Handball Ein echter Wikinger beim TuS Dansenberg
Die Fans des TuS 04 Kaiserslautern-Dansenberg staunten nicht schlecht, als der Verein im April die Verpflichtung seines neuen Torhüters bekanntgab. Ein Transfercoup, denn Martinsen spielte fünfeinhalb Jahre lang für verschiedene Vereine in der REMA 1000-ligaen, der höchsten norwegischen Spielklasse, und erreichte dort mit Bodø HK den zweiten Tabellenplatz.
Für Alexander Lein Martinsen war früh klar, dass er Handballer werden würde, denn sein Vater war „einer der besten Schiedsrichter in Norwegen“ (Zitat Martinsen). So begann er mit fünf Jahren bei seinem Heimatverein Fjellhammer IL mit dem Sport.
Im Jahr 2012, da war er 17 Jahre alt, debütierte er in der ersten Herrenmannschaft in der zweithöchsten norwegischen Spielklasse (1. Division). Dort entwickelte er sich zu einer festen Größe im Tor, und so gelang ihm mit 21 Jahren der Sprung in die REMA 1000-ligaen, zu Bodø HK.
Zwei großartige Jahre
Die Zeit im Norden Norwegens beschreibt der 2,05-Meter-Riese als prägend: „Ich war noch jung, und es war sehr schwierig, das sportliche Level zu erreichen. Ich habe in der Zeit sehr viel gelernt, nicht nur als Handballer, sondern auch als Mensch. Es waren zwei großartige Jahre.“ Schon früh bot sich ihm die Chance, bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Beim Spiel gegen den Spitzenclub Drammen avancierte der Norweger vor 2500 Zuschauern mit über 50 Prozent gehaltener Bälle zum Matchwinner.
Nach vier erfolgreichen Jahren kehrte er zu seinem Jugendverein Fjellhammer zurück, der mittlerweile auch in die Erste Liga aufgestiegen war. An diese Saison erinnert sich Martinsen gerne: „Es war eine sehr gute Saison, wir hatten viele großartige Spiele, und ich hatte eine sehr hohe Quote gehaltener Bälle.“
Seit er 15 Jahre alt war, hatte Alexander Lein Martinsen den Traum, professionell Handball zu spielen, doch da die Bezahlung nicht ausreichte, arbeitete er neben dem Sport noch Vollzeit. Insgesamt war er über sechs Jahre lang als Assistenzlehrer für Kinder mit Autismus tätig.
Nach einer für ihn persönlich sehr schwierigen Saison 2021/22 engagierte er einen Berater, der den Wechsel zum färingischen Topclub H71 arrangierte. Der Transfer in die aufstrebende Handballnation reizte ihn als großes Abenteuer, es sollte, so Martinsen, „wie ein Märchen werden“. Schnell jedoch wurde aus dem Märchen ein Albtraum. Das sportliche Niveau der Liga enttäuschte ihn, er fühlte sich im Verein als Außenseiter, da er der einzige Nicht-Färinger war, und auch seine Familie fühlte sich nicht wohl auf der kleinen, tristen Inselgruppe.
Weg von den Inseln
So war klar, dass er nach nur einem Jahr die Färöer Inseln wieder verlassen würde. Nachdem Teammanager Alexander Schmitt bereits 2021 die Fühler nach Martinsen ausgestreckt hatte, konkretisierte sich der Transfer dieses Mal. In einem Gespräch mit Torwarttrainer Jochen Schwartz konnte der Norweger schnell von einem Wechsel überzeugt werden: „Was mich letztendlich überzeugte, ist, wie sie den Kontakt zu mir gesucht haben, nicht nur als Spieler, sondern auch als Mensch. Die Sicherheit für meine Familie ist mir sehr wichtig. Außerdem war es schon immer mein Traum, in Deutschland Handball zu spielen.“
Auch seine Verlobte war leicht von dem Abenteuer Pfalz zu begeistern: „Ich musste nicht überzeugt werden. Wir haben schon lange über einen Umzug nach Deutschland nachgedacht. Ich glaube daran, dass Alex eine Zukunft in der Handballnation Deutschland hat.“
Von Dansenberg war die Familie sofort begeistert. Der ruhige, sichere, von dichtem Wald umgebene Vorort erinnert die beiden an ihre Heimat. Zwar falle der Austausch mit den Nachbarn aufgrund der Sprachbarriere noch schwer – das Paar besucht bereits einen Deutschkurs –, jedoch sind die beiden angetan von der Herzlichkeit und Offenheit der Nachbarschaft: „Es ist genauso, wie wir es von zu Hause gewöhnt sind. Die Leute begrüßen sich und sind nett zueinander, es fühlt sich an wie Heimat.“ An drei Tagen in der Woche arbeitet Alexander Lein Martinsen im Lager von TuS-Hauptsponsor Layenberger, die Arbeitskollegen haben den Norweger sehr gut aufgenommen und unterstützen ihn beim Deutschlernen. Im Gegenzug bringt er ihnen Norwegisch bei. Auch innerhalb der Mannschaft wurde der Torhüter äußerst herzlich empfangen. Er beschreibt das Teamwork und die Chemie zwischen den Spielern als sehr gut. „Wir unterstützen uns alle gegenseitig – trotz des großen Konkurrenzkampfes. Wir sind alle gute Freunde.“
Einen Spieler haben der Torwart und seine Familie bereits jetzt besonders ins Herz geschlossen: Luca Stolze (19). Den Linksaußen bezeichnet der Riese als „den kleinen Bruder, den ich nie hatte“. Die beiden Neuzugänge haben sich auf Anhieb super verstanden, unternehmen auch außerhalb des Handballs viel miteinander und unterstützen und helfen einander auf und neben dem Platz. „Wir essen oft vor dem Training gemeinsam zu Mittag. Sie waschen meine Wäsche, und ich helfe ihnen bei Behördengängen. Wir legen häufig nach dem Training noch zusammen Sonderschichten ein“, so Luca Stolze über die Freundschaft. Zu seinen persönlichen Zielen äußerte sich Martinsen ambitioniert: „In meinem ersten Jahr hier möchte ich das Level der Liga erreichen, die Liga kennenlernen und so gut ich kann spielen.“ Vom sportlichen Potenzial der Mannschaft ist er überzeugt: „Ich denke, wir werden viele Spiele gewinnen und die Leute überraschen. Es steckt sehr viel Potenzial in der Mannschaft.“
Training auf hohem Niveau
Von seinen Trainern ist der Norweger begeistert. Beide arbeiteten auf einem deutlich höheren und professionelleren Niveau, als er es gewohnt sei. Insbesondere von Torwarttrainer Jochen Schwartz könne er viel lernen. Zudem half dieser, den Riesen körperlich in Form zu bringen.
Schwartz fand ebenfalls lobende Worte für seinen neuen Schützling: „Für ihn ist alles neu hier, aber er ist sehr lernwillig und gut in die Mannschaft integriert. Er macht sich gut, wir werden noch viel Freude an ihm haben.“ Der Norweger verspürt große Vorfreude auf die kommende Saison, insbesondere auf die Fans und die großartige Stimmung in der Halle.
Zur Person
Alexander Lein Martinsen
Staatsangehörigkeit: Norwegen
Geboren: 2. Juni 1995
Größe: 2,05 m
Gewicht: 112 kg
Position: Torwart
Bisherige Vereine: 2012 bis 2016 Fjellhammer IL (Norwegen, 1. Division)
2016 bis 2018 Bodø HK (Norwegen, REMA 1000-ligaen)
2018 bis 2020 Bækkelaget SK (Norwegen, REMA 1000-ligaen)
2020 bis 2021 Fjellhammer IL (Norwegen, REMA 1000-ligaen)
2021 bis 2022 Lillestrøm topphåndball (2. Division) + Haslum HK (Norwegen, REMA 1000-ligaen)
2022 bis 2023 H71 (Färöer Inseln, Erste Liga).