Donnersbergkreis
Einsamkeit auf dem Land: Wie Menschen geholfen wird
Einsamkeit ist ein Gefühl, das viele Menschen kennen – und doch wird selten darüber gesprochen. Besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn die Tage kürzer und soziale Kontakte oft weniger werden, kann das Gefühl der Isolation stark sein. Ob im Alter, nach einem persönlichen Verlust oder einfach durch den Alltag: Wer sich allein fühlt, leidet oft im Stillen. In Kirchheimbolanden gibt es jedoch einen Ort, an dem Betroffene nicht alleine bleiben müssen. Die Sozial- und Lebensberatung der Diakonie Pfalz bietet Menschen in schwierigen Lebensphasen Unterstützung, ein offenes Ohr und konkrete Hilfsangebote, um aus der Isolation herauszufinden.
Das Haus der Diakonie in Kirchheimbolanden, eine von 13 Hauptstellen der Diakonie in Rheinland-Pfalz, ist Teil der Evangelischen Kirche der Pfalz und versteht sich als niederschwellige Anlaufstelle für Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Hier finden Hilfesuchende Orientierung, praktische Unterstützung und Begleitung in schwierigen Zeiten. Besonders gefragt ist die Sozial- und Lebensberatung, die in einem geschützten Rahmen Raum für Gespräche bietet. Gleichzeitig arbeitet die Diakonie Pfalz daran, ihre Angebote zunehmend in den ländlichen Raum zu bringen.
Lebens- und Sozialberatung als wichtige Stütze
„Das wird sich in den kommenden Jahren verändern“, erklärt Carmen Müller, Regionalleiterin der Diakonie-Region Nord. Vor allem die Mobilität sei ein Problem: Viele Menschen, insbesondere ältere oder depressive, können weite Wege nicht bewältigen. „Die Probleme bei uns sind so vielfältig wie das Leben selbst“, erklärt Müller. „Wir müssen Wege finden, diese Menschen zu erreichen.“
Die Corona-Pandemie habe das Thema Einsamkeit zusätzlich verstärkt. Gerade in Gebieten wie dem Donnersbergkreis sei Isolation ein großes Problem. „Hier im ländlichen Raum ist Einsamkeit nicht zu unterschätzen“, betont Müller. „Es gibt viel Landfläche, weite Wege, abgelegene Höfe. Für depressive Menschen ist es dann schwer, zurück in ein soziales Gefüge zu finden.“ Viele Betroffene kämen zudem mit anderen Anliegen zur Beratung ins Haus der Diakonie, doch im Gespräch zeige sich oft, dass Einsamkeit eine zentrale Rolle spielt. „Wenn man sich mit den Menschen auseinandersetzt, merkt man schnell: Hinter vielen Problemen steckt Einsamkeit.“
„Hemmschwellen bei den Betroffenen sind hoch“
Auch deshalb beschäftigt sich die Diakonie seit vielen Jahren intensiv mit der Frage, wie Projekte gegen Einsamkeit wirksam umgesetzt werden können. Dabei setzt die Organisation auf ein breites Netzwerk. Denn häufig finden die Menschen nicht von selbst den Zugang zu den Angeboten. „Die Hemmschwellen sind bei den Betroffenen oft sehr hoch“, erklärt Müller. Meist kämen die Leute erst nach dem dritten oder vierten Aufruf.
Um dem entgegenzuwirken, setzt die Diakonie auf solche Dinge wie den Frauentreff. Seit August kommen alle zwei Wochen Frauen zwischen 30 und 80 Jahren im Haus der Diakonie zusammen, um sich auszutauschen und gemeinsam Zeit zu verbringen. Bis zu 15 Frauen nehmen regelmäßig teil. „Es ist wichtig, dass der Frauentreff offen ist“, sagt Müller. „Jeder kann kommen, wann er will. Wenn sich das Ganze etabliert hat, kann man in Zukunft auch mal gemeinsam nähen oder Ausflüge machen.“ Am Samstag, 22. November, lädt der Frauentreff ab 18 Uhr zudem zu einem besonderen SWR-Aktionstag ins Alte Stadthaus in Kirchheimbolanden ein. Im Rahmen der „Exit Einsamkeit – Nacht gegen Einsamkeit“ wird der Film „Der Glanz der Unsichtbaren“ gezeigt.
Angebote der Diakonie finden Anklang
Ein weiteres erfolgreiches Angebot ist die Initiative „Zeit zu verschenken“, ein Besuchsdienst für einsame Menschen. In Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche der Pfalz und dem Pflegestützpunkt Donnersbergkreis engagieren sich hier 20 Ehrenamtliche und verbringen regelmäßig Zeit mit Menschen, die Gesellschaft suchen. „Die Idee ist, dass jemand, der Zeit geben kann, sie einem anderen schenkt, der sie dringend braucht“, sagt Müller. „Die Initiative und auch der Frauentreff sind Angebote, die wirklich gut angenommen werden.“
Ebenfalls auf große Resonanz stößt ein drittes wichtiges Projekt gegen Einsamkeit: „DIAKOM – Die Beratung für ältere Menschen.“ Zwischen Oktober 2022 und September 2027 fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bundesweit Initiativen, die der ungewollten Vereinsamung entgegenwirken. Das Haus der Diakonie und seine Partner haben sich mit ihrer Idee beworben – und den Zuschlag erhalten. Seit Ende 2023 ist ein Beratungsmobil unterwegs, das regelmäßig Orte im ländlichen Raum anfährt, um ältere Menschen zu erreichen. „Wir müssen raus aus der Stadt und rein in die Randgebiete“, sagt Müller, die die Projektleitung im Januar übernommen hat. „In Städten finden die Menschen meist Angebote – aber auf dem Land bleiben viele einsam zu Hause.“
Beratungsmobil erleichtert Zugang zu Hilfe
Um einsame Menschen nicht zu überfordern, steuert das Beratungsmobil gezielt bestehende Treffpunkte wie Märkte oder Seniorencafés an, um den Zugang zu erleichtern. Betroffenen falle es dadurch leichter, über ihre Sorgen zu sprechen und das „Vorbeikommen ist dann viel einfacher, weil die Menschen sowieso unterwegs sind.“ Bereits 2024 erreichte das Mobil laut Müller 500 Menschen, in diesem Jahr seien es schon mehr als 1000. Das langfristige Ziel: Die Initiative über das Jahr 2027 hinaus bis 2028 fortzuführen.
Um Einsamkeit im und um den Donnersbergkreis weiterhin gezielt zu bekämpfen, müsse soziale Arbeit in Zukunft zunehmend außerhalb klassischer Einrichtungen stattfinden, betont Carmen Müller. Kirche solle nicht nur hinter Mauern, sondern im Miteinander gelebt werden. Besonders wichtig sei dabei der Wert menschlicher Nähe. „Es ist wichtig, im Kontakt mit anderen zu sein“, so die Diakonin. „Man muss über seine Probleme sprechen. Es ist leichter, Sorgen gemeinsam zu tragen, als allein daran zu scheitern.“ Das Haus der Diakonie biete zwar keine professionelle Therapie – doch bereits ein Gespräch könne Menschen entlasten. „Wenn der Austausch positiv verläuft, muss ein Gespräch nicht immer nur mit Taschentüchern geführt werden“, erklärt Müller. „Dann gehen die Menschen auch mal mit einem Lächeln nach Hause. Denn bei uns kriegen Betroffene Zeit, Aufmerksamkeit und das Zwischenmenschliche.“