Donnersbergkreis
Donnersbergkreis: Projekt „Gemeindeschwester plus“ vor dem Start
Sie soll vor allem helfen, den Menschen so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen: die Gemeindeschwester plus. „Sie ist der Kümmerer“, so beschreibt Judith Mattern-Denzer, Leiterin der Sozialabteilung im Kreishaus, das Profil dieser Stelle, für die nun auch im Donnersbergkreis eine Fachkraft gesucht wird.
„Das ist eine beratende, aufsuchende Tätigkeit. Die Aufgabe der Gemeindeschwester plus ist es, den Unterstützungsbedarf zu ermitteln“, stellt Mattern-Denzer zunächst klar, dass es nicht eine medizinische oder pflegerische Arbeit ist, die die Gemeindeschwester plus zu erbringen hat. Es geht – so steht es in der Tischvorlage zur Vorstellung des Projektes heute im Kreisausschuss – um ein „präventives und gesundheitsförderndes Beratungs- und Vernetzungsangebot“. Heimunterbringungen zu vermeiden durch die Vermittlung gebotener ambulanter Hilfen ist ein konkretes Ziel, ebenso der Vereinsamung im Alter entgegenzuwirken. Im Mittelpunkt der Einsätze stehen hochbetagte Menschen, die 80 Jahre und älter sind. Zuständig ist die Gemeindeschwester plus für den gesamten Landkreis.
Das Projekt gibt es im Land seit 2015. Schon in der Frühphase habe sich der Kreis mal darum beworben, sei damals aber leer ausgegangen, so Mattern-Denzer. Inzwischen sei aber aus den Verbandsgemeinden Rockenhausen und Winnweiler, auch aus Kirchheimolanden, verstärkt der Wunsch nach einer solchen Fachkraft gekommen. Im Oktober nun hat die zuständige Lenkungsgruppe auf Landesebene die Stelle für den Donnersbergkreis bewilligt.
Es hat sich an dem Modell einiges getan. Ursprünglich allein vom Land getragen, hätten sich inzwischen die im Land tätigen Krankenkassen bereit erklärt, in eine gemeinsame Finanzierung einzusteigen. Der Kreis hat die Stelle nun ausgeschrieben, sie ist allerdings zunächst befristet auf ein Jahr. Kosten entstehen dem Kreis keine.
Start spätestens am 1. Januar
Ursprünglich sollte die Gemeindeschwester bei den Pflegestützpunkten räumlich angesiedelt sein, je zur Hälfte der Einsatzzeit in Rockenhausen und Kirchheimbolanden. Gegen diese Unterbringung habe sich jedoch kurzfristig der Verband der Ersatzkassen ausgesprochen, der wegen des Datenschutzes Bedenken angemeldet hat, berichtete gestern Judith Mattern-Denzer. „Wir sind jetzt in Gesprächen mit den Verwaltungen in Rockenhausen und Kirchheimbolanden, wir sind zuversichtlich, dass es da räumliche Möglichkeiten gibt.“ Verantwortlich für die Arbeit der Gemeindeschwester plus ist die Sozialabteilung im Kreishaus, Judith Mattern-Denzer also ist selbst deren Vorgesetzte. Der Kreis ist es auch, der die Stelle ausschreibt – das ist bereits erfolgt – und besetzen wird. Mattern-Denzer hofft, dass die Arbeit der Fachkraft spätestens zum 1. Januar losgehen kann.
Die Gemeindeschwester plus besucht die Menschen mit deren Einverständnis zuhause, sie spricht mit ihnen, macht sich ein Bild von den Bedingungen und Problemen und berät die Menschen entsprechend. „Darüber hinaus“, so der Kreis in der Beschlussvorlage für den Kreisausschuss, „ist es die Aufgabe der Gemeindeschwester plus, passgenaue Angebote in den Regionen anzuregen beziehungsweise zu initiieren und damit die Entwicklung gesundheits- und selbstständigkeitsfördernder Infrastrukturen in den Kommunen voranzutreiben.“
Soll zu einem Selbstläufer werden
„Da gibt es verschiedene Wege“, sagt Mattern-Denzer auf die Frage, wie die Gemeindeschwester plus – übrigens können sich dafür natürlich auch männliche Pflegefachkräfte bewerben – mit den Menschen in Kontakt kommt. Anfragen gebe es schon jetzt. Zum einen sollen sukzessive alle Menschen in dieser Altersgruppe, die zuhause leben, auf das Angebot hingewiesen werden. Zudem sei an viele Projekte gedacht, bei denen die Gemeindeschwester bekannt gemacht werden kann – „da gibt es Überlegungen, Tanzcafés zu veranstalten, Rollatoren-Workshops, über die Ärzte kann aufmerksam gemacht werden – in einer Kommune hat man sogar eine Ü90-Party angeboten“, listet die Sozial-Abteilungsleiterin auf, die nach den vorliegenden Erfahrungen davon ausgeht, dass das zu einem Selbstläufer werden wird.
Das Projekt hat die demografische Entwicklung im Blick. Ende 2017 waren 6,2 Prozent der Donnersberger 80 Jahre und älter, das sind 4664 Personen. Bis 2040 wird sich der Anteil dieser Altersgruppe an der – bis dahin rückläufigen – Gesamtbevölkerung gut verdoppeln. Das unterstreicht die Notwendigkeit, früh Strukturen aufzubauen, die dieser Entwicklung Rechnung tragen. Dabei gehe es auch darum, dem wachsenden Kostendruck standhalten zu können, betont Matter-Denzer im Gespräch. Ein Weg sei, durch gute Hilfsstrukturen stationäre Pflege, so lange es geht, zu vermeiden.
Am Mittwoch im Kreisausschuss
Neben der Vorstellung des Projektes Gemeindeschwester plus geht es am Mittwoch im Kreisausschuss auch um die Fortschreibung des Mietwertkonzeptes des Kreises, um die Sanierung der Sandsteingiebel der Karl-Ritter-Schule, um Auftragsvergaben für Schulen, die Neuvergabe der Entsorgung von Problemabfällen, den Ausbau der Breitband-Infrastruktur und den Digitalpakt Schule 2019-2024. Die Sitzung beginnt um 15 Uhr im Kreishaus.