NIEDERMOSCHEL
Eine Ära geht zu Ende – Gasthaus „Zur Post“ schließt
Die Nachricht schlug in und um Niedermoschel ein wie eine „Bombe“, einige Bürger wollten es zunächst gar nicht glauben: Völlig überraschend und noch vor der Kerwe am zweiten Septemberwochenende schließt die Gaststätte „Zur Post“ von Bärbel Haage. „Es sind altersbedingte und familiäre Gründe“, sagte Ralf Haage, der in der Gaststätte kochte und mit seiner Frau Nadine und weiteren Familienangehörigen seine Mutter immer unterstützte, im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Treue Gäste wissen es: Bärbel Haage war eine immer gut gelaunte Gastgeberin und die gute Seele der Wirtschaft. Bei den regelmäßig stattfindenden Schlachtfesten, bei Geburtstagen, bei Konfirmationen, beim Trauerkaffee, bei Jagdgesellschaften oder auch bei Vereins-, Gruppen- oder Parteiveranstaltungen. Auch an den üblichen Öffnungstagen hielt sie oft und gerne die Stellung und bediente, war gute Gesprächspartnerin und schloss die Tür nach dem Gang des letzten Gastes zu. Gerade auch an den „großen“ Feiertagen wie der Kerwe, wo auch noch ein Getränkestand am Bürgerhaus zu betreuen war, bei den Schlachtfesten oder nach dem Fasnachtsumzug, wo das Gasthaus und die Sitzgelegenheiten im Hof meistens nicht ausreichten, um die Gästeschar aufzunehmen, war auf die Familienangehörigen Verlass. Alle halfen tatkräftig mit, wo sie gebraucht wurden.
„Gasthaus ist systemrelevant für die Region“
„Zuletzt musste sich meine Mutter aber einer Operation unterziehen“, sagte Ralf Haage. Der Gemeinde wie der Region wird etwas Wichtiges fehlen, denn der Gaststättenbetrieb in dem Gebäude hatte überregionale Anziehungskraft und eine mehr als 100-jährige Tradition. Landrat Rainer Guth, der ab und zu bei Haages auch außerhalb von Dienstterminen vorbeischaute, war über die Schließung perplex. „Eigentlich kann das doch nicht sein, das Gasthaus von Haages ist für die Region systemrelevant“, so Guth.
Im Jahr 1903, dem Eröffnungsjahr der Kleinbahnlinie Alsenz-Niedermoschel-Obermoschel, übernahm Adam Haage in dem Gebäude der Gaststätte auch die Post, so ist in einem Artikel von Rudolf Schmidt aus Gaugrehweiler in der Ortschronik zur 650-Jahr-Feier von Niedermoschel im Jahr 2012 nachzulesen. In dem Gasthaus, damals noch „Zur Bahn“ genannt, gab es nicht nur Speisen und Getränke, es konnte auch telefoniert werden, es wurden Briefmarken verkauft und Briefe aufgegeben und zugestellt und zudem Zugfahrkarten für die Kleinbahnlinie, die bis 1935 über Niedermoschel zwischen Alsenz und Obermoschel verkehrte, verkauft.
Auch nach der Poststellenschließung geht es weiter
1933 übernahm Adam Haages Sohn Rudolf die Poststelle, dann ab 1945 Schwester Anna Haage. Ab 1. Januar 1966 bis zur endgültigen Schließung zum 31. März 1993 waren Bärbel und ihr Ehemann Helmut Haage Inhaber der Poststelle, erledigten alle Postgeschäfte in Niedermoschel und für die nähere Region und betrieben auch die Gaststätte unter dem Namen „Zur Post“. Daneben waren sie als Landwirte aktiv, bewirtschafteten ihre eigenen Wingerte und waren Inhaber eines Brennrechtes für Spirituosen. Der Gaststättenbetrieb ging auch ohne Post weiter – ein gelber Briefkasten an der Hauswand des Anwesens blieb das einzige Überbleibsel. Mit großem Bedauern wurde nun die endgültige Schließung der Gaststätte von vielen Stammgästen zur Kenntnis genommen. Nun müssen neue Orte für Stammtische und Treffen gefunden werden – und das ist gar nicht so einfach.