Donnersbergkreis Ein Tag der Traumtore
Gundersweiler. Wo waren die explosiven Sturmreihen? Im Tiefschlaf. Es hätte, gemessen am Personal, ein Feuerwerk werden können, mündete aber in einem glanzfreien, eher schwachen Kick: Der SV Gundersweiler besiegte gestern den formstarken Aufsteiger FV Rockenhausen II mit 2:1 (1:0). Inhaltlich beschränkte sich das zahme B-Klasse-Derby auf drei wundervolle Zauberschüsse – der erste, eines der kuriosesten Saisontore, zerstörte dabei den FVR-Matchplan. Rückblick auf einen Tag der Traumtore.
Keine Kombinationen ziehen. Die Lust am Laufen hängt fest in der Kabine. Jeder Ansatz eines taktischen Clous verpufft nach zwei, drei Stationen. Wenn es so läuft, dann hilft nur – Brechstange. Vor mit der Pille, in die „Box“. Dachte sich auch Patrick Gramsch. Er habe, lachte er später auf dem Rasen, spekuliert. Vielleicht rutsche das Leder ja irgendwie durch. „Der Ball muss immer aufs Tor, wenn man flankt. Vorne hatte gerade einer Flanke gerufen“, sagte der Abwehrmann des SV Gundersweiler. Also hielt er drauf. Die Flanke, so der Plan, missriet ihm kräftig. Und wurde zum Sonntagsschuss. 40 Meter vor dem Kasten, an der Mittellinie fast, zog Gramsch ab. Der Schlag wurde länger, immer länger – bis er über Rockenhausens Kevin Heske segelte, der die seltsame Flugbahn total falsch berechnete (45.). Ein Treffer, den man hier normal eher von einem Hakan Akten serviert kriegt. Aber Gramsch kann’s auch. „Durch so ein blödes Tor sind wir voll rausgekommen. Klar war das ein Torwartfehler, aber Vorwürfe kann ich ihm nicht machen“, räumte Christoph Meinicke, Coach des FVR II, ein. Stimmt. Gramschs Flanken-Ei flog einfach komisch. Da kann ein Keeper schnell unglücklich aussehen. Als Heske merkte, dass er zu weit vor der Linie stand, war es zu spät. „Er hat mit dem Pass auf mich gerechnet und wollte vor mir am Ball sein“, meinte Stürmer und SVG-Trainer Michael Hammerschmidt. Das Kuriosum zum 1:0 schüttelte den FVR II ordentlich durch: Die defensive Grundordnung musste er auflösen, Andreas Schick vom Zentrum weiter in die Spitze schieben. Meinickes Konzept platzte nach 45 Minuten wie eine Seifenblase. „Wir waren hinten offener, und Gundersweiler hat vorne halt zwei Raketen“, erklärte er sich. „Insgesamt haben wir die zweiten Bälle nicht gekriegt“, haderte FVR-Institution Markus Krüger. Mit beinahe 49 Jahren ackerte der Routinier, als verkappter Libero hinter einer Dreierkette, über 90 Minuten. Ach ja, apropos Angriff, Raketen und Tore. Dass SVG und FVR II über gehobene B-Klasse-Qualität im Sturm verfügen, ist kein Geheimnis. Gestern blieb sie im Verborgenen. Wenig kreative Züge, kaum gezielte Abschlüsse. Es war kein Spiel für Knipser – auch, weil von hinten wenig kam. „Für uns war es schwer, die vier Ausfälle zu kompensieren. Das merkt man einfach im Aufbau. Unsere Verwertung heute war katastrophal“, zeterte Hammerschmidt, der die zwei größten Chancen vergab, zwei Dribblings gegen Heske in den Sand setzte (64., 85.). Er blieb ungewohnt blass. „Bei uns hat die Laufbereitschaft ohne Ball gefehlt“, so der Spielertrainer. Ausgenommen zwei schöne Aktionen in Hälfte zwei, als der SVG die Kugel flott laufen ließ. Der Rest an Spielkultur war puristisch. Das sah auch der FVR II so. „Auf beiden Seiten war das nicht das Beste. Wir konnten unsere Offensive nicht einsetzen“, sagte Meinicke. „Da hat das letzte Stück gefehlt. Nicht nur vorne“, beschrieb Torjäger Steffen Stein. Entweder es haperte beim FV an Präzision (9., 44.). Oder Heimkeeper Marcel Dirksen packte sagenhafte Reflexe aus: Schicks abgefälschten Versuch lenkte er über die Latte (18.), Steins eigentlich starken Freistoß kratzte der Pfundskerl aus dem Winkel (74.). Paraden der Extraklasse. Wenn nichts geht, sind es eben die Einzelaktionen, die Geniestreiche, die Würze ins Spiel bringen. Davon gab es genug gestern. Andrej Ditzel nahm den Ball aus 25 Metern volley – und zimmerte ihn deftig in den Winkel (89.). Heske rührte sich nicht mal. Im Gegenzug war es FVR-Regisseur Christian Doell, technisch einer der ausgereiftesten Kicker der Klasse, der zauberte. Ein Solo schloss er, 30 Meter vor dem Tor, mit einem herrlichen Strich ins rechte Eck ab (90.). 1:2. Ein Tor schöner als das andere. Und Entschädigung für den eher öden Rahmen. „Der Sieg ist verdient. Auf dem kleinen Platz ist das für uns schwer, wenn Gundersweiler hinten kompromisslos verteidigt“, betonte „Oldie“ Krüger. Gramschs zum Schuss gewordene Flanke war der Knackpunkt, der den FVR durcheinander wirbelte… So spielten sie SV Gundersweiler: Dirksen - Cornelius, Tobias Basalyk, Patrick Gramsch - Christian Gramsch, Sajoscha Basalyk - Stumpf, Marc Schiff, Ditzel (90. Seib) - Hammerschmidt, Destro (86. Jonas Schiff) FV Rockenhausen II: Heske - Krüger - Neubrech, Mese, Eberle, Rosch - Mohr (46. Alken) - Krämer (84. Loth), Schick (73. Gabelmann), Doell - Stein Tore: 1:0 Patrick Gramsch (45.), 2:0 Ditzel (89.), 2:1 Doell (90.) – Gelbe Karten: Sajoscha Basalyk, Marc Schiff, Christian Gramsch, Tobias Basalyk, Ditzel - Mohr, Mese - Gelb-Rote Karte: Stumpf (86.) - Beste Spieler: Patrick Gramsch, Christian Gramsch, Ditzel, Dirksen - Doell, Alken - Zuschauer: 55 - Schiedsrichter: Hoffmann (Dahn).