Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Donnersbergkreis: Medidoc ruft zur Impfwoche auf

Viele Erwachsene haben keinen Überblick über ihren Impfstatus. Der Impfausweis kann Auskunft geben.  Foto: dpa
Viele Erwachsene haben keinen Überblick über ihren Impfstatus. Der Impfausweis kann Auskunft geben.

Dr. Schneider, Medi Südwest veranstaltet von 2. bis zum 13. September Impfwochen, an denen sich auch Ärzte aus dem Donnersbergkreis beteiligen. Was ist das Anliegen dabei?
Wir möchten die Öffentlichkeit für die Impfungen sensibilisieren, damit die Menschen ihren Impfschutz vervollständigen. Impfen steht seit Monaten im Fokus der Öffentlichkeit, eine Impfpflicht gegen Masern ist im Gespräch. Wir möchten aber vorbeugend tätig werden. Wichtig ist es, den Patienten die Wichtigkeit von Impfungen bewusst zu machen. Bei Keuchhusten gibt es eine schlechte Impfquote und selbst bei Masern, die eigentlich schon als ausgerottet galten, nehmen die Fälle von regionalen Erkrankungswellen wieder zu. Dass auch Jungen auf Humane Papillomviren (HPV), die unter anderem Gebärmutterhalskrebs auslösen, geimpft werden sollten, wissen die wenigsten. Seit vergangenem Sommer ist die HPV-Impfung für Jungen zwischen neun und 17 Jahren eine Kassenleistung. Eine Tatsache, die sich selbst bei vielen Ärzten noch nicht herumgesprochen hat. Es gibt also tatsächlich unbedingt Aufklärungsbedarf.

Es wird viel über den Impfschutz von Kindern, wie sieht es denn bei Erwachsenen aus?
Zum Teil gut, zum Teil katastrophal, manchmal sind die letzten Impfungen 20 Jahre her. Wichtig sind hier die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und vor allem Pertussis. Der Keuchhusten wird unterschätzt. Er ist für Erwachsene sehr langwierig, aber wenn Säuglinge und Kleinkinder infiziert werden, verläuft die Erkrankung sehr viel schwerer.

Manche Menschen haben sich sicher seit vielen Jahren nicht mehr um ihren Impfstatus gekümmert. Was kann man also tun, wenn man seinen Impfausweis nicht mehr findet und nicht mehr weiß, wann man welche Impfung hatte?
Man kann beim Hausarzt oder Kinderarzt nachfragen, welche Impfungen dort dokumentiert sind, ansonsten: Neuer Impfpass, neue Grundimpfungen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Migrationshintergrund. Sie haben oftmals keine Impfungen erhalten.

Was halten Sie von dem Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn, dass künftig auch Apotheken die Grippeimpfung anbieten können?
Das lehnen wir ab. Impfen ist eine ärztliche Aufgabe. Denn es muss auch berücksichtigt werden, dass es Gründe geben kann, die gegen eine Impfung sprechen, so genannte Kontraindikationen. Das können nur Ärzte vollumfassend beurteilen.

Aber würde das nicht zwangsläufig zu einer höheren Impfbereitschaft bei der Grippe führen?
Wir fordern, dass die Grippeimpfung für alle Menschen von den Krankenkassen bezahlt werden sollte. Dies würde die Impfrate hier sicher erhöhen. Wenn momentan ein impfwilliger gesunder 35-Jähriger kommt, muss er bei manchen Kassen die Impfung bezahlen, bei anderen nicht. Das schreckt mehr ab als der Gang in die Arztpraxis.

Welche Praxen im Donnersbergkreis machen mit?
Impfpasskontrollen und Impfungen führen alle Haus-, Frauen- und Kinderarztpraxen im Donnersberg durch, insbesondere natürlich die Medidoc-/MEDI-Mitgliedspraxen.

Was macht eigentlich Medidoc, und wie viele Ärzte aus dem Donnersbergkreis beteiligen sich daran?
Medidoc Rheinhessen-Pfalz und MEDI Rheinhessen/Donnersberg sind Ärztenetze, die dem Ziel dienen, die Versorgung in der Region zu verbessern. Dazu werden Fortbildungsveranstaltungen und Schulungen angeboten und Verträge zur Verbesserung der Patientenversorgung ausgehandelt. Ein Projekt ist der MEDI-Patientenordner, der in den Mitgliedspraxen zusammengestellt wird. Dabei werden die Patientendaten zusammengeführt und der Patient bekommt seinen Ordner mit nach Hause. Er kann dann jederzeit selbst etwas überprüfen oder diese gesammelten Informationen mit in Kliniken oder zu Fachärzten nehmen. Gerade für ältere Menschen kann das eine große Erleichterung bedeuten.

Der Vorsitzende von Medi Südwest, Dr. Ralf Schneider.  Foto: Medi/frei
Der Vorsitzende von Medi Südwest, Dr. Ralf Schneider.
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