Fussball
EM in elf Ländern? Regionale Klubs kritisch
Timo Riemer, Spielertrainer des Bezirksligisten SV Kirchheimbolanden, erzählt: „Ich finde es nicht gut, dass die Profis jetzt in der ganzen Welt herumreisen, um ihre Spiele absolvieren zu können. In den aktuellen Zeiten ist das nicht in Ordnung. Die Ansteckungsgefahr ist ja doch weiterhin groß und durch das Reisen kann das Virus weiterverbreitet werden. Natürlich freue ich mich auf die EM, doch es hätte bestimmt andere Lösungen gegeben, diese Sache auszutragen.“ Deutschland wäre seiner Ansicht nach sicher auch in der Lage gewesen, ein solches Turnier als Alleinveranstalter durchzuführen. „Und nicht nur Deutschland. Sicher werden wir vielleicht mal zusammen ein Spiel anschauen, aber ein spezielles Public Viewing ist jetzt nicht geplant“, sagt er.
Der große Wunsch
Konkrete Pläne gibt es auch beim TuS Steinbach nicht, wie Markus Buhl-Bohlander, der Teamchef des Landesligisten, verrät: „Wir haben auch noch nichts geplant, denn die Pandemie ist ja noch längst nicht vorbei. Da sollte man noch langsam machen und vorsichtig sein.“ Wie er das findet, dass die Länderteams nun in mehreren Metropolen in ganz Europa ihre Spiele austragen und die Amateurvereine erst jetzt langsam wieder unter Auflagen trainieren dürfen? „Die Profis haben eben Sonderstatus. Ob das Sinn macht, nun ja, die Bundesliga ist ja auch weitergelaufen. Die haben ja ein Hygienekonzept“, sagt Buhl-Bohlander, der betont: „Das ist ja eigentlich die EM von 2020. Was toll ist, ist natürlich, dass es endlich wieder einmal ein sportliches Großereignis ist. Aber klar ist auch: So eine EM, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, mit zusammen gemütlich gucken, wird das nicht werden.“ Buhl-Bohlander fügt an: „Wichtiger für uns kleine Vereine ist aber sowieso, dass wir bald wieder zumindest auf dem Rasen an den Ball treten können.“
Coronavirus hin, Coronavirus her – Akgün Yalcin, der Chefcoach des Verbandsligisten TuS Rüssingen, findet den Austragungsmodus dagegen eine schöne Sache. „Dass die Begegnungen in elf verschiedenen Städten ausgetragen werden, ist doch eine interessante Sache“, erklärt er. „In einem Europa mit offenen Grenzen ist das doch genau das, was man haben will.“ Die Rüssinger sind selbst bekannt dafür, dass im Teamkader viele Spieler aus verschiedenen Nationen stehen. Auch für die kommende Spielzeit soll es beim TuS wieder einige Akteure aus verschiedenen Nationen geben. „Wir sind gerade dabei, den neuen Kader zusammenstellen. Deshalb ist jetzt auch noch nichts in Sachen zusammen Fußballgucken geplant.“
„Fader Beigeschmack“
Markus Hengstenberg, Spielleiter des B-Klassisten TuS Stetten, sieht die Austragung der Fußball-Großveranstaltung dagegen eher kritisch. „Ich hätte es erst mal besser gefunden, mal ganz abgesehen von Corona, wenn die Europameisterschaft in einem Land ausgetragen worden wäre. Dass man das in so vielen verschiedenen Städten und Ländern austrägt, finde ich auch so nicht gut. Man muss einfach zu viel reisen“, sagt er und betont weiter: „Und dann kommt natürlich Corona dazu. Wir Amateure müssen uns an alle Regeln halten, dürfen immer noch nicht spielen, und die Profis reisen in der Welt herum. Das hat schon einen faden Beigeschmack.“ Letztlich wird der TuS-Spielleiter die EM aber nicht „boykottieren“. „Die Bundesliga hat man sich ja auch angeschaut. Nein, ich freue mich schon auf Fußball im Fernsehen. Das Finale der deutschen U 21 habe ich mir auch angeschaut und die Vorfreude auf Freitag ist sehr groß.“
In der Vergangenheit gab es beim TuS bei Welt- oder Europameisterschaften immer Public Viewing. Das fällt diesmal aus. „Jetzt haben wir unser Sportgelände endlich auf Vordermann gebracht, alles modernisiert, jetzt müssen wir warten. Aber hoffen wir, dass es bald wieder richtig losgeht“, sagt Hengstenberg.
Wenn Deutschland gewinnt ...
„Eigentlich finde ich die Art und Weise der Austragung eine gute Idee“, berichtet Björn Wenz, der Vorsitzende und Spieler des C-Klasse-Klubs TSG Kerzenheim. Er sagt: „Es ist doch wirklich interessant, wenn die Spiele in verschiedenen Ländern stattfinden. In Anbetracht von Corona ist das aber etwas heikel. Die Gefahr ist halt da, dass sich der Virus auch weiterverbreitet.“ Deshalb habe der Verein früh davon abgesehen, irgendetwas in Sachen Public Viewing zu organisieren. „Man stelle sich vor, die deutsche Mannschaft gewinnt, dann wäre da wohl ziemlich viel los. Und es wäre eher schwierig, sich pandemiekonform zu verhalten beziehungsweise aufzupassen, dass sich jeder konform verhält.“ Wenz sagt aber auch: „Na klar, freue ich mich auf die Europameisterschaft und hoffentlich viele gute und spannende Spiele.“

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