Winnweiler Ein Whisky für den Weltuntergang
Der „Mystic Malt World End Edition“ ist so eine richtige Schnapsidee von Bernhard Höning, der seit 2008 gemeinsam mit seiner Frau Christiane eine Brennerei in der Schulstraße in Winnweiler betreibt. „Der Gedanke kam mir, als 2012 der große Hype um den Maya-Kalender und den in ihm vorausgesagten Weltuntergang durch sämtliche Medien ging“, blickt der 49-Jährige zurück. „Aber mittlerweile ist ja bekannt, dass die Maya in 400-Jahres-Sprüngen rechnen. Da ist viel Potenzial für Fehler drin“, sagt der Brenner mit einem Lächeln.
Sicher kein Fehler war es indes, den Mystic Malt im Dezember 2012 auf das Fass zu legen. Ausgewählt hat Höning ein 225-Liter-Fass aus Eichenholz, das in Johanniskreuz gewachsen ist. Hergestellt wurde es vom Fassbauer Eder in Bad Dürkheim. „Das war ein neues Fass, das mit einem sogenannten Nordic-Toasting versehen war“, so Höning. Unter einem „Toasting“ versteht man das Ausbrennen eines Fasses. „Der Hintergedanke war, dass zum einen nur ein Fass aus Pfälzer Eiche einen Weltuntergang überstehen würde, zum andern dass das Toasting ein deutliches Raucharoma an den Brand abgeben sollte“, erklärt Höning.
Das Raucharoma ist zwar nicht so intensiv durchgedrungen wie eigentlich gewünscht, dafür gab es eine angenehme Überraschung: „Es war klar, dass der Mystic Malt keine torfige Note, wie sie viele Highland-Whiskys haben, bekommen würde. Dass ich jedoch mit dem eingesetzten Chocolat-Malz eine solch deutliche Kakao-Note erreichen würde, hatte selbst ich nicht erwartet“, sagt Höning, der mit Whisky-Brennen mittlerweile viel Erfahrung hat.
Goldrot und mit Duft nach Kakao
In der sogenannten Fassstärke wurde der neue Whisky schon vorab gekostet und von Experten bewertet. Unter anderem lautet deren Einschätzung „charakterstark, goldrot mit warmem, weichem Duft nach aufgespreiztem Getreide und Kakao“. Der Holzton sei perfekt integriert, bescheinigen die Fachleute dem neuen Produkt. Und sie haben recht, wer probiert, kommt direkt an die schokoladigen Töne, und auch eine gewisse Süße kann das mystische Getränk nicht verleugnen. „In die Flasche kommt er am 21. Dezember“, erklärt Höning, der vorab lediglich zwei Flaschen für die Verkostung und den Pressetermin entnommen hatte.
Mit seiner Brennerei fährt Höning auf Erfolgskurs, auch was seine anderen Erzeugnisse angeht. Unter anderem hat er mit seinem Himbeerbrand die Bezeichnung „Siegerbrand“ bei der Landesprämierung in der Kategorie Beerenobst erreicht. Im Auftrag der Bäckerei in der Pulvermühle hat Höning ganz neu einen Brotschnaps, den „Brotler“, gebrannt. Er wird nur in der Bäckerei verkauft. „Ein Brot-Whiskey ist auch bereits destilliert und lagert auf Holz“, sagt er. Der soll 2022 rauskommen.
Ganz neu ist zudem der Kelten-Gin, der zweite Gin aus dem Haus Höning. „Wir haben nur den Kelten bekannte Kräuter wie Eisenkraut, Mädesüß, Herzgespann, Beifuß und für die Gin-Note Wacholder und Orangenthymian verwendet.“ Neue Ideen gibt es auch schon, unter anderem mit regionalen Kollegen einen „Donnersberger Landbrand“ zu kreieren.
Zur Sache: Staatsehrenpreis
Schon zum zweiten Mal in Folge hat Bernhard Höning mit Produkten aus seiner Brennerei einen Staatsehrenpreis, die höchste Auszeichnung der Landesprämierung, erhalten. Dafür hat er 20 Produkte bei der Landwirtschaftskammer zur Prämierung eingereicht. Die Ausbeute: 14 Goldmedaillen, drei Mal Silber und zwei Mal Bronze. Dieses Jahr haben in der Pfalz nur zwei Brenner den Staatsehrenpreis bekommen. Neben Berhard Höning war dies Horst Silbernagel, der eine Brennerei in Landau betreibt.