Donnersbergkreis Ein Dorf, ein Umzug

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Morschheim. Er ist einzigartig in unserer Region – und verschafft seinem Ort hierzulande gar etwas Berühmtheit: der Morschheimer Fasnachtsumzug. In diesem Jahr startet er am Sonntag, 19. Februar, um 14.11 Uhr. Jahr für Jahr werkeln Tüftler wochenlang an den Umzugswagen – für einen einzigen Tag. Uli Neumann ist so ein Bastler, der mit Spaß, Engagement und Herzblut seinen Dienst tut, um auch den nächsten Umzug zum Erfolg zu machen.

Fasnachts-Ehrenamtler, so kann man Uli Neumann bezeichnen. Viele Jahre trug er die Belange des Morschheimer Carneval Clubs (MCC) mit und förderte den Verein. Doch auch heute noch, im Ruhestand, ist er in der fünften Jahreszeit in Morschheim aktiv. Dabei ist der 63-jährige Vater von zwei Töchtern gebürtiger Mauchenheimer. Durch die Heirat mit seiner Frau Astrid kam er nach Morschheim – geradewegs in die Familie von Arthur Alt, seines Zeichens Urfasnachter und begeisterter Umzugswagenbauer. Es kam, wie es kommen musste: Alt steckte Neumann mit seiner Leidenschaft an. Und so erschuf der gelernte Schlosser schon mal in Zusammenarbeit mit seinem Schwiegervater und Karl Mollstädter einen monumentalen Prachtwagen mit dem Brandenburger Tor – einschließlich Quadriga und Göttinnen. Es gibt kaum eine Familie in Morschheim, die nichts mit Fasnacht zu tun hat, sei dies nun vor oder hinter den Kulissen. Geht es ums Wagenbauen, breitet sich im Ort eine allgemeine Organisationsstimmung aus. Auch Uli Neumann ist dann als „Obermacher“ ganz in seinem Element. Oft fegte er von einer Baustelle zur anderen, organisierte Material wie Farben, Holz, Pappe und Styropor. Stellplätze und Unterstände für die Wagen wurden bei den Landwirten ausgehandelt und bei schwierigen Konstruktionen Spezialisten aus dem Ort herbeizitiert. Ein solcher ist Michael Hoppe. „Den kammer fer alles brauche, un der is ach immer parat, den kannsche sogar nachts wecke“, lobt Neumann. Ganz klein und bescheiden waren die Anfänge des Umzugs. Der heute 83-jährige Herbert Burkhard war von Anfang an dabei. Mit fasnachtlich geschmückten Handwagen und einer maskierten Kinderschar zog ein kleiner närrischer Zug damals durchs Dorf. Niemand ahnte, dass daraus eine mittlerweile fast 50-jährige Tradition werden würde, die ein ganzes Dorf bis heute in einen fasnachtlichen Ausnahmezustand versetzt. Bis in die späte Nacht wird im Vorfeld geklopft, gehämmert und geklebt. So entstanden prunkvolle und originelle Fasnachtsbauwerke wie etwa der Wagen der Selzbachmöve vom 25. MCC-Jubiläum und der spektakuläre Wagen mit der Titanic, die in Morschheim nie unterging. Bis zu 40 Wagen und Zugnummern, Fußgruppen von Kindergartenkindern bis Frauengruppen, Musikkapellen, Garden wie die Morschheimer Ranzengarde und auch Einzelaktionisten aus Morschheim und anderen Ortschaften, lassen den Morschheimer Umzug bis heute zum Erlebnis werden. Finanziert wird das Spektakel früher wie heute durch Spenden der Morschheimer Bürger und aus den Erlösen der Prunksitzungen. Tüfteln und improvisieren mussten die MCC-Aktiven übrigens nicht nur für ihre Umzugswagen. 1986 erweiterte ihr Verein neben Maskenbällen, Kindermaskenbällen, Altweibertreiben und Lumpenball sein Fasnachtsprogramm und veranstaltete die erste Prunksitzung. Die erste Sitzung wurde im Saal von „Tante Martha“ abgehalten und brachte sofort zahlreiche Akteure und Helfer an den Tag. Im folgenden Jahr wurde die Prunksitzung ins alte Schulhaus verlegt. Aus Euro-Paletten zimmerten die einfallsreichen Morschheimer Narren eine Bühne. Elferratsplätze gab es nur zwei – aus Platzmangel. Und dann war da noch der Zwischenfall mit den Elferräten, der sich später ereignen sollte. Nach dem Einzug des Elferrats stellte Sitzungspräsident Neumann erschrocken fest, dass sich nur zehn Räte im Komitee befanden. „Dunnerkeil, hoffentlich merkt des kaner“, dachte Neumann. Doch wie immer war der unermüdliche Michael Hoppe zur Stelle: In Windeseile wurde er ausstaffiert, um die peinliche Lücke im Elferrat zu schließen. 25 Jahre lang war Uli Neumann Erster Vorsitzender des MCC, langjähriger Sitzungspräsident und Hans Dampf in allen Gassen. Seine Freizeit galt dem Verein. Auch heute noch geht der 63-Jährige seiner Leidenschaft nach. Der Rückendeckung aus der Familie kann er sich sicher sein: Ehefrau Astrid, eine geborene Alt, fiel es nicht schwer, ihren Mann zu unterstützen. Schließlich hat sie von Kind an das Fasnachtsfieber mit allem Drum und Dran in ihrem Elternhaus erlebt. In Morschheim gibt es eben kaum eine Familie, die nichts mit der fünften Jahreszeit zu tun hat.

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