Kirchheimbolanden
Ein Tornado über der Nordpfalz? – Das sagt der Wetterexperte
Nein, dieser Tage erleben wir wahrlich keinen Traumsommer. Während die meisten Sonnenfreunde schon sehnlich die bereits angekündigten Hitzetage herbeiwünschen, geben sich in der Region seit Tagen die Unwetterfronten die Klinke in die Hand. Gewitter, Sturm und Starkregen bestimmten das Sommerwetter in den letzten Tagen deutlich mehr als etwa ein wolkenloser blauer Himmel. Das ist in der Ferienzeit unschön, aber man muss es eben hinnehmen. In Kirchheimbolanden sorgte zuletzt aber eine außergewöhnliche Sichtung für Aufruhr. War da etwa ein Tornado über der Nordpfalz?
In der Facebook-Gruppe „Nettwerk Kirchheimbolanden“ zeigte ein anonymer Nutzer ein Foto einer Windhose, die er nach eigener Aussage in der Nähe der Stadt gesehen und fotografiert hatte. Einige weitere Nutzer bestätigten die Sichtung in der Kommentarspalte. Das Foto sei demnach vom Mitfahrerparkplatz neben Steitz Secura (gegenüber der Auffahrt zur A63) aus aufgenommen worden, die Windhose habe ich in Richtung Bolanden gezeigt, sei aber auch schnell wieder verschwunden. „Man erkennt auf dem Bild einen Tornado im Ansatz“, erklärt RHEINPFALZ-Wetterexperte Michael Agne, relativiert aber direkt: „In diesem Fall wirkt er eher harmlos, da er den Boden nicht berührt und damit keine Schäden verursachen kann.“ Im Bereich des sogenannten Rüssels der Windhose könne es aber dennoch zu sehr böigen Winden kommen.
Wetterphänomen könnte häufiger werden
Was der Facebook-Nutzer da also fotografisch festgehalten hatte, war tatsächlich ein nicht ungefährliches Wetterphänomen, auch wenn daraus kein Tornado erwachsen ist. Doch inwiefern ist eine solche Windhose für die Nordpfalz ungewöhnlich? „Dieses Phänomen tritt bei uns sehr selten auf, aber bei bestimmten Wetterlagen können solche Ereignisse auch lokal schon mal vorkommen“, meint Agne. Das passiere hauptsächlich dann, wenn in der Atmosphäre große Temperaturgegensätze vorhanden sind – oder wenn kalte auf feuchtwarme Luft tritt und es zu Verwirbelungen kommt. „Bei enormem Luftmassenwechseln, also wenn nach hohen Temperaturen eine deutliche Abkühlung naht, sind sogar Tornados möglich. Was in den USA durchaus häufiger der Fall ist, wenn kalte Polarluft über den weiten Ebenen auf die heiße und feuchte Luft aus der Karibik trifft“, führt Agne aus.
Die klimatischen Veränderungen könnten nun aber dafür sorgen, dass extreme Wetterphänomene auch bei uns häufiger werden. „Trotzdem bleiben solche Wirbelwinde auf engstem Raum begrenzt, eben dort, wo der Wolkenrüssel auf den Erdboden trifft. Meist tritt das in einer Schneise von 100 Metern auf“, sagt Michael Agne. Was der unbekannte Facebook-Nutzer also beobachtete, ist keineswegs zu unterschätzen. Und es könnte in Zukunft weitaus häufiger auftreten, als es noch in der Vergangenheit der Fall war. Seltenheitswert hat es aber weiterhin. Die Reaktionen auf Facebook waren indes sehr gemischt. Während viele beeindruckt oder besorgt waren, gab es auch einige, die darauf bestehen, früher schon gleiche oder gar größere Phänomene dieser Art gesehen zu haben. Unterhalb einer solchen Windhose wird sich am Ende aber auch von denen wohl keiner aufhalten wollen.