei vermisste Personen am Sportplatz in Steinbach müssen gefunden und geborgen, ein Dach gelöscht werden, erzählt Daniel Kubowski, Mitorganisator und Jugendwart der Steinbacher Wehr. Am Sportplatz wird die Gruppe vom Regen überrascht. „Die Kinder waren am Schluss alle nass bis auf die Haut. Aber sie haben sich nicht von ihrer Aufgabe abbringen lassen“, sagt Kasper später. Ein Junge entdeckt sogar noch eine Zusatzaufgabe: Er kümmert sich um den Hund eines Zuschauers am Rande des Geschehens. „Auch das hat er besonders gut und mit viel Liebe gemacht“, erzählt Kasper schmunzelnd. Zurück im Gerätehaus, haben die jungen Feuerwehrler Kohldampf. Jetzt heißt es: Pizzateig ausrollen und belegen. „Auch um das Essen kümmert sich die Jugend heute selbst“, sagt Kubowski. Zeit für eine lange Verschnaufpause bleibt aber nicht nach dem Essen. Wieder ertönt der Alarm – der dritte Einsatz. Und der wichtigste: Am Angelweiher in Steinbach sind zwei Feuer ausgebrochen. Ein kleines Holzhaus und eine Feuerschale brennen. „Zuerst werden immer die Personen gerettet, dann das Feuer gelöscht“, so Kubowski. Eine kleine Gruppe kümmert sich um die Wasserversorgung. Das Wasser kommt aus dem Steinbacher Weiher. Zugleich müssen drei Verletzte betreut werden. „Das Besondere an diesem Einsatz war, dass es zwei große Haupteinsätze in einem waren und deshalb sehr anstrengend für die Kinder“, so Kasper. Zum Abschluss steht ein Grillen mit den Eltern an – und noch ein gemeinsames Gespräch. Das fällt sehr positiv aus. „Wir hatten alle sehr viel Spaß und werden den Berufsfeuerwehrtag im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen. Vielleicht auch über mehrere Tage mit Übernachtung“, sagt Kasper. Auch Lucas (16) hat Gefallen gefunden. Seit der Gründung der Jugendfeuerwehr ist er mit dabei. Bald kann er zu den Aktiven wechseln. „Mir hat der Tag heute sehr viel Spaß gemacht. Ich war im Angriffstrupp, habe geholfen, das Auto zu löschen, Personen gerettet und durfte in der Leitstelle die Koordination übernehmen“, erzählt er stolz. Auch seine Schwester Nele hat einiges von dem Tag mitgenommen. „Ich durfte bei der Menschenrettung mithelfen und habe am Weiher das Wasser herausgeholt. Mir hat der Tag auch sehr gut gefallen, und ich würde mich freuen, wenn wir nächstes Jahr hier übernachten können“, erzählt die Zwölfjährige. 28 Aktive zählt die Steinbacher Wehr. „Wir haben nicht mehr genug Platz in unserem Umkleideraum für alle. Das ist ein echtes Luxusproblem“, berichtet Kasper. Dennoch: Nachwuchs braucht jede Wehr. Alle zwei Wochen findet ein Training der Jugendfeuerwehr statt. „Wir haben ausschließlich Kinder aus Steinbach im Alter von zehn bis 16 Jahren. Das wäre noch ein Wunsch von uns, dass auch Kinder von außerhalb zu uns in die Jugend kommen“, sagt Kubowski. Gesponsert wird die Jugendfeuerwehr vom Steinbacher Feuerwehrförderverein. So sind auch mal Ausflüge etwa zur BASF oder auf die Air Base in Ramstein möglich.

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