Donnersbergkreis Ein „Kleeblatt“ wagt den Aufstieg
«Rockenhausen.» 1. Pfalzliga. Neun Jahre nach dem Abstieg dürfen die Damen der TTF Rockenhausen das Privileg dieser Liga wieder genießen. Obwohl sie eine Rückkehr über all die Saisons eigentlich kategorisch und vehement ablehnten. Jüngst dann der Sinneswandel: Nachdem eine neue Leitfigur unterschrieb, packte die TTF die Erfolgseuphorie. Nur eine Niederlage, drei Säulen in den Top-12 der 2. Pfalzliga, der ganze Mannschaftsstamm mit positiver Bilanz – das Oberhaus ist der richtige Weg.
Ein Schwur bezeichnet ein demütiges Versprechen, welches es nie zu brechen gilt. So viel zur Definition. Knapp zehn Jahre liegt es zurück, als sich die Damen der TTF Rockenhausen feierlich ein solches Ehrenwort gaben. Nie wieder 1. Pfalzliga! In dieser Klasse hatte ein Tiefpunkt den nächsten gejagt. Kurz: Die TTF waren, vor der Runde noch verlassen von ihrer zu diesem Zeitpunkt schwangeren Spitzenspielerin, einfach zu schwach für die Klasse. Deprimierende Monate, trostlose Samstage. „Direkt danach haben wir uns geschworen, nie mehr aufzusteigen. Das hat geklappt. Bis jetzt…“, sagt Lucia Böcher verlegen lachend. Teamkapitänin Anja Lahr kann heute nur mit einer Messerspitze Sarkasmus auf jene trostlose Zeit blicken. Die Auswärtsfahrten, meistens in die Südwest- oder die südlichste Vorderpfalz, hätten „länger gedauert als das ganze Spiel“. Nein, das brauche man in Rockenhausen nicht noch mal… Klare Worte. Über Jahre hinweg standen die TTF im Mittelfeld der 2. Pfalzliga West. Manchmal mehr, manchmal weniger erfolgsgekrönt. Waren sie arg „aufstiegsbedroht“, schafften sie immer wieder, den „Unfall“ geradeso abzuwenden. Und umgekehrt. Wegen Böchers Langzeitausfall drohte in der Vorsaison in der Halbzeit der Abstieg – der dann aber doch ein Fiasko bedeutet hätte. Na ja, in der Rückrunde mischte die Riege, wieder voll besetzt, die Liga auf, landete im vorderen Mittelmaß. Ein Schlussspurt, der einiges über die Stehauf-Qualitäten des routinierten Trupps sagt. So lief das einige Runden. Bis die TTF zum Ende dieser Saison doch als Meister dastanden. Und als Aufsteiger. Ein Versehen? „Am vielen Training lag das nicht“, scherzt Lahr augenzwinkernd, denn überaus fleißig geschwitzt wurde in der Realschulturnhalle keineswegs. Eher an einem kleinen Hoffnungsschimmer, der das Team eine bessere Saison in der 1. Pfalzliga erahnen lässt als vor neun Jahren: Mit Hanna Schwall transferierten die TTF eine Top-Spielerin der Verbandsoberliga Rheinland (10:7-Einzel), regelmäßig wurde sie ebenso bei den Herren eingesetzt. Ihr Stil – explosiv. Kaum ähnelt er dem typischen Damen-Spiel des Schupfens und Konterns. Feuer, Frische, Elan. Schwall zieht agil und dynamisch Top-Spins auf. Mit Wucht, mit Effet. „Durch die Reihe sind wir gut. In der 1. Pfalzliga wollen wir hinten nicht versauern“, gibt Lahr vor. Böcher bilanziert: „Als wir Erster waren, wollten wir, gerade mit dem Hintergedanken, verstärkt zu werden, aufsteigen.“ Ein einziges Mal verloren die TTF, im Januar. Dem späteren Vizemeister TSG Kaiserslautern III unterlagen sie mit 1:8. Da der in der Winterpause oben aufstockte, profitierte er vom Qualitätsschwung erfahrener Kräfte. Aber: Um Rockenhausen noch einzuholen, reichte die Aufholjagd nicht. Markus Harz, ein guter Geist des Vereins, ist seit Jahrzehnten treuer Begleiter der Damen-Equipe. Für ihn ist der große Coup nicht nur ein Erfolg für die Mannschaft. Auch für den Verein. „Das macht uns ein wenig stolz, dass wir in der höchsten Verbandsklasse vertreten sind“, sagt der Zweite Klubvorsitzende. „Die Damen sind jetzt unser Aushängeschild. Sie haben die Saison durchgezogen, am Ende nicht irgendwie Schmu gemacht.“ Ein „Kleeblatt“. So definiert Harz ein Team, das in dieser Formation seit Jahren weiterwächst. Als Glücksfall also. Um ehrlich zu sein: Fast unmöglich war es, den Titel zu verhindern. In der Hinrunde schenkte der TTC Riedelberg II, bis dato Nummer zwei der Liga, kampflos die Partie ab, meistens siegte das Lahr-Quartett 8:1 oder 8:0. Pure Dominanz. Als kurzfristig mal jemand ausfiel, sprang Tanja Gasner sofort in die Bresche. Man kennt sich, man hilft sich. „Es gab nur wenige, die uns gefährden konnten. Wenn eine von uns schlecht war, war eine andere an dem Tag stark. Wir konnten völlig entspannt und ohne Druck aufspielen“, meint Lahr, eine Stammspieler-Bilanz von ausschließlich positiven Differenzen hervorhebend. 35:8-Einzel – damit war Kollegin Lucia Böcher gar zweitbeste Akteurin der gesamten 2. Pfalzliga. Und das nach ihrer langwierigen Blessur, die sie unerwartet fast zum bitteren Karriereende im noch sportlich-spritzigen Alter gedrängt hatte. „Wir versuchen’s noch mal“, sprüht sie vor Vorfreude. Die TTF-Damen sind in der 1. Pfalzliga. Dort, wo sie eigentlich gar nicht mehr hinwollten ... der Kader TTF Rockenhausen: 1. Lucia Böcher (43 Spiele/35 Siege/8 Niederlagen), 2. Susanne Wolf (36/27/9), 3. Anja Lahr (34/30/4), 4. Michaela Rutz (28/16/12), 5. Tanja Gasner (6/0/6).