Donnersbergkreis Ein Likörchen für das Chörchen
Die Zukunft des Chorgesangs sieht nicht nur für den Gesangverein Liederkranz 1859 in Bubenheim rosig aus. Drei Chöre hatte er zum diesjährigen Freundschaftssingen in die herbstlich dekorierte Gemeindehalle eingeladen. Allen vier Chören ist es gelungen, Jung und Alt zu vereinen und für das Singen zu begeistern. Kein Wunder, dass dieser Funke auf das Publikum übersprang, das keine Gruppe ohne Zugabe entließ.
Der Bubenheimer Jugendchor „Phonations“ eröffnete den Abend mit „Auf uns“ von Andreas Bourani. Acht junge Sänger im Schulalter begleiteten den Refrain mit Gesten und Bewegungen, sie sangen sich sofort in die Herzen der Zuhörer, so frisch und fröhlich, wie sie mit ihrer Dirigentin Alexandra Deibel auftraten. „Singen erhält jung“, sagte der Vorsitzende des Chorverbandes Nordpfalz, Wilfried Bierhenkel, in seiner Begrüßung. „Es war in allen Gesichtern eine Freude am Gesang zu sehen“, dankte er Deibel für 30 Jahre Chordirigat in Bubenheim und ehrte sie mit einer goldenen Nadel, weil ein solches Jubiläum bei Dirigenten selten sei. Es freue ihn, auch den 17-jährigen Bubenheimer Phillipp Dörr für aktive zehn Jahre ehren zu können, der sich seit seiner Kindheit für den Chorgesang begeistert. Stimmgewaltig und gleichzeitig einfühlsam sang dieser später mit seiner Chorleiterin ein Duett aus dem Disneyfilm „Aladdin“. Die „Friends of Music“ als Gastgeber eröffneten und beschlossen den Reigen der auftretenden Chöre. Vollstimmig ihr mitreißendes A Capella „Girls, Girls, Girls“. Mit spielerisch anmutender Leichtigkeit variierten die Sänger Lautstärke und Rhythmus. Deibel gelang es, Mitglieder des traditionellen „Liederkranzes“ und neue und junge Interessierte zu diesem „Jungen Chor“ zu vereinen. Mit einem hohen, schwebenden Ton führten die Sopranstimmen in das Lied „Engel“ ein. Faszinierend, wie der Chor das Auf und Ab in der Lautstärke harmonisch meisterte. Nicht nur dieser Chor trug seine Lieder auswendig vor. Das führe zu einem intensiveren Dialog von Chor und Dirigent und zu einer 30-prozentigen Leistungssteigerung, bemerkte Bierhenkel am Rande. Die Sänger könnten – befreit vom Notenlesen – Mimik und Gestik einsetzen, wie in „Bad Day“. Man konnte den Text aus ihrem flotten Gesang und ihrem Lächeln heraus verstehen: Es ist ein schlechter Tag, aber ich singe ein Lied. Hervorragend gelang es dem Chor, Pink Panther zu singen; jazzig, spielerisch, in Silben intoniert. Und dann im Kontrast keck und frech anmutend „Ich will keine Schokolade“. Mit komödiantischem Gespür moderierte Christoph Hahnefeld den Auftritt des „Chor Dielkirchen“ unter der Leiterin Christa Franken. Passend zur Jahreszeit versetzte er mit „Autumn Comes“, einem englischen traditionellen Lied, mit melancholischem Ausdruck in Herbststimmung. Und sang gleich danach swingend und schnipsend einen Rock ’n’ Roll. Die Frauen traten in den Hintergrund, acht Männer sangen vierstimmig eine „Liebeserklärung an das weibliche Geschlecht“, wie Hahnefeld ankündigte (Frauen sind anders). Mit ihren Stimmen intonierten sie Rhythmus und Melodie und entführten gekonnt und augenzwinkernd in die Welt der Mainzer Hofsänger. Wie ein kleines Theaterstück inszenierten die Frauen in schriller Verkleidung „Ein Likörchen für das Frauenchörchen“. Schunkelnd und lachend sangen sie ein Lied von ihrer Freude auf die Singstunde, zu jedem Refrain nahmen sie einen Schluck „Likorum“aus ihren Flachmännern, den letzten schräg – besoffen. Der begeisterte Applaus ging im Lachen des Publikums unter. Seit einem Jahr gibt es in Ruppertsecken unter der Schirmherrschaft des Männergesangvereins den jungen Chor „Stimmwerk“ unter der Leitung von Brigitte Persohn. Ein faszinierendes Klangbild entfaltete er mit dem Liebeslied „Ein Kompliment“. Mit „Top of the World“ kamen sie schwungvoll daher, auch weil sie sich im Tanzschritt zum Refrain bewegten. Man konnte es dem Publikum ansehen, wie sehr es ihnen gelang, die Stimmung des ENYA-Liedes „Only Time“ direkt und ohne technische Verstärkung ins Herz zu singen. Neu und frisch interpretiert, ihr hymnisch gesungenes „Gute Nacht Freunde“. Mit ihrer Zugabe, dem irischen Lied „Lord of the Dance“, steckten sie stampfend und klatschend das Publikum an und trugen das Lied in den Saal, als sie singend von der Bühne abgingen. „Nicht vergessen: Simply Us“, rief Chorleiter Klaus Matejcek zum Abschluss dem Publikum zu, was nach dem Auftritt dieses Chores aus Lambsheim wohl nicht geschehen wird. Bunt ihr Programm, ein peppiges „Hit the Road Jack“, ein strahlendes „City of New Orleans“, ein mitreißender Sopran in „Chim Cheree“. Expressiv und lautmalerisch gestalteten sie „Abenteuerland“ von Pur. Zu Les Humphries „Kansas City“ schwenkten die Sängerinnen ihre blaugrünen Schals, die Zuhörer sangen und klatschten begeistert mit. Eine Premiere gab es zum Schluss. Deibel bedauerte zunächst, dass die geplante Zugabe der „Friends of Music“ bereits vom Chor in Dielkirchen gegeben wurde: „You Raise me Up“. Kurzentschlossen vereinigten sich die beiden Chöre unter Deibels Dirigat zu einem mitreißenden Abschluss.