Gehrweiler
Ein neuer Treffpunkt für Jung und Alt
„Corona hat ja praktisch alles ausgebremst.“ Den Satz, den Ortsbürgermeister Bernhard Kiefer zu Beginn des Gesprächs mit der RHEINPFALZ fallen lässt, könnten sicher alle seine Amtskollegen und -kolleginnen in unserer Region so unterschreiben. Doch für die Gehrweilerer war die monatelange Lähmung des gesellschaftlichen Lebens besonders bitter: Immerhin hatte das Land die 300-Einwohner-Gemeinde am südwestlichen Rand unseres Kreises ziemlich exakt ein Jahr vor Beginn der Pandemie als Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung anerkannt. Damit verbunden sind für die Dauer von acht Jahren besonders hohe Zuschüsse für die Verwirklichung von Projekten, die den Ort voranbringen können und sollen.
Auch wenn größere Zusammenkünfte oder Bürgerversammlungen in den vergangenen beiden Jahren nicht möglich waren: Im Hintergrund – besser gesagt im Gemeinderat – sind die Planungen unter fachkundiger Begleitung des Büros Natalie Franzen aus Gau-Odernheim dennoch weiter gelaufen. Im Fokus stand dabei ein Vorschlag, den Bürger bereits zu Beginn des Prozesses geäußert hatten: Leerstehende und nicht mehr erhaltenswerte Gebäude – zumal, wenn sie an verkehrskritischen Stellen stehen – sollte die Gemeinde kaufen, abreißen und das Gelände anderweitig nutzen.
Haus beeinträchtigt Sicht und ist „kein schöner Anblick“
Genau das geschieht nun mit einem Anwesen aus den 1920er Jahren, das an der Gabelung Eckstraße/Haselhecke steht und seit Jahren nicht mehr bewohnt ist. Nicht nur, dass dieses Haus „kein schönen Anblick ist“, so Kiefer – es beeinträchtige auch an der V-förmigen Kreuzung die Sicht der Verkehrsteilnehmer. Nicht zuletzt seien, weil es keine Bürgersteige gibt, die Fußgänger verunsichert – allen voran ältere Menschen und Kinder. Diesbezüglich bringe das Projekt ebenfalls eine erhebliche Verbesserung.
„Zu einem fairen Preis“, so Kiefer, habe der Eigentümer das Grundstück abgegeben. Nach dem Abriss soll das am Hang gelegene Areal als Freifläche neu gestaltet werden. „Wir möchten, dass ein Treffpunkt für Jung und Alt entsteht, mit Sitzgelegenheiten und Grünflächen“, erläutert der Ortschef. Gerade nach der langen Corona-Durststrecke möchte man die Menschen wieder näher zusammenbringen. Ein zentraler Ort, an dem dies – noch dazu an der frischen Luft – geschehen kann, ist im Dorf bislang Fehlanzeige. Zwar ist Kiefer froh und dankbar für die schmucke Gemeinschaftshalle als Veranstaltungsstätte und die angegliederte Gaststätte „Zur Datsche“, die von den Bürgern gerne und viel frequentiert wird. Doch liegen diese ganz am Ortsausgang Richtung Höringen und somit „ab vom Schuss“.
Barrierefreier Zugang und Lebensraum für Insekten
Die knapp 100 Quadratmeter große Fläche in der Eckstraße wird laut Planung terrassenartig auf zwei mittels einer Sandsteinmauer getrennten Ebenen gestaltet. Der untere, barrierefreie Bereich wird als Treffpunkt mit Sitzgruppe und Tisch hergerichtet – und zwar so, dass etwa Rollstuhlfahrer problemlos an der Runde teilnehmen können. Ferner wird ein Beet mit pflegeleichten Staudenmischpflanzen angelegt, die Lebensraum und Nahrung für Insekten bieten. Die Abgrenzung zur Straße erfolgt über einen Kastanien-Staketenzaun, an den Seiten wird die bisherige Mauer zum Teil erhalten beziehungsweise wiederhergestellt.
Auf der oberen Etage werden eine robuste Rosen-Gattung (Rosa-Rugosa-Hybriden) und ein Baum gepflanzt. Über ein kleines Podest erfolgt der Zugang zu einer bereits jetzt vorhandenen Garage. Diese wird nicht abgerissen und dient künftig als Lagerraum für Bänke sowie weitere Utensilien. Denn vorgesehen ist, dass auf dem Mini-Dorfplatz auch kleinere Veranstaltungen stattfinden. Dankbar ist Kiefer, dass sich Nachbarn bereiterklärt haben, „ein Auge darauf zu werfen und die Fläche sauber zu halten“.
Vorzeitiger Baubeginn ist genehmigt
Die Kosten für das Projekt sind auf 81.000 Euro geschätzt; vom Land wird ein Zuschuss aus dem Dorferneuerungstopf über 53.000 Euro erwartet. Zwar liegt der endgültige Bescheid noch nicht vor, dennoch steht die mit dem Abriss beauftragte Firma Korz in den Startlöchern bereit. Grund: „Wir haben den vorzeitigen Baubeginn genehmigt bekommen“, so Kiefer.
Apropos Beginn: Bevor der Rückbau startet, sind Abstimmungen notwendig. Denn in der Eckstraße gibt seit vorigen Herbst schon eine Baustelle: Die Firma Jung aus Sien saniert die Fahrbahn, im Auftrag der VG-Werke werden Wasserleitung und Kanal erneuert. „Zudem bringen wir direkt Leerrohre für schnelles Internet ein, die Pfalzwerke verlegen überirdische Kabel unter die Erde“, ergänzt Kiefer.
Eckstraße: Ausbau soll Mitte April abgeschlossen sein
Die Eckstraße ist zweigeteilt: Der vordere Bereich ist die Verbindung zwischen der Ortsmitte und dem höher gelegenen Neubaugebiet Haselhecke. Der hintere Teil beginnt an besagtem Anwesen und endet als Sackgasse. Dort haben die Arbeiten auch angefangen, mittlerweile sind sie im zweiten Bauabschnitt angekommen. Bis Mitte April, hofft Kiefer, wird die Maßnahme abgeschlossen sein.
Zuvor soll allerdings noch der Gebäude-Abriss erfolgen. „Es wäre ja Quatsch zu warten, bis die neue Straße fertig ist und dann wieder die Bagger drüber rollen zu lassen.“ Deshalb werde das den Straßenausbau begleitende Ingenieurbüro Monzel-Bernhardt „sofort, wenn eine kleine Lücke ist, die Firma Korz informieren“, ist der Ortsbürgermeister voll des Lobes über die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten. Die Gestaltung der Freifläche selbst gehe man danach in Ruhe an. „Da bringen wir ja auch einiges an Eigenleistung ein“, rechnet Kiefer eher mit einer Einweihung im Jahr 2023.
Gelände neben ehemaliger Grundschule im Visier
Danach werden die Gehrweilerer aber keineswegs die Füße (und Hände) stillhalten – die Dorferneuerung soll weitergehen. So gibt es Überlegungen, ein weiteres altes Anwesen direkt neben der seit 2014 verwaisten ehemaligen Grundschule zu erstehen. Auf dem gesamten Areal könnten innerörtliche Bauplätze entstehen. Sowohl hierfür als auch für eine mögliche Erweiterung des „Dietzelbergs“ wollen Kiefer und der Rat aber zunächst Machbarkeitsstudien erstellen lassen. „Außerdem bereiten wird gerade eine Umfrage bei den jüngeren Einwohnern vor, wer sich vorstellen kann, im Ort zu bleiben und hier zu bauen“, sagt Kiefer. Auch hieran ist zu sehen: In Gehrweiler tut sich was!