Donnersbergkreis Dritte Halbzeit :

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Marc Heinrich sagt, er sehe die seltsame Situation „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. Vorwürfe will und kann er niemandem machen. Das Kuriose ist eben: Heinrichs TSG Kerzenheim, Primus der C-Klasse Nord, ist, was die Punktausbeute angeht, der Profiteur im engen Titel-Dreikampf. Unfreiwillig. Zwei Spielabsagen in den letzten zwei Wochen, zwei Geschenke. Ohne sich den Hintern aufreißen zu müssen. Und spätestens seit dem phänomenalen 2:1 des SV Dielkirchen in Imsbach ist dabei klar, dass selbst die „Zwerge“ der C-Klasse die Mächtigen stürzen können. Die sechs Punkte waren keine Selbstverständlichkeit. Nur: Heinrich, Trainer der TSG, findet die von vielen so betitelte „Glückssträhne“ gar nicht mal so witzig. „Natürlich ist das für uns blöd. Wir wollten das sicher nicht, denn jetzt sind wir raus aus dem Rhythmus und dürfen unvorbereitet ins Spitzenspiel gehen“, zürnt er, genervt von einigen Aussagen, die auf die TSG zielen. Wenn seine Elf am Sonntag bei Verfolger SG Steinbach II/Börrstadt antritt, ist sie seit drei Wochen ohne Spielpraxis. Drei Wochen, mitten im Frühling! Der FC Eiche Sippersfeld II sowie jüngst die SG Münchweiler/Alsenbrück-Langmeil II überließen Kerzenheim nämlich kampflos das Feld. Auf dem Papier sieht das äußerst dämlich aus. Einig waren sich am Sonntag die „Experten“ an den Seitenlinien, dass der Wettbewerb verfälscht ist. Nicht mutwillig oder mit böser Absicht, sondern aus einem dummen Zufall heraus. Schuld trifft niemanden – schon gar nicht die TSGler, denn die hatten sich am Sonntagmorgen vor der kurzfristigen Absage ja mustergültig vorbereitet, so Heinrich. „Es ist das Ende der Saison, die heiße Phase. Die Zweiten haben da personelle Probleme. Das führt zu einer Verzerrung, kann man aber nicht ändern“, weiß Staffelleiter Ulrich Lindner. „Man muss da auch Verständnis für die betroffenen Mannschaften haben.“ Recht hat er. Schließlich ist es gerade den Zweitmeldungen von Klubs wie Sippersfeld oder Münchweiler zu verdanken, dass die C-Klasse überhaupt einen geregelten Spielbetrieb zustande kriegt. Ohne sie würde die Nord-Staffel mit spärlichen fünf Teams dastehen. Also mal Ball flachhalten. Dass Spieler in Engpässen nach oben gezogen werden, ist kein Novum. Für Imsbach und Steinbach II, beide auf Tuchfühlung, ist die Sache natürlich ärgerlich – aber: Beide haben Kerzenheim ja noch auf dem Programm. Alles offen, alles halb so wild. Denn die TSG ist durch fehlende Spielpraxis letztlich nicht nur Glückskind, sondern auch der Gelackmeierte… Geht da noch was? Mutiert die TSG Albisheim etwa vom Mittelmaß-Mitläufer zum Top-Klub und Aufstiegskandidaten? „Ganz ehrlich, das glaube ich nicht“, drückt Stefan Groben auf die Euphoriebremse. Die TSG ist in der B-Klasse in 2017 noch unbesiegt: Das berauschende 7:2 im Derby über die SpVgg Gauersheim war die Krönung eines aktuell fabelhaften Laufs – und das mit einem mageren 15-Mann-Kader, wie Coach Groben verblüfft sagt. „Das ist der Wahnsinn“, gibt er zu. „Viele Leistungsträger haben davor unter ihrem Niveau gespielt. So ist das nicht mehr.“ Frangel, Zimmer, Kautz. Auf einmal legen sie los wie die Irren. Im elitären Top-Fünf-Klub will Groben nun unbedingt bleiben – das Thema Aufstieg aber sei reine Utopie. Eher gehe im Westen die Sonne auf, so der Trainer, denn gerade jetzt verletzten sich zwei weitere Kräfte schwer am Knie. Aus 15 Akteuren wurden 13. Für den Orbiser vor allem die Ursache, in der Winterpause seinen Abgang zu verkünden. Der Verein brauche einen Spielertrainer, der selbst noch kicke, im Idealfall eine Reihe Aktiver mit an die Pfrimm ziehe. Und da gebe es bereits Auserwählte, so Groben. „Wenn man mit so einem Kader zwei, drei Ausfälle hinnehmen muss, dann hängst du durch. Die Trainingsbeteiligung ist prima, nur sind wir im Ganzen eben zu wenige.“ Man mag sich gar nicht ausmalen, wo die TSG stünde, hätte sie ihre Hausaufgaben gemacht: Unentschieden gegen den FV Rockenhausen II und Gerbach, deftige Schlappen gegen Marnheim und Rüssingen II. Alles Spiele, wo ein Liga-Vierter normal richtig punktet. Aber vielleicht, munkelt Groben, habe die aktuelle 2017-Serie ihren Ursprung eben in seiner Entscheidung. Über die Mentalität könne er sich ja nicht beklagen. „Der Weg mit Spielertrainer wird besser sein“, prophezeit er. Und sein Abschied anständig. | Peter Pascal Portz

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