Kirchheimbolanden
Ehemaliges Thielwoogbad: Leiselsbach soll durch Parkgelände fließen
Mit den Plänen für das ehemalige Thielwoogbad-Gelände ist Stadtbürgermeister Marc Muchow zufrieden. „Das wird sehr attraktiv, für das angrenzenden Wohngebiet und die gesamte Stadt wird dieser Erholungspark ein Gewinn“, ist er sicher. Auch Planerin Caroline Engelhardt und Tatjana Fuchs, die das Projekt für die Verwaltung betreut, sind erleichtert, dass am Ende eines Planungsverfahrens mit Hindernissen offenbar noch alles gut werden wird. In seiner jüngsten Sitzung hat der Stadtrat grünes Licht für die Vergabe der Planungsarbeiten gegeben.
Die erste Förderung platzt
„Die Grundidee – und das geht ja zurück bis 2014 – war, hier Spiele am Wasser anzubieten als Ersatz für das Schwimmbad“, erläutert Caroline Engelhardt. Zunächst habe man an Kletterspielgeräte gedacht, im oberen Teil des ehemaligen Badgeländes sollte ein Volleyballfeld entstehen, außerdem ein Picknickfeld mit einer Rückzugsmöglichkeit für Jugendliche. „Das Ganze sollte so angelegt werden, dass dafür Fördermittel aus dem sogenannten Starterprojekt bewilligt werden könnten“, so Engelhardt. Dabei war es das vom Land vorgefasste Ziel, Kinder an der Planung und Umsetzung der Spielideen zu beteiligen. Veranschlagt wurden dabei rund 350.000 Euro an Kosten. Doch mitten in diesem Planungsprozess stellte das Land die Förderung dieses Starterprojektes ein. „Dann standen wir da mit unseren Ideen und mussten neu überlegen, woher wir andere Fördermittel bekommen könnten“, so Tatjana Fuchs.
Wichtig sei es dem damaligen Stadtbürgermeister Klaus Hartmüller gewesen, diesen Umständen zum trotz einen Teil der Ideen der Kinder aufzunehmen. „Man kann nicht erst fragen und dann nichts davon umsetzen, war damals seine Haltung“, beschreibt Fuchs die Situation.
Nach längerem Suchen nach einer Fördermöglichkeit vor diesem Hintergrund sei man bei der Aktion „Blau Plus“ gelandet. Doch auch das ging nicht ganz reibungslos vonstatten.
Forderung: Historische Quellen zurückbauen
Das „Plus“ bei Aktion Blau Plus steht für Beteiligung der Bürgerschaft, erläutert Engelhardt. Es gehe darum, wasser „erlebbar“ zu machen, was mit dem Matschplatz oder den Sitzmöglichkeiten geschehe. Außerdem sei Wissensvermittlung gefragt, was mit Infotafeln geschehe. In erster Linie aber geht es bei der Aktion Blau um die Wiederherstellung von naturnahen Gewässerzuständen, und genau hier lag dann der zweite Knackpunkt bei der Planung.
Denn die Aussicht auf finanzielle Unterstützung aus dieser Aktion wurde getrübt, als die Stadt im Jahr 2019 von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd Kaiserslautern eine E-Mail erhielt mit dem Bescheid, dass man das Projekt Umgestaltung des Thielwoogbades nicht für förderfähig halte. „,Das sehen wir aber ganz anders’, haben wir damals gesagt“, erzählt Tatjana Fuchs, und meint mit „wir“ noch Klaus Hartmüller und Verbandsbürgermeister Axel Haas. Zu dritt machten sie sich damals auf den Weg nach Mainz, um ihre Pläne genauer vorzustellen. Dort mussten sie die zuständigen Stellen davon überzeugen, dass die Renaturierung der Gewässer nur mit Einschränkungen möglich und dennoch eine förderwürdige Angelegenheit war. Und so standen letztendlich zwei förderfähige Varianten zur Auswahl: zum einen eine Überplanung des kompletten Gewässers von der Judental-Quelle bis zum Thielwoog. Das hätte einen Rückbau der Quellfassungen und der Verrohrungen bedeutet und wäre vom Land zu 90 Prozent gefördert worden. „Man könnte doch niemandem erklären, warum man 300 Jahre alte historische Quellen zurückbaut“, so der Stadtbürgermeister. Zudem speise diese Quelle die Wasserspiele im Schlossteich. „Und der Denkmalschutz hat auch gleich signalisiert, dass diese Variante mit ihm nicht zu machen ist“, ergänzt Tatjana Fuchs. „Seit der Fürstenzeit ist das Wasser aus der Quelle ja rohrgebunden“.
Für die zweite förderfähige Variante wurde 60 Prozent an Förderung in Aussicht gestellt. Diese naturnahe Umgestaltung des ehemalige Thielwooggeländes (siehe Planentwurf) fand die Zustimmung des Stadtrats, denn auch in diesem Gremium war man sich einig, dass die Quellenfassung samt der Verrohrung nicht zurückgebaut werden solle.
Muchow: „Nachjustieren möglich“
Dass die ursprünglich geplante Variante mit Klettergerüsten und Spielgeräten jetzt keine Rolle mehr spielt, bewertet Planerin Engelhardt aus heutiger Sicht nicht als Nachteil. „In Coronazeiten hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, dass die Menschen einfach raus können, die Natur genießen. Dafür muss nicht alles immer möbliert und ausgestattet sein.“ Gerade Kinder, so die Erfahrung, würden sich in der Natur immer ihre Spielmöglichkeiten suchen. Zumal, ergänzt Muchow, das Gelände ja auch weitere Ausbaumöglichkeiten biete. „Wir können da sicher auch manches für die Bedürfnisse der Menschen hier nachjustieren.“
Als vorläufiger Abschluss des langwierigen Entstehungsprozederes wurde das Thema in der jüngsten Stadtratssitzung noch mal hart diskutiert. Allen voran Fritz Leber (SPD) äußerte Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Projekts – „gerade in Anbetracht der derzeitigen finanziellen Unsicherheit“. Rigoros entgegen traten ihm vor allem Thomas Edinger (CDU, „Ich empfehle dringend, die Diskussion nicht erneut aufzumachen“) und Lea Weber (Grüne, „Gerade in Corona-Zeiten brauchen wir Platz für Jugendliche und Familien“). Und Alexander Groth (FWG) wollte den neuen Ratsmitgliedern Gelegenheit geben, sich in das Projekt einzufinden, und die Entscheidung vertagen. Doch der Stadtrat wollte eine Entscheidung treffen, lehnte Groths Antrag mehrheitlich ab. Mit 16 Ja-Stimmen, bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung, stimmte er schließlich zu, dass das Planungsbüro Engelhardt die Ausführungsplanung angehen kann.
Ende kommenden Jahres soll die Umgestaltung des Thielwoogbades fertiggestellt werden. Über Winter soll mit den Vorarbeiten begonnen werden. Rund 200.000 Euro werden an Kosten anfallen, da nicht alle geplanten Einrichtungen förderfähig sind, wird ein Zuschuss in Höhe von 90.000 Euro erwartet. Wann das Gelände dann auch für Besucher geöffnet wird, lässt sich noch nicht genau sagen.