Donnersbergkreis Dritte Halbzeit:

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Kellerduell in der C-Klasse, die beiden Mannschaften laufen sich, wie jeden Sonntag, warm, gleich die Traineransprache, darauf der Anpfiff – aber wo um Himmels Willen steckt der Schiri? Keine Platzbegehung, keine Passkontrollen, kein Vorstellen beim Heimverein. Nichts. Wie bestellt und nicht abgeholt stehen die Kicker ratlos vor dem Sportheim. Was also tun, wenn der Unparteiische nicht auftaucht? Warten? Das Spiel absagen? Kritisch. Vor diesen Fragen standen am Sonntagmittag der TSV Dörnbach II und der SV Dielkirchen. Um 13.15 Uhr hätte ein Schiedsrichter des 1. FC Kaiserslautern in Dörnbach das Spiel anpfeifen sollen. „Ich war gerade auf dem Weg nach Kibo, als ich um Viertel nach einen Anruf erhielt. Es sei kein Schiri da, hieß es. Die normale Wartezeit beträgt dann eine Viertelstunde“, erklärte Ulrich Lindner, Staffelleiter der C-Klasse Nord, auf Anfrage. Mehr machen konnte auch er nicht. Also drehten die Kontrahenten 15 Minuten Däumchen – umsonst. Der Schiedsrichter fehlte. Weder rief er an, noch hatte irgendjemand seine Kontaktdaten. Sven Köhler, Trainer der Dielkirchener, reagierte mit Unverständnis. „So was ist ein Unding“, ärgerte er sich. Kurios, worauf sich der TSV II und der SVD dann einigten. Das, so Lindner, „spricht klar für beide Mannschaften“. Sie spielten. Und zwar unter der Leitung von Björn Schneider, eigentlich Spieler Dörnbachs. Natürlich ein Wagnis und keine einfache Sache. „Ich hab’ mir am Anfang schon gedacht: Das wird was geben. Er steht zwischen den Fronten. Normal bin ich kein Freund davon“, gab der SVD-Coach zu. Am Ende siegte seine Elf 4:3 – trotz eines laut Köhler fragwürdigen Elfer-Pfiffs für die Gastgeber in den Schlussminuten. Köhler nervte bei der Wirrwarr-Aktion vor allem eines. „Der Schiri muss erreichbar sein oder sich melden. Wenn ich auf der Arbeit nicht komme, bin ich meinen Job los“, beschwerte er sich. Nun gut, wer wusste schon am Sonntag, was mit dem Referee geschehen war? Ungewiss. Bis er am Montagmittag, auf Nachfrage Lindners, eine Mail schickte. Er bitte „vielmals um Entschuldigung“, „hoffe, das irgendwie wieder gutmachen zu können“. Mit hohem Fieber habe er die Nacht in der Bereitschaftsambulanz verbracht und „total vergessen“, sich wegen des Spiels zu erkundigen. Zwar habe er eine Mail an Schiedsrichter-Ansetzer Dieter Pommeranz gesendet, die aber fand zu spät ihren Leser. Ein ärgerlicher Lapsus des jungen Referee. Klar, er hätte sonntags anrufen, sich abmelden müssen. Er vergaß, er bereute, ihn selbst wurmte sein Patzer am meisten – und damit sollte die Sache vom Tisch sein. Von einer Strafe sieht Lindner ab. Nochmal passiert dem Schiedsrichter das sicher nicht...