Donnersbergkreis
„Einsatztaktisch ideal platziert“
Zurzeit wird für den Weiterbetrieb fleißig nach möglichen Standorten im Kreis Kusel geforscht. Denn die Stationierung in Eßweiler vor knapp einem Jahr war und ist zunächst nur provisorisch. Zwar haben die Einsatzkräfte inzwischen Container, in denen sie sich beim Warten auf den nächsten Einsatz aufhalten können. Doch diese Unterbringung ist weit weg von dem, was die fliegenden Ärzte anderswo gewohnt sind. Allerdings hat die ADAC Luftrettung zwischenzeitlich ein Haus im Ort angemietet, damit das Personal dort übernachten kann, wie Ortsbürgermeister Peter Gilcher mitteilt.
Auf fünf bis sechs Millionen Euro werden die Kosten für eine dauerhafte Einrichtung geschätzt, die neben einem Gebäude für das Personal und einem Hubschrauber-Landeplatz auch eine Treibstoffleitung vorsieht. Denn der Drehflügler will ja auch betankt werden, ohne dass ständig Treibstofflaster anrücken müssen.
Weitere Optionen
Um den Standort buhlen natürlich auch die benachbarten Landkreise. Kaiserslauterns Landrat Ralf Leßmeister hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er den Rettungsheli am liebsten dort stehen sehen würde, wo bereits der Hubschrauber der Johanniter stationiert war – als diese einfach mal so den Probebetrieb aufnahmen und dann via Ausschreibung am Boden bleiben mussten. Dieser Standort wäre in Sembach. Auch der Donnersbergkreis wäre nur zu gerne Heimat des Rettungshubschraubers. Hier wäre wohl Imsweiler der bevorzugte Standort.
Diese beiden Standorte hätten einen klaren Vorteil gegenüber Eßweiler: Sie liegen deutlich weniger im Nebel als der Ort im Kreis Kusel, wo es schon häufiger mal vorkommen kann, dass der Heli bei starker Sichtbeeinträchtigung ein ganzes Stück weit mutig-tief parallel zum Boden fliegen darf.
In der Lotterie waren auch zwei andere Standorte, die sich aber inzwischen als Nieten herausgestellt haben: einer am Steinbruch in Kreimbach-Kaulbach, der andere auf dem Schneeweiderhof. Dafür sind nach RHEINPFALZ-Informationen nun zwei andere Möglichkeiten in der Prüfung: eine zwischen Lauterecken und Lohnweiler, die andere am Sportplatz Einöllen. Problem für Fläche Nummer eins: Sie wäre – Stichwort Versorgungsleitungen – relativ weit weg vom Ort, und es gibt bereits ernsthaftes Interesse für einen Solarpark an ebendieser Stelle. Da hat der Sportplatz Einöllen deutlich bessere Voraussetzungen.
Aber: Angeblich fühlt sich das Flugpersonal im Kuseler Nordwesten gar nicht so unwohl, zumal der Landeplatz vergleichsweise nah am Ort liegt, folglich dauerhafte Versorgungsleitungen nicht so teuer wären. Daher ist Eßweiler auch nach dem 31. Dezember eine Option.
Wenig Antworten
Wie realistisch diese Option ist, konnten aber bislang weder das zuständige Innenministerium des Landes noch die ADAC Luftrettung beantworten. Die Luftretter verweisen auf das Land, das diese Entscheidung treffen müsse. Sonja Bräuer, Pressesprecherin des Ministeriums, teilte auf Anfrage allerdings nur mit, dass man zu gegebenem Zeitpunkt ein Vergabeverfahren starten werde. Der Pressesprecher der Luftretter, Jochen Oesterle, bestätigt aber, dass „der Interimsstandort auf dem Segelflugplatz Eßweiler sich bisher als sehr guter und einsatztaktisch ideal platzierter Standort“ erwiesen habe.
Allerdings wird der ADAC erst dann über Standort und Millionen-Investition für eine Dauerunterbringung entscheiden, wenn gesichert ist, dass „Christoph 66“ auch weiterhin fliegen darf und die Kassen die Einsätze dann auch vergüten. So bestätigt auch Oesterle, dass man aktuell weitere Standorte im Einsatzgebiet prüfe, ließ aber offen, welche das genau sind.
Gemeinde hofft auf Hilfe
Von Seiten der Ortsgemeinde wünscht man sich jedenfalls, dass der Standort erhalten bleibt. Deshalb hat sich der Gemeinderat am Dienstagabend zusammengesetzt und ein Schreiben aufgesetzt, das gestern an das Ministerium, die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd, Landrat Otto Rubly und die Verbandsgemeinde Lauterecken-Wolfstein ging. Darin bittet man um Unterstützung für eine dauerhafte Stationierung der Luftretter in Eßweiler.
Wie Gilcher berichtet, gebe es auch von den Einwohnern keinen Widerstand gegen die Stationierung – im Gegenteil. Man sei froh, die Retter so nahe am Ort zu wissen. Und auch die Zusammenarbeit des ADAC mit dem Luftsportverein laufe hervorragend. Außerdem seien auch zehn Arbeitsplätze auf 450-Euro-Basis entstanden, was ja auch positiv zu bewerten sei. In Sachen Lärmbelästigung sei der Helikopter kein Problem, da sei der militärische Flugbetrieb der US-Streitkräfte, der teilweise auch nächtliche Einsätze unweit des Ortes beinhalte, schon wesentlich störender.