Kriegsfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Leben für den FCK und das Ehrenamt: Nils Rockenbach kennt kein „Nein“

Nils Rockenbach (26) ist Ehrenamtler durch und durch. Neben seinem Beruf als Verfahrensmechaniker führt er einen FCK-Fanclub, is
Nils Rockenbach (26) ist Ehrenamtler durch und durch. Neben seinem Beruf als Verfahrensmechaniker führt er einen FCK-Fanclub, ist im Vorstand des Karnevalsvereins, bei der Feuerwehr und anderen Vereinen aktiv.

„Humbe“ wird er genannt. Und er ist mehr als nur der Vorsitzende des Fanclubs „Dunnerschbejer Deiwel“. Im Interview spricht er über das Ehrenamt und den möglichen Aufstieg.

Schon wenn man in die Straße einbiegt, wird klar, welche Farben hier besondere Bedeutung haben. FCK-Aufkleber dominieren, hier wohnt Familie Rockenbach. „Humbe“, wie Nils Rockenbach praktisch überall genannt wird, ist der Vorsitzende des 2022 gegründeten FCK-Fanclubs „Dunnerschbejer Deiwel“. Praktisch parallel zum Wiedererstarken des 1. FC Kaiserslautern ist auch der junge Fanclub auf inzwischen mehr als 160 Mitglieder gewachsen, die quer über den Donnersbergkreis und auch darüber hinaus wohnen. Wenige Tage vor dem Saisonfinale des FCK in Köln spricht Rockenbach aber nicht nur über den Fußball. Der 26-Jährige hat zahlreiche Ehrenämter und betont, wie wichtig es ist, mit anzupacken. Vor allem auf dem Land.

In ein paar Tagen fällt die Entscheidung einer spannenden Saison. Wie viele Mitglieder der „Dunnerschbejer Deiwel“ fahren mit zum Auswärtsspiel nach Köln?
Ich habe Zugtickets für 46 Leute gebucht, wobei nicht alle eine Karte für das Spiel haben, aber trotzdem mit dabei sein wollen.

Und glaubst du an das Fußballwunder – oder anders gefragt: Wäre der FCK überhaupt schon reif, wieder Bundesliga zu spielen?
Das ist schwer zu beantworten, ich sehe mich da nicht als Experte. Wenn es die Chance gibt, sollten wir sie nutzen. Im Zweifelsfall bin ich lieber in der Zweiten Liga oben dabei, gewinne oft Auswärtsspiele, als dass ich – wenn es denn so kommen würde – im schlechtesten Fall in der Bundesliga regelmäßig Geld und Zeit investiere, weit fahre und dann deutliche Niederlagen schlucken muss.

Einen Fanclub zu führen, bedeutet wohl mehr als nur ins Stadion zu fahren und Spaß zu haben. Welche Arbeiten fallen da so an und wie viel Zeit kostet dich das alles?
Ganz alleine bin ich damit nicht. Vor allem muss ich da meinem Stellvertreter Lennart Klippel großen Dank aussprechen, der mir vor allem viele organisatorische Dinge abnimmt. Ich selbst bin eher der Praktiker, telefoniere mit Busunternehmen, sammele das Geld bei den Leuten ein, verteile die vielen Merchandise-Artikel nach den Bestellungen. Wie viele Stunden das kostet, lässt sich schwer sagen. Manchmal braucht man Nerven, wie jetzt vor der Fahrt nach Köln. Nachdem ich 40 Karten für den Hin- und 46 für den Rückweg gebucht hatte, wurde die Zugverbindung gestrichen und ich musste einige Telefonate und viel Zeit in der Warteschlagen investieren, um alle Plätze, inklusive Sitzplatzreservierung, auf einen neuen Zug umzubuchen.

Seit einer Weile ist der Fanclub auch mit eigenem Banner unterwegs.
Seit einer Weile ist der Fanclub auch mit eigenem Banner unterwegs.

Du hast die vielen Merchandise-Artikel angesprochen. Warum braucht man so viele verschiedene Produkte?
Das ist schon sehr wichtig. Wir haben inzwischen Mützen, Schals, Tennissocken, Fleecejacken, Softshelljacken, Pullis, T-Shirts, Dubbegläser. Da kann man schnell den Überblick verlieren, was noch auf Lager ist. Aber im Ergebnis sieht das einfach super aus. Bei der Fahrt nach Karlsruhe hatten wir beispielsweise alle die Fleecejacken an. So wird man als Gruppe wahrgenommen, fällt auf. Geld verdienen wir damit keins und wollen das auch gar nicht.

Haben die jüngsten Erfolge des 1. FC Kaiserslautern sich auf die Mitgliederzahlen im Fanclub oder generell die Nachfrage nach Tickets ausgewirkt?
Nicht nur. Es gibt viele Leute, die schon immer dabei waren und auch schon immer mit uns auf die Spiele gefahren sind. Aber klar gibt es auch Leute, die ein bisschen mit dem Hype gehen. Also nicht, dass die vorher keine Fans gewesen wären, aber sie sind jetzt ein wenig aktiver oder gehen wieder ins Stadion. Aber das ist bei jedem Verein so.

Bei Auswärtsspielen ist es oft schwer, genügend Karten zu bekommen. Wie löst ihr das im Fanclub möglichst fair?
Hier eine gerechte Lösung zu finden, ist eigentlich das schwierigste Thema, mit dem ich zu tun habe. Wir kriegen zwar über den Verein ein Kontingent an Karten, aber eigentlich nie die Menge, die wir gerne hätten. Das geht aber allen Fanclubs so. Wir haben uns deshalb ein System überlegt, wonach die Alles- oder Vielfahrer bevorzugt werden. Also wer auch die weiten Strecken nach Magdeburg fährt, ist für Derbykarten im Vorteil. Da führen wir eine Liste, um das immer im Blick zu haben.

Im Oktober 2022 gegründet, ging es im August 2023 auf die erste selbst organisierte Auswärtsfahrt nach Gelsenkirchen.
Im Oktober 2022 gegründet, ging es im August 2023 auf die erste selbst organisierte Auswärtsfahrt nach Gelsenkirchen.

Wirkt sich die ganze Planung drumherum für dich auch auf das Spiel aus? Also kannst du das dann genießen und abschalten?
Ich vergesse das Feiern nicht, das ist klar. Sobald alle im Stadion sind, jeder seinen Platz hat und das Spiel losgeht – dann ist Fußball. Klar ist es davor mal stressig und man wartet, ob auch alle reinkommen, ob beim Ausdrucken der Tickets und beim Verteilen nicht doch irgendwas schiefgegangen ist. Und hinterher im Bus bin ich auch erst wieder entspannt, wenn alle da sind und wir losfahren.

Du bist aber nicht nur im Fanclub aktiv, sondern auch an anderer Stelle ehrenamtlich unterwegs. Welche Rolle spielt das Ehrenamt für dich, speziell im ländlichen Raum?
Generell ist das Ehrenamt sehr, sehr wichtig. Damit ein Dorf wirklich lebendig ist, braucht es Leute, die anpacken, die Zeit investieren, die helfen. Wir hatten hier in Kriegsfeld zum Beispiel mal den „Heimat-Schobbe“ eingeführt, als Reaktion darauf, dass es keine Gastwirtschaft gibt. Von keinem Verein ausgehend, sondern einfach von Einzelpersonen, die ansonsten mitunter gar keine Verbindung zueinander hatten. Das war großartig und wurde so unfassbar gut angenommen. Und das am Ende alles für den guten Zweck. Wir sind in Kriegsfeld da zum Glück aber auch gut aufgestellt.

Ist das Ehrenamt nicht auch die einfachste Chance für Neubürger, sich zu integrieren?
Das ist der große Weg, um reinzufinden. Anders ist es sicher schwer, sich in den Ort zu integrieren – sofern man das überhaupt will. Manche wollen auch einfach ihre Ruhe haben, was auch in Ordnung ist.

Fällt es dir schwer, auch mal nein zu sagen?
Leider ja. Ich bekomme auch wirklich von vielen Leuten gesagt, es wäre mal Zeit, ein wenig kürzer zu treten. Ich laufe manchmal herum wie ferngesteuert, bin dauernd in Gedanken, weil irgendwas zu klären ist. Ich bin jetzt demnächst wieder beim Zeltlager der Jugendfeuerwehr für die Küche zuständig, bin im Förderverein der Feuerwehr, im Vorstand vom Karneval Club in Kriegsfeld, helfe bei unserem Fußballverein, wenn es geht. Und dann habe ich ja auch noch Familie, Arbeit, Freundin, die Kerweborsch, die Feuerwehr. Und den Fanclub.

Macht dir alles so viel Spaß oder warum bist du überall so aktiv?
Ich glaube, ich brauche das einfach. Es erfüllt mich, auch wenn ich manchmal denke, es könnte ein bisschen weniger sein, um mehr Zeit für die Freundin oder die Familie zu haben. Oder auch um Freunden mal privat zu helfen, beim Hausbau oder bei anderen Sachen. Wenn ich aber mal tatsächlich einen Abend habe, an dem gar nichts ist, bin ich einfach froh, um halb zehn im Bett zu liegen und zu schlafen.

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