Donnersbergkreis Enthusiastischer Werber für Integration

Einerseits schade, dass so wenige Besucher am Sonntag zum Konzert mit „Majiken & his Majikmen“ ins Dielkirchener Bürgerhaus gekommen sind. Andererseits hatten es Bandgründer Kenny „Majiken“ Legendre, Mariusz Czechowicz und Nils Lagoda umso leichter, die von ihnen gewünschte intime Atmosphäre herzustellen. Für Liebhaber der Folkmusik war’s jedenfalls trotz – oder gerade wegen – der geringen Resonanz ein schönes Erlebnis.
„Majiken & his Majikmen“ waren zum zweiten Mal binnen eines Jahres in Dielkirchen zu Gast. Mit gutem Grund: Nach dem Umzug von Bad Kreuznach ins Alsenztal möchte sich das Trio mit seiner „Majik Lounge“ auch im Raum Rockenhausen etablieren. Gespielt haben die Musiker hauptsächlich Eigenkompositionen aus dem Soloalbum „Endlich“ von Kenny Legendre. Neben Songs von Cat Stevens und Jack Johnson brachten sie auch Lieder auf Polnisch, Russisch und Spanisch zu Gehör. Ein Thema, das Legendre besonders am Herzen liegt, ist Integration. Dies greift er mit spürbaren Liebe und viel Enthusiasmus in seiner Musik auf. Das Lied „Hair today“ widmet er den „Friedensstiftern“ jener Zeit, als der gebürtige Amerikaner nach Deutschland kam und kein Wort deutsch sprach. „Um eine Kultur kennen zu lernen, muss man die Sprache können.“, sagte Legendre. Schmunzelnd berichtete er von „Spezialisten“, die seinen Integrationswillen bemerkt und ihm gesagt hätten, dass er einige häufig gebrauchte Phrasen lernen müsse. Eine davon war „de langhoorische Bombelejer“. Und grinsend fügt er hinzu: „Langhaarig war ich, aber ich habe noch nie eine Bombe gelegt.“ Als zweites „Integrationslied“ hat die Band „Paar Daach fröher“ von BAP gespielt. Mit „Pink Sheep“ erzählt Legendre von rosafarbenen Schafen, die er in Glasgow erblickt habe. „Moral dieses Liedes: Wenn man etwas sieht, dass man nicht kennt, ist es nicht zwangsläufig schlecht.“ Und er gibt Einblicke in seine Lebensgeschichte: Seine Mutter, eine deutschstämmige Rumänien, lernte 1947 seinen Vater kennen, einen amerikanischen Soldaten. Als Ken Legendre 21 Jahre alt ist, meint seine Mutter, er könne jetzt mal seine Großeltern treffen und fliegt mit ihm nach Deutschland. Aus geplanten drei Monaten sind inzwischen 36 Jahre geworden. Er selbst bezeichnet dies als „Rekolonisation“. Mit seiner Lebensgefährtin Margarete Kell hat der Sänger in Bad Kreuznach die „Majik Lounge“ gegründet – unter diesem Namen veranstaltet er mit verschiedenen Künstlern Hauskonzerte. Auf die Frage, weshalb er sich „Majiken“ nennt, antwortet Legendre, dies sei sein Spitzname in Amerika gewesen; abgeleitet aus „Magic Ken“ und dem Titel der letzten Cat-Stevens-Tour: „Majikat“. Seinen Stil beschreibt er als Mischung aus Country-, Folk- und Bluegrass-Musik, die „akustisch-dynamische Nahrung für Körper und Seele“ sei. Künftig möchte er sich verstärkt im Kunst- und Kulturbereich in und um Rockenhausen engagieren. Ziel seiner Hauskonzerte ist es, eine Intimität zwischen Künstler und Publikum herzustellen. In Dielkirchen ist ihm das gelungen. Ein paar Gäste mehr hätten’s dann aber doch sein dürfen ... (gom)