Donnersbergkreis
Donnersberger Echo: Rockenhausener Hotel am Schloss und der Wald - zwei Sorgenkinder
Hotel am Schloss: Schwerer Neustart
Auch die RHEINPFALZ reihte sich seinerzeit in die Schar der Gratulanten ein: „Aus einem Problemfall wird ein neues Schmuckstück der Stadt“, titelte die Donnersberger Rundschau zur Einweihung des Schlosshotels 2001. Wie „ein Sechser im Lotto“ sei das Konstrukt mit der eigens gegründeten GmbH samt Beteiligung der Bürger, die Anteile erwerben konnten. Lob, das fraglos berechtigt war: Die Gesellschaft machte es erst möglich, das im 13. Jahrhundert erbaute barocke Wasserschloss vor dem Verfall zu retten – der Stadt fehlten angesichts der damals schon leeren Kassen dazu die Mittel. Und knapp 20 Jahre später fragt man sich: Was ist passiert, dass aus dem einstigen Vorzeigeprojekt längst wieder ein (finanzieller) Problemfall geworden ist?
Die Antwort ist unbefriedigend: schwer zu sagen. Vielleicht gibt es wie so oft im Leben nicht den einen, entscheidenden Grund, sondern eine Verkettung mehrerer Ursachen, die zur verzwickten Lage beigetragen haben. Fakt ist: Das Ziel, das die früheren Gesellschafter der GmbH ausgegeben haben, ist verfehlt worden. Binnen 20 Jahren sollten die Schulden für die rund zwölf Millionen Mark teure Baumaßnahme getilgt werden, anschließend könnten die Anteilseigner auf eine Gewinnausschüttung hoffen. Das wäre ab kommenden Jahr – da ist die Gesellschaft bereits zehn Jahre Geschichte ...
Sicher nicht förderlich, aber im Rückblick eher eine Randnotiz war 2005 der Rechtsstreit zwischen der GmbH und der ehemaligen Baufirma Jäger wegen eines Wasserschadens im Keller des Hotels – und der Frage, wer dafür verantwortlich ist. Jäger-Mitarbeiter demonstrierten sogar vor dem Gebäude wegen noch nicht bezahlter Rechnungen. Entscheidend für die Zahlungsunfähigkeit der Schlosshotel GmbH war 2011 aber etwas anderes: die Diskrepanz zwischen den an den Netto-Umsatz gekoppelten Pachteinnahmen einerseits, den zu leistenden Zins- und Tilgungsbeträgen andererseits. Dabei lief das Restaurant gut, Pächter Christoph Rubel hatte sich mit seiner Küche einen hervorragenden Ruf erworben. Doch die Auslastung des Hotels blieb hinter den Kalkulationen zurück.
Die Stadt stand vor der schwierigen Entscheidung, das Prestige-Objekt endgültig „de Bach erunner gehe se losse“ – oder selbst dessen Vermarktung (samt Schulden) zu übernehmen. Ein Knackpunkt: die Bürgschaft in Höhe von 1,67 Millionen Euro. Diese hatte die Stadt geleistet, um der Gesellschaft günstigere Kommunalkredite zu ermöglichen. Aber ist das den damaligen Gremien vorzuwerfen? Schließlich war man froh, eine Lösung für das zerfallende historische Bauwerk gefunden zu haben. Jedenfalls wäre das Geld bei einer Insolvenz der GmbH „futsch“ gewesen.
Recht bald nach der Übernahme 2011 hat die Stadt neue Akzente zu setzen versucht, wollte mit den jetzigen, in der gehobenen Hotellerie erfahrenen Pächtern die Auslastung steigern. Am jährlich vom städtischen Haushalt zu tragenden Defizit hat sich gleichwohl kaum etwas geändert. Ob das aber den jeweiligen Hotel-Betreibern vorzuwerfen ist? Schon aus eigenem Interesse hat sicher jeder von ihnen versucht, das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Vielmehr muss die Frage erlaubt sein, ob die Erwartungen von Beginn an überzogen waren, welche Zahlen in unserer strukturschwachen und trotz aller Bemühungen touristisch noch hinterherhinkenden Region mit einem solchen Projekt zu erreichen sind.
Andersherum gesagt: Vielleicht sollten die Verantwortlichen ein – wohlgemerkt funktionierendes und über ein gutes Renommee verfügendes – Hotel am Schloss, wie es heute heißt, als Standort- und Imagefaktor sehen. Oder, wie ebenfalls 2001 in der RHEINPFALZ stand: „Mit dem Projekt Schlosshotel erfährt die Stadt Rockenhausen – und auch die Region – eine weitere enorme Aufwertung.“ Ob das einem Bürgermeister und „seinem“ Rat dann rund 70.000 Euro (oder mehr) im Jahr an öffentlichen Geldern wert sein darf, steht wieder auf einem anderen Blatt.
Deshalb soll’s im Herbst einen erneuten Neustart geben. Eventuell könnte dann noch einmal ein Thema diskutiert werden, das in der Vergangenheit stets mit fehlenden räumlichen Kapazitäten vom Tisch gewischt wurde, aber für viele Privatpersonen, Gruppen und Firmen bei der Wahl ihres Urlaubs- oder Tagungsortes eine bedeutende Rolle spielt: ein (bisher fehlender) Wellnessbereich. Die Rede ist nicht von einer 1000 Quadratmeter großen Wohlfühl-Oase – aber sind ein, zwei Saunen und ein Mini-Pool wirklich ausgeschlossen? Wenn man tatsächlich beim Hotel am Schloss eine Wende zum Besseren will, dann sollte auch das auf die Agenda!
Wald: Kritische Lage
Nicht erst seit diesem Jahr auf der Agenda steht der bedenkliche Zustand des Waldes rund um den Donnersberg. Der Dannenfelser Revierförster Martin Teuber hat in dieser Woche ein alarmierendes Bild gezeichnet: Borkenkäfer greifen die Nadelhölzer an, die Raupen des Schwammspinners fressen „alles, was grün ist“, ganz aktuell hat der Rockenhausener Stadtförster Lothar Burkhart eine sehr frühe, mitunter auch für Menschen gefährliche Raupe des Eichenprozessionsspinners entdeckt. Ferner machen einmal mehr Trockenheit und Hitze den Bäumen zu schaffen. Die Folgen des Klimawandels sind dabei doppelt fatal: Insekten vermehren sich bei dieser Witterung teils explosionsartig. Und die vom Trockenstress geschwächten Bäume senden Duftstoffe (Pheromone) aus, die ihre Verletzlichkeit offenbaren – was die Schädlinge dann erst recht angreifen lässt. Nicht zuletzt werden auch Waldbrände immer wieder Thema sein.
Kurzum: Die Herausforderungen beim Wald sind groß. Landesforsten obliegt der schwierige Spagat zwischen betriebswirtschaftlichem Denken und dem bloßen Erhalt – der momentan Vorrang haben muss. Befallenes Holz so schnell wie möglich aus den Wäldern herauszubringen, zu schauen, welche Baumarten mit den hiesigen Bedingungen überhaupt zurechtkommen, wie deren „ideale“ Mischung aussieht – das sind nur einige der Aufgaben, die von den Experten zu bewältigen sind.
Und wir Bürger? Wir sollten den Forst unterstützen und unsere Ansprüche an den „Wirtschaftswald“ zurückschrauben – Priorität hat dessen Überleben. Beitragen können wir vor allem indirekt: indem wir umweltbewusst leben und möglichst alles vermeiden, was dem Klima schadet. Darüber hinaus freuen sich auch die Fachleute, wenn der Wald – wie in der Corona-Krise vielfach geschehen – in geregeltem Maße und stets mit Rücksicht auf andere zur Erholung genutzt wird. Das macht die Menschen wieder empfänglicher für Anliegen und Aktionen, die der Gesundung unserer „grünen Lunge“ dienen. Nächste Gelegenheit, sie zu genießen, bietet das lange Wochenende. Frohe Pfingsten und viel Spaß an der frischen Luft wünscht Ihnen