Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Einigung bei Adient: Beschäftigte sollen Austrittsangebote erhalten

Ein Achtel seiner 1000 Stellen baut Adient bis September 2025 ab.
Ein Achtel seiner 1000 Stellen baut Adient bis September 2025 ab.

125 Stellen baut der Automobilsitzhersteller in Rockenhausen ab. Betriebsrat und Konzern haben sich nun auf einen Kompromiss geeignet, um Kündigungen möglichst zu vermeiden.

Gute Nachrichten gab es für die Belegschaft von Adient in der jüngeren Vergangenheit selten. Nachdem der Automobilsitzhersteller zuletzt ankündigte, am Standort Rockenhausen bis September 2025 weitere 125 Stellen kürzen zu wollen, gab es nun aber wieder erfreulichere Neuigkeiten: Nach Verhandlungen zwischen Vertretern des Konzerns und des Betriebsrates wurde eine Einigung erzielt. Demnach könnte die Belegschaft schon bald Angebote erhalten, um Adient freiwillig zu verlassen. Betriebsbedingte Kündigungen könnten dadurch erneut verhindert werden.

Details werden im August verkündet

Dieses war auch das oberste Ziel, welches der Betriebsratsvorsitzende Ulrich Böttcher ausgegeben hatte. Entsprechend zufrieden zeigt er sich nun. „Das Ergebnis ist schon in unserem Sinne, ansonsten hätten wir es ja auch ablehnen können“, so Böttcher. Zwei Freiwilligenprogramme soll es geben. Das entsprechende Eckpunktepapier liegt aktuell zur juristischen Prüfung bei Vertretungen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite. Mit einer Unterschrift wird bis Anfang August gerechnet. „Dann können wir die Angebote auch der Belegschaft bekanntgeben“, äußert sich Adient-Sprecherin Annika Wiertz. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man hingegen noch keine Details nennen.

Böttcher lässt zumindest bereits anklingen, dass ein guter Kompromiss erzielt wurde. „Klar hatten wir andere Vorstellungen, aber das gilt genauso für die Arbeitgeberseite“, sagt er. Letztlich habe man gemeinsam so entschieden und aus aktueller Sicht das beste für die Mitarbeitenden erreicht. „Wir hoffen, damit so viele Positionen wie möglich über freiwillige Ausscheidungen aus dem Unternehmen abbauen zu können“, erklärt Annika Wiertz. Bestenfalls finden sich 125 Freiwillige und man könnte auf Kündigungen verzichten. Bis Ende September des kommenden Jahres sollen ein Achtel der derzeit 1000 Stellen wegfallen. Es ist bereits der zweite gravierende Stellenabbau innerhalb kurzer Zeit. In den Jahren 2020 und 2021 fielen 270 Arbeitsplätze weg – auch damals gelang es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Damit einher ging eine Restrukturierung, um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein. „Und genau da macht man sich seine Gedanken. Wie ist nun die Perspektive für die Zukunft? Sitzen wir vielleicht in zwei, drei Jahren wieder hier und verhandeln den nächsten Stellenabbau?“, spricht Ulrich Böttcher die Fragen aus, die ihm, dem Betriebsrat, und auch vielen der Beschäftigten durch den Kopf gehen.

Perspektive bleibt weiterhin unsicher

Der weltweit größte Hersteller von Autositzen hatte im Zuge der Corona-Pandemie Teile seiner Produktion nach Asien verlegt, wo sie seitdem verblieben ist. Den Standort Rockenhausen hat das nachhaltig geschwächt – eine Rückkehr zur Situation vor der Pandemie ist nicht geplant. „Genau das ist aber das einzige, was Adient wirklich selbst steuern könnte, um die Situation hier zu verbessern“, äußert sich Böttcher. An der allgemeinen Auftragslage könne man hingegen wenig ändern. Aber durch das Aufbauen neuer Standorte im Ausland schwäche man eben wiederum andere. „Die Erklärung ist dann immer, dass das ja vom Markt so verlangt werde“, meint Böttcher. Wirklich zu wiederlegen sei dieses Argument aber eben auch nicht – vor allem mit Blick auf die effizientere Lieferkette, die man nun im asiatischen Raum habe. Eine Rückkehr zum alten Zustand werde es also kaum geben. Was bleibt, sei also eine unsichere Perspektive für den eigenen Standort. Hinzu kommen weitere Probleme. Die aktuelle Generation 3000 des Sitzlehnen-Einstellers Taumel, Adients Vorzeigeprodukt, reicht weiter nicht an den Erfolg des Vergängers heran. Hinzu kommen die bekannten Krisen, der Wandel hin zur E-Mobilität und eine größer werdende Konkurrenz aus China.

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