Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Männer-Kochclub wird 50: Den „Dibbeguggern“ über die Schulter geschaut

„Die Dibbegugger“ beim Jubiläum (v.li.): Dieter Heinrich, Jürgen Dietrich, Günter Blaum, Udo Michel, Christian Tschoepke, René H
»Die Dibbegugger« beim Jubiläum (v.li.): Dieter Heinrich, Jürgen Dietrich, Günter Blaum, Udo Michel, Christian Tschoepke, René Held, Hermann Braun, Jürgen Krebs, Rüdiger Spieler und Werner Moll. Es fehlt Uli Klein.

Im Jahr 1972 haben sich in Rockenhausen erstmals mehrere Männer in ihrer Freizeit zum Kochen getroffen. Von den Gründungsmitgliedern ist zwar nur noch eines übrig geblieben, der Club ist aber noch immer aktiv. Zum 50. Jubiläum hat die RHEINPFALZ den „Dibbegugger“ in die Töpfe geschaut – und natürlich probiert.

Staunend blickt Udo Michel auf die beiden mit Sherry beziehungsweise Sekt gefüllten Gläser. „Zwei Aperitifs – das hatten wir ja noch nie.“ Doch sofort schiebt der 82-Jährige hinterher: „Aber es ist ja auch Jubiläum.“ Denn mit ihrem November-Treffen feiern die Einmal-im-Monat-Köche zugleich das 50-jährige Bestehen des Clubs, in dem laut dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied Jürgen Dietrich bei vielen Veränderungen eines immer bewahrt wurde: „Der gute Geist, der bei uns herrscht. Denn auch wenn mal etwas schief gegangen ist – und natürlich geht beim Kochen öfter etwas schief –, so hat es doch nie ernsthaft Streit deshalb gegeben.“

Nun sitzen zehn der momentan elf „Dibbegugger“ – Uli Klein ist verhindert – um den Tisch im Essensraum der Schule am Donnersberg. Deren Untergeschoss samt Küche darf die Gruppe nutzen, besitzt sogar zwei eigene Schränke mit Kochutensilien. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Rüdiger Spieler. Im Gegenzug bewirten die Köche am Sommerfest der Förderschule die Gäste mit Speisen, der Erlös plus eine Spende fließen in die Schulkasse. Spieler ist in Nachfolge von Hermann Braun, der diesen Job rund 25 Jahre ausfüllte, inoffizieller Leiter des Clubs. Er ist etwa zuständig für das Erstellen der Terminliste, wer wann „Chefkoch“ ist. Denn jedes Mitglied hat einmal pro Jahr ein Menü zu planen, die dafür benötigten Zutaten inklusive der korrespondierenden Weine einzukaufen. Heute teilen sich – auch das ist dem Anlass geschuldet – Jürgen Dietrich und Dieter Heinrich diese Aufgabe. Letzterer ist 1984 hinzugekommen und damit nach Dietrich am längsten dabei.

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Zum Jubiläum ein Abend mit viel Nostalgie

Und der Abend, darauf hat das Duo bei der Auswahl der Gerichte Wert gelegt, soll im Zeichen der Nostalgie stehen und an die Männer der ersten Stunde beziehungsweise Jahre erinnern. Zugleich sei aber die trotz wechselnder Besetzung – seit 1972 gehörten 43 Personen der Runde an – stets intakte Gemeinschaft das verbindende Element von früher und heute, so Dietrich, der dann das Amuse-Guele austeilt: Datteln, mit Frischkäse gefüllt und gestoßenem Pfeffer überzogen. Die scharf-süße Kreation stammt von Werner Jost, verantwortlich für Sprüche wie: „Im Kochclub wird oft wild gesoffen – und heute auch mal Wild gegessen.“ Er ist leider längst nicht der einzige bereits verstorbene Koch-Kamerad.

Derweil heimst Heinrich stellvertretend für seine Ehefrau ein Lob für die Tischgestaltung ein: „Das hat Erika toll hingekriegt“, sagt Spieler. Denn die Deko übernehmen meist – wie in unterschiedlichem Ausmaß im Vorfeld helfende und bei Bedarf hinterher auch mal tröstende Funktionen – die Partnerinnen der jeweiligen Chefköche. Weshalb Heinrich prompt erwidert: „Da habe ich mich nicht drum gekümmert, da lasse ich die Finger weg.“ Was wiederum Braun zur süffisanten Bemerkung veranlasst: „Das ist auch besser so.“ Sinnbildlich für das Klima innerhalb der Truppe, in der viel gefrotzelt, aber immer Respekt gewahrt wird.

„Einfacher, kleiner, bescheidener – wie früher“

Nach 45 Minuten Vorgeplänkel wird’s ernst: Dietrich erläutert die Speisekarte, die seit 2010 von Günter Blaum digital erstellt und mit Fotos vom vorherigen Treffen garniert wird. Während mit der Zeit Fertigkeiten und Ansprüche der Teilnehmer, damit auch die Umfänge und nicht zuletzt die Kosten der Menüs stetig gestiegen sind, gilt für den Jubiläumsabend das Motto: „Zurück zu den Wurzeln“. Oder, wie der 83-Jährige sagt: „Heute soll’s einfacher, kleiner, bescheidener sein – wie früher.“ Deshalb wird ausnahmsweise mit der Regel gebrochen, dass jedes Rezept nur einmal gekocht wird. Stattdessen hat Dietrich Gerichte aus der Anfangszeit hervorgekramt und auch schon einiges vorbereitet – „damit wir mehr Zeit zum Reden haben. So viel ist heute nicht zu tun“. Was Michel zu dem augenzwinkernden Protest veranlasst, „dass es dann ja leider auch weniger Küchenwein zu trinken gibt“.

Apropos Küche: Dort machen sich jetzt die freiwillig zusammengewürfelten Gruppen eifrig ans Werk. „Tatarensoße mit Pellkartoffeln“ lautet das auf Club-Gründer Gustav Andraschko zurückgehende Gericht. Da Dietrich die auf hartgekochtem Eigelb basierende kalte Soße bereits zu Hause angesetzt hat, müssen nur noch Kartoffeln gekocht und Schnittlauch zerkleinert werden. Ein Klacks für René Held: Der 38-Jährige ist gelernter Koch, seit 2021 dabei (Blaum: „Er wollte auch mal was lernen“) und mit Abstand jüngstes Mitglied. Dass Dietrich ihn und den 59-jährigen Christian Tschoepke als „unsere Küken“ bezeichnet, sorgt für Gelächter.

Ein Allrounder, ein Suppenexperte und zwei „Sießmeilcher“

Deutlich mehr muss die „Fleisch-Abteilung“ die Finger rund gehen lassen. Sie bereiten den ebenfalls in den 1970er Jahren von Norbert Knoll eingebrachten „Toast Leckerli“ zu. Uneingeschränkter Herrscher an der Pfanne, in der Streifen aus Schweinenacken gebrutzelt, mit Zwiebeln, Fleischbrühe und Rahm unterzogen sowie auf Toastbrot angerichtet werden, ist Hermann Braun. Während Michel als Pilz- und Suppenexperte gilt, Dietrich und Heinrich die „Sießmeilcher“ fürs Dessert sind, ist der 83-Jährige nach einhelliger Meinung der Allrounder und „Mann für alle Koch-Fälle“. Und Perfektionist zudem: „Da ist zu viel Fleisch drin – das brät nicht mehr, das kocht nur noch“, ordert er von seinen Helfern Jürgen Krebs und Christian Tschoepke eine zweite Pfanne – besser! Moll, Michel und Spieler kümmern sich um den Feldsalat, während Blaum die Nachtisch-Fraktion unterstützt: Die stellt aus zerdrückten Bananen, geschmolzener Schokolade und Schlagsahne die einst von Manfred Nicolaus kreierte Bananencreme her.

Eine Stunde dauert das Power-Kochen, dann geht’s zurück an den Tisch. Während die Tatarensoße inklusive Kartoffeln – begleitet von einem Sauvignon blanc – vom Teller in den Magen wandert, köchelt das Fleisch noch vor sich hin und wird die Bananencreme heruntergekühlt. In gut halbstündigem Abstand werden die Gänge serviert. Dietrich achtet pingelig darauf, dass kein Teller mit Soßenklecksen verschmiert ist – das Auge ist nun mal mit. Zum Toast wird der mit eigenem Etikett versehene „Dibbegugger Jubiläumswein“ ausgeschenkt, zur Nachspeise spendiert Dietrich Eiswein. Alles ist köstlich – Klagen: Fehlanzeige!

Brezeln und Bier statt kochen

Währenddessen wird geplaudert – über politische und lokale Themen, über früher und heute. Auch darüber, dass „frisches Blut“ bei den nicht jünger werdenden Hobby-Köchen sehr willkommen ist. Und natürlich werden Anekdoten aus 50 Jahren aufgewärmt. Etwa als ein Mitglied seinen Chefkoch-Termin vergessen und stattdessen Brezeln und Bier mitgebracht hat. Oder das Andraschko förmlich explodiert sei, wenn jemand den Kochlöffel im heißen Topf liegen ließ. Für Erheiterung sorgt auch der Improvisationskünstler, der immer aus gehöriger Entfernung die Prise Salz Richtung Herd geworfen und eher zufällig den Topf getroffen habe.

Klar, dass auch gespült und aufgeräumt wird – hier, da sind sich alle einig, ist die Disziplin höher als früher. Nach fast fünf Stunden herrscht Aufbruchstimmung. Dann ist Schluss mit nostalgisch: Sind früher viele „Dibbegugger“ zu Fuß nach Hause gegangen, so werden nun einige wegen diverser körperlicher Beschwerden von ihren Frauen abgeholt. Bei diesen revanchieren sich die Männer – nicht nur dafür – mit Einladungen zu einem Sommerfest und einem Weihnachtsessen in einem Lokal. Wie wichtig den Köchen ihre Treffen sind, bringt Tschoepke auf den Punkt: „Terminlich ist es nicht immer einfach, aber ich freue mich jedes Mal riesig darauf.“ Und fügt schmunzelnd hinzu: „Sogar meine Corona-Infektion habe ich zwischen zwei Kochabende gelegt“ ...

Das Amuse-Guele: Datteln, mit Frischkäse gefüllt und gestoßenem Pfeffer überzogen.
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Der Allrounder: Hermann Braun an der Pfanne.
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Christian Tschoepke (links) und Jürgen Krebs braten das Fleisch für den „Toast Leckerli“.
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Auch die „niederen“ Arbeiten müssen erledigt werden: Jürgen Krebs, Werner Moll, Udo Michel und Rüdiger Spieler (von links) beim
Auch die »niederen« Arbeiten müssen erledigt werden: Jürgen Krebs, Werner Moll, Udo Michel und Rüdiger Spieler (von links) beim Salatputzen.
Es ist angerichtet.
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Probieren geht über studieren: Jürgen Dietrich (rechts) und Günter Blaum beim Zubereiten der Bananencreme.
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