KIRCHHEIMBOLANDEN RHEINPFALZ Plus Artikel E-Mobilität kommt im Donnersbergkreis eher langsam voran

Ein E-Auto wird geladen.
Ein E-Auto wird geladen.

Wenn das Elektroauto die Zukunft der Mobilität ist, dann kommt diese Zukunft nicht eben mit Siebenmeilenstiefeln in den Donnersbergkreis. Der Anteil der E-Autos steigt hier zwar zunehmend schneller, hinkt der bundesweiten Entwicklung aber deutlich hinterher. Auch bei anderen Antriebsarten ist die Entwicklung nicht ganz so, wie man erwarten würde.

Autos sind natürlich eine langfristige Investition. Da darf man in der Statistik keine heftigen Sprünge erwarten. Aktuelle Zahlen der Zulassungsstelle der Kreisverwaltung zeigen aber deutlich, dass der E-Boom, der bundesweit Schlagzeilen macht, hier noch nicht so richtig angekommen zu sein scheint. Nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes lag der Anteil reiner E-Autos Ende 2020 bundesweit bei – immer noch sehr bescheidenen – 1,2 Prozent. Im Donnersbergkreis aber erreichte er gerade mal 0,42 Prozent. In absoluten Zahlen: Zum 31. Dezember 2020 waren bei der Zulassungsstelle der Kreisverwaltung 269 reine E-Mobile erfasst. Die Gesamtzahl der zugelassenen Fahrzeuge zu diesem Zeitpunkt: 63.074.

Allerdings muss man einräumen, dass die Entwicklung etwas Fahrt aufgenommen hat. Immerhin hat sich der Bestand an E-Autos im Jahr 2020 verdoppelt – Ende 2019 gab es gerade mal 120 solche Fahrzeuge auf hiesigen Straßen. Und diese Entwicklung scheint sich fortzusetzen. Denn bis 10. Februar, dem Stand der Abfrage bei der Zulassungsstelle, sind weitere 55 Elektroautos hinzugekommen. Beachtlich für die kurze Zeit. Bundesweit allerdings hat sich die Anzahl der Neuzulassungen im gleichen Zeitraum verdreifacht. Etwas besser als bei den reinen E-Autos sehen die Zahlen bei den Hybriden aus. 678 waren es am Stichtag 10. Februar. Aber das bescheinigt den Mischantrieben auch lediglich einen Anteil von etwas mehr als einem Prozent. Die Steigerungsraten sind indes ähnlich wie bei den E-Autos. Genauere Zahlen nur zu den Neuzulassungen konnte die Zulassungsstelle nicht nach Antriebsarten aufgeschlüsselt vorlegen, doch die Zahlen lassen durchaus entsprechende Rückschlüsse zu.

Anzahl der Kraftfahrzeuge im Kreis steigt stetig

Übrigens scheint die Entwicklung der E-Mobilität etwas zulasten eines anderen Nebenschauplatzes im Spektrum der Antriebsarten zu gehen – sofern man da Zusammenhänge unterstellen kann: Gasautos, die lange Zeit als umweltfreundlichere Alternative galten und gefördert wurden, sind offenbar auf dem Rückzug. Aktuell gibt es 481 gasbetriebene Fahrzeuge im Donnersbergkreis, 2015 waren es noch 614. Dieser Rückgang sei gleichmäßig über die Jahre erfolgt, so die Kreisverwaltung.

Diese Zahlen muss man nun allerdings zur Entwicklung des Donnersberger Fuhrparks insgesamt ins Verhältnis setzen. Denn der Donnersberger erlegt sich – aus privaten wie auch aus beruflichen Gründen – bei der motorisierten Fortbewegung offenbar keine Beschränkung auf. Denn die Zahl der Fahrzeuge, die über die Straßen im Kreis rollen – oder eher holpern, je nachdem, wo man unterwegs ist –, wächst Jahr für Jahr ungebrochen. Waren Ende 2015 noch rund 57.700 Fahrzeuge mit KIB- oder ROK-Kennzeichen unterwegs, so ist diese Anzahl bis Ende 2020 auf über 63.000 angestiegen.

Und wer erwartet, dass der so in Verruf geratene Diesel massiv an Präsenz verliert, der täuscht sich. Auch die Anzahl der Selbstzünder ist in den vergangenen Jahren weiter gestiegen, wenn auch deutlich geringer als die der Benziner. Im vergangenen Jahr kamen immerhin noch rund 180 Diesel zum Bestand hinzu, seit 2015 sind es rund 1600 mehr geworden. 23.639 Dieselfahrzeuge waren Ende 2020 bei der Zulassungsstelle registriert, darunter natürlich Last- und Lieferwagen – etwas über zehn Prozent der Zulassungen entfallen auf Lkw, Busse und Zugmaschinen. Offenbar ist das Vertrauen in diese Technik und Lösung für die Stickoxid-Probleme noch durchaus vorhanden. Die Spitzenstellung der Benziner ist natürlich ungebrochen. 38.487 Fahrzeuge im Kreis tanken Super, rund 550 mehr als im Vorjahr 2019, knapp 3000 mehr als 2015.

Nachholbedarf bei Lade-Infrastruktur

Die E-Mobilität hängt natürlich auch am Ausbau der Lade-Infrastruktur. Dass es da Nachholbedarf gibt, hat der Bundestag erst vorgestern mit einem Gesetz zu deren Ausbau bestätigt. Zwar ist die Anzahl der Ladestationen im öffentlichen Raum auch im Umfeld des Donnersbergkreises nicht beeindruckend, doch liegt der auch hier im Hintertreffen. Die Bundesnetzagentur weist für den Donnersbergkreis bislang zwölf Ladestationen aus, die Hälfte davon konzentriert sich in Kirchheimbolanden (Volksbank, Hotel Braun, Herrengarten, Parkdeck, Fischbachweg). Zwei weitere finden sich in Göllheim (Marktplatz, Freiherr-vom-Stein-Straße), je eine in Eisenberg (Park & Ride-Anlage Bahnhofstraße), Münchweiler (am Bahnpfad), Winnweiler (Schlossstraße) und Rockenhausen (Bezirksamtstraße).

Schnellladeeinrichtungen werden nur in Göllheim, Winnweiler und Rockenhausen angeboten. Im ähnlich strukturierten Nachbarlandkreis Kusel sind es 13 Ladestationen und damit nicht unwesentlich mehr, 20 im Kreis Bad Kreuznach, 24 sind es im Kreis Alzey-Worms, 41 im Kreis Bad Dürkheim, 46 im Kreis Kaiserslautern – dass die Landkreise sich natürlich in vielen Aspekten, vor allem in der Bevölkerungszahl und der Größe der Orte voneinander unterscheiden, ist natürlich in Rechnung zu stellen.

Renault und Tesla haben bislang die Nase vorn

Interessant ist nicht zuletzt die Frage, was denn der Donnersberger fährt, wenn er elektrisch fährt. Deutsche Hersteller sind es hier zumindest nicht, die bislang die Nase ganz vorn haben. Die meisten Zulassungen entfallen hier auf Renault. Das französische Unternehmen hatte den Vorteil, mit seinem Modell Zoe besonders früh am Start zu sein. 48 Zulassungen entfallen auf diese Marke. Und Platz zwei hält Tesla mit 32. Es folgen VW (27) und BMW (23). Bundesweit hat bei den Neuzulassungen VW die Nase vorn vor Renault und Tesla.

Die in diesen Tagen unvermeidliche Frage, ob im Zulassungsgeschehen auch coronabedingte Effekte – dazu würde ja auch die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer gehören – registriert wurden, wird im Kreishaus verneint. Es seien keine Besonderheiten oder Änderungen vermerkt worden, das Jahr sei, was die An- und Abmeldungen von Fahrzeugen angehe, unauffällig verlaufen.

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