Donnersbergkreis
Einrichtungsbezogene Impfpflicht: Von hohen Quoten und der Furcht vor Personalmangel
In knapp zwei Wochen müssen Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegebereich ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über eine vollständige Impfung, die Genesung oder ein ärztliches Attest vorlegen, das die Impfung ausschließt. So sieht es das „Gesetz zur Stärkung der Impfprävention gegen Covid-19“ vor, das der Bundestag jüngst verabschiedet hat. Das Ziel des Gesetzes ist, Patienten und Pflegebedürftige besser vor einer Corona-Infektion zu schützen. Arbeitgeber haben das zuständige Gesundheitsamt zu informieren, wenn die Nachweise nicht vorgelegt werden oder Zweifel an der Echtheit bestehen. Die Behörde kann letztlich sogar die Beschäftigung untersagen.
Mit rund 500 Mitarbeitern gehört das Westpfalz-Klinikum an seinen Standorten in Kirchheimbolanden und Rockenhausen zu den größeren Einrichtungen im Gesundheitswesen im Donnersbergkreis. Nach Auskunft von Sprecher Dennis Kolter beträgt die Quote von vollständig Geimpften und/oder Genesenen inklusive der beiden weiteren Standorte in Kusel und Kaiserslautern rund 95 Prozent.
Einige Kündigungen
„Wir betreiben nach wie vor Aufklärung und appellieren weiterhin an die noch nicht geimpften Mitarbeitenden, sich bis zum Stichtag impfen zu lassen“, sagt Kolter. Einige Kollegen hätten signalisiert, sich noch rechtzeitig impfen lassen zu wollen. So hätten sich an allen vier Standorten rund 50 Personen für eine Impfung mit dem neuen Impfstoff Novavax angemeldet. Nur wenige hätten indes angekündigt, nicht weiter im Gesundheits- und Sozialwesen arbeiten zu wollen. „Vereinzelt gab es Kündigungen“, so Kolter, der standortübergreifend von weniger als 15 Abgängen im Zusammenhang mit der Impfpflicht spricht. Dadurch sei die Aufrechterhaltung des Klinikbetriebs aber keineswegs gefährdet.
Die Impflicht gilt auch bei Rettungsdiensten. Für den DRK-Rettungsdienst Westpfalz mit Sitz in Kaiserslautern gibt Geschäftsführer Axel Gilcher Auskunft. Rund 300 Mitarbeiter teilen sich 260 Stellen, um die Versorgung der Bevölkerung im Kreis Kusel, dem Donnersbergkreis sowie in der Stadt und im Landkreis Kaiserslautern von 13 Rettungswachen aus zu gewährleisten. „Die allermeisten unserer Mitarbeitenden gehen mit Thema Impfen verantwortungsbewusst um, weil sie wissen, dass eine Impfung der beste persönliche Schutz vor einer Infektion oder einem schweren Krankheitsverlauf ist und auch die uns anvertrauten Patienten schützt“, erläutert Gilcher. Schließlich kümmerten sich die Rettungsfachkräfte meist um schwerstkranke Menschen, für die eine Corona-Infektion ein zusätzliches hohes Risiko bedeutet.
Hohe Impfquote
Die Impfquote beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes betrage in der Westpfalz rund 96 Prozent. Alle nicht Geimpften seien angeschrieben und informiert worden, berichtet Gilcher. „Führungskräfte auf den Rettungswachen führen dazu auch persönliche Gespräche. Das hat geholfen, dass sich Mitarbeitende, die zunächst skeptisch waren, dann doch noch für eine Impfung entschieden haben. Uns ist aber auch klar, dass es eine gewisse sehr niedrige Anzahl geben wird, die sich am Ende trotz aller guten Argumente nicht impfen lassen wird.“
Als Gründe für die Impfverweigerung seien Bedenken gegenüber dem mRNA-Impfstoff und Sorgen vor Nebenwirkungen geäußert worden. „Hier kann vielleicht der Novavax-Impfstoff ein Ausweg sein“, hofft Gilcher. Das Rote Kreuz werde sich „an die gesetzlichen Regelungen halten, auch deshalb, weil wir davon überzeugt sind, dass Impfen der beste Weg aus der Pandemie ist“.
Warten auf Novavax
Sollte das Gesundheitsamt Beschäftigungsverbote aussprechen, fürchtet das DRK dennoch keine negativen Folgen für zu Betreuende. Die Bevölkerung könne sich darauf verlassen, dass das Rote Kreuz die Notfallrettung sicherstelle, betont Gilcher, „so, wie unsere Rettungsfachkräfte das schon während der gesamten Corona-Pandemie gemacht haben“.
Gute Impfquoten weist das Evangelische Diakoniewerk Zoar im Donnersbergkreis vor, das 318 Mitarbeiter in den drei Wohnanlagen in Alsenz, Rockenhausen und Winnweiler sowie in der Seniorenresidenz Kirchheimbolanden beschäftigt. Weitere 23 Mitarbeiter sind im Stationären Hospiz in Rockenhausen tätig. Während in den drei Wohnanlagen und der Seniorenresidenz 97,5 Prozent der Mitarbeiter geimpft sind, liegt die Impfquote im Hospiz bei 100 Prozent. Von den Bewohnern sind dort allerdings über die Hälfte nicht geimpft, in den Einrichtungen seien nur knapp vier Prozent nicht geimpft.
Furcht vor personellen Engpässen
„Einige Mitarbeiter gelten momentan als genesen, da sie erst vor Kurzem infiziert waren“, gibt Direktorin Martina Leib-Herr Auskunft. Zudem seien einige erst einmal geimpft, und einige warteten auf den Impfstoff Novavax. Personelle Engpässe aufgrund der einrichtungsbezogenen Impfpflicht werden befürchtet: „Da es feste Personalwerte gibt, stellt jeder fehlende Mitarbeiter ein Problem dar“, macht die Direktorin mit Blick auf den Pflegenotstand deutlich.
Mit knapp 100 Prozent ist die Impfquote unter den rund 70 Mitarbeitern im Seniorendomizil Haus Antonius in Göllheim hoch, freut sich Leiterin Kerstin Völker. „Aufgrund der einrichtungsbezogenen Impfpflicht haben wir keine personellen Engpässe zu befürchten“, stellt sie fest. Anfang vergangenen Jahres sei eine Info-Kampagne zur Corona-Schutzimpfung in verständlicher Sprache gestartet worden. „Ergänzend dazu stellen wir unseren Mitarbeitern auch Informationen in deren Muttersprache zur Verfügung“, berichtet Völker. Dem Arbeitgeber sei es wichtig, Bedenken und Vorbehalte zur Impfung ernst zu nehmen. Daher seien Aufklärung, basierend auf Fakten, und das Gespräch mit den Mitarbeitern elementar. Völker: „Die Maßnahmen sind gut, wirksam und schlussendlich erfolgreich.“
Allerdings sei aufgrund des Fachkräftemangels in der Pflege jeder Mitarbeiter, „den wir aufgrund der Impfpflicht verlieren könnten, schmerzhaft“. Dass neue Arbeitsverhältnisse ab 16. März nur noch bei Vorlage eines entsprechenden Nachweises möglich sind, sei eine Erschwernis zur ohnehin schon angespannten Lage bei der Gewinnung von Mitarbeitern für stationäre Pflegeeinrichtungen, gibt sie zu bedenken.
Strack: „Merkliche Einbuße“
Eine ebenso hohe Impfquote kann das Wolffstift Kirchheimbolanden vorweisen. Unter den 108 Mitarbeitern seien über 99 Prozent geimpft, teilte Pressesprecherin Isabel Flory mit. „Wir haben mit allen Mitarbeitenden, die Bedenken wegen der Impfung hatten, das Gespräch gesucht“, so Flory. Es gebe darunter nur eine Person, die nicht geimpft ist und dies auch nicht beabsichtige. Personelle Engpässe erwartet sie nicht. Unter den Bewohnern des Wolffstifts seien knapp fünf Prozent nicht geimpft.
Keine Ausfälle wegen der Impfpflicht befürchtet der Geschäftsführer der Ökumenischen Sozialstation Rockenhausen/Alsenz-Obermoschel/Winnweiler, Norbert Pasternack. Alle 73 Mitarbeiter seien vollständig geimpft, berichtet er.
Allerdings werden im Haus Zellertal in Albisheim zum Stichtag von den bisher 78 Mitarbeitern wohl zwei fehlen. Die zwei Angestellten hätten angekündigt, sich nicht bis zum 15. März impfen lassen zu wollen, berichtet Einrichtungsleiterin Silke Strack. Als Begründung seien „Impfschäden“ sowie „Impfzwang“ angeführt worden. Unter den Mitarbeitern des von der Protestantischen Altenpflege Westpfalz getragenen Alten- und Pflegeheim betrage die Impfquote 97 Prozent. Auf die Frage, ob ein personeller Engpass befürchtet wird, ist Strack zwiegespalten: „Jein. Die Stellenanteile werden von anderen Team-Mitarbeitern übernommen.“ Trotzdem sei dies eine „merkliche Einbuße“, da zwei Personen des langjährigen Pflegeteams fehlen werden.