Donnersbergkreis „Eidechsen“ gnadenlos im Abschluss
Steinbach. Die Entscheidung im Meisterkampf? Nicht für Marc Heinrich. „Bis zum Ende müssen wir alles rausfeuern“, stachelte der Trainer der TSG Kerzenheim seine Elf nach dem gestrigen „Sechs-Punkte-Spiel“ an. Den C-Klasse-Gipfel bei der SG Steinbach/Börrstadt II entschieden die favorisierten „Eidechsen“ in einem echten Thriller mit 3:2 (2:1) für sich. Dank Eiseskälte im Abschluss. Es war ein Tempo-Duell mit kuriosen Szenen. Jetzt baut die TSG auf ein Polster von unglaublichen zehn Punkten.
Das Grinsen war verhalten, wenn auch schelmisch. Verbal draufhauen wollte Fatmir Sylejmani nicht. Nicht nach diesem technischen Kabinettstück, das seinem Ex-Klub sogar den Aufstieg kosten könnte. „Fühlt sich gut an. Und es tut mir auch leid für Steinbach. So ist das eben“, bemerkte Sylejmani trocken, als er die Stollenschuhe aufschnürte und seine Sachen einpackte. „Ich bin nun mal Torjäger.“ Ist er. Zehn Mal hat der Co-Trainer der TSG Kerzenheim jetzt geknipst. Bude zehn war die wichtigste der Saison. Gestern Nachmittag, das 3:2, der Siegtreffer gegen Sylejmanis alten Verein aus Steinbach. Mit Esprit hatte er sich durch die Abwehr getankt, war in Robben-Manier in die Mitte gezogen, dann satt mit Links flach reingedroschen (66.) – und richtig gejubelt. Denn der Dreier bedeutet: Bei fünf Restpartien hat die TSG, das Verfolgerduo Steinbach II und Imsbach hat ein Spiel weniger, entspannte zehn Zähler Vorsprung. Eine Vorentscheidung. Nur ein Wunder kann den Kerzenheimern die Meisterfete versauen. Auch, wenn es Coach Marc Heinrich nicht so locker sieht, keine Bequemlichkeit duldet. „Solange es rechnerisch möglich ist, dass wir verdrängt werden können, wird gar nichts gefeiert“, zementierte er. Sylejmani: „Die Mannschaft arbeitet hart. Aber wir dürfen nicht zu viel denken. Meister sind wir erst nach dem letzten Spiel.“ Bescheidenheit. Gut so. Während im TSG-Lager bei gefühlten 27 Grad gleich der Kasten Radler gekippt wurde, standen die Brüder Lukas und Moritz Scheidel ein paar Meter daneben. Bedient. Geknickt. Aber nicht mit dem Kopf im Sand. „Wir haben uns heute super zurückgekämpft, standen im Verbund einfach stark. Unser Team ist jung und hungrig. Das sind Erfahrungswerte. Kopf hoch, weitermachen“, verzichtete Trainer Lukas Scheidel auf Trübsal. „Einen Punkt hätten wir verdient. Kerzenheim hat oft über das gleiche Schema agiert. Uns hat die Fortune gefehlt“, haderte auch der Bruder. Das Dilemma begann auf der Torwartposition: Ugur Özcan köpfte am langen Pfosten halbhoch drauf, SG-Torhüter Lars Kreinbihl machte eine unglückliche Figur, 0:1 (4.). Später kickte Kerzenheims antrittsgewaltiger Kugelblitz Kevin Liedtke einen harmlosen Butterball auf Kreinbihl, der sich das Leder selbst reinboxte (29.). 1:2. Die SG kassierte Treffer tollpatschig – obwohl sie eine reife, abgekochte Leistung lieferte, temporeich über die starke rechte Seite konterte. Thilo Opper, Steinbachs Torphantom, mit Ball nie zu sehen, aber instinktiv lauernd, hatte das 1:1 markiert (13.). Natürlich, ein Abstauber. Dritter Ballkontakt, erste echte Aktion, Tor. Liedtkes 2:1 passte nicht in den Verlauf. Ein Schockmoment. Fetziger Start, dann die SG mit Balldominanz, ganz agil – und die TSG zeitweise statisch, mit viel Langholz. Immerhin stand das bullige Sturmtrio um Sylejmani, Liedtke und Erol stets für Explosivität. „Wir haben unsere Dinger halt eiskalt genutzt“, wusste Heinrich. „Heute hat sich jeder reingehauen.“ „Spielerisch waren wir das bessere Team“, sagte Lukas Scheidel. Wieder Opper brachte den Ausgleich (61.). Ganz komisch: Einen klaren Einwurf für die TSG pfiff Referee Kallmayer in die falsche Richtung. Während sich die Gäste offensiv sortierten, nutzte die SG die Verwirrung humorlos aus – die Kerzenheimer waren so perplex, dass sie gar das Weiterspielen vergaßen. Opper schob im zweiten Versuch ein. Proteste. Keine Wirkung. Fünf Minuten später pumpte sich Sylejmani durch. Zapfenstreich. Es war ein Sieg der Effizienz und zwei verlorene Punkte, die der SG am Ende wehtun könnten… So spielten sie SG Steinbach/Börrstadt II: Kreinbihl - Linzert, Becker, Kistner - Lukas Scheidel, Schechter, Max Schreiber, Orth (66. Tim Schreiber) - Wenz (88. Schmitz) - Opper, Moritz Scheidel TSG Kerzenheim: Braun - Fattler, Wühl, Stefan Zahn, Heppes (20. Lars Mehrhof) - Yildiz (46. Sven Mehrhof), Christoph Heinrich, Özcan - Erol, Sylejmani, Liedtke (40. Celik) Tore: 0:1 Özcan (4.), 1:1 Opper (13.), 1:2 Liedtke (29.), 2:2 Opper (61.), 2:3 Sylejmani (66.) - Gelbe Karte: Orth - Beste Spieler: Becker, Lukas Scheidel - Sylejmani, Heinrich, Braun - Zuschauer: 170 - Schiedsrichter: Kallmayer (Kaiserslautern).