Donnersbergkreis
Donnersberger Adventskalender: Bachs Weihnachtsoratorium am Sonntag in der Peterskirche
„Jauchzet, frohlocket, auf preiset die Tage“: Keiner Musikepoche hat die Weihnachtszeit ihren anheimelnden klanglichen Charakter mehr zur verdanken als dem Barock. Und unter all den Werken mit ihrem lichten Silberglanz und ihrer einschmeichelnden Wärme ragt eines ganz besonders heraus: Bachs „Weihnachtsoratorium“. Am Sonntag werden drei der sechs Kantaten, aufgeführt von der Bezirkskantorei Kirchheimbolanden-Winnweiler, wieder in der Peterskirche zu erleben sein.
Diesmal hat Bezirkskantor Martin Reitzig die Kantaten I, III und VI ausgewählt – es ist üblich, das Oratorium in unterschiedlichen Teilzusammenstellungen aufzuführen. Das Gesamtwerk ist eher selten zu hören, es nimmt immerhin drei Stunden in Anspruch.
Die Auswahl der Kantaten hat mitunter pragmatische Gründe, wie Reitzig im Gespräch erläutert. In Kantate II etwa und nur dort werden vier Oboen gebraucht, das kann schon mal eine Hürde sein, verweist Reitzig auf Fragen der Besetzung. Und: „Viele sagen, die Kantate I muss sein“, ergänzt er und verweist auf deren Einstieg mit dem berühmten „Jauchzet, frohlocket“. Die sechste Kantate, die schon in der Abfolge der biblischen Ereignisse schon hineinführt in die Herodes-Thematik, gefalle durch ihre schlichten Choräle, besonders durch das in der damaligen Zeit schon sehr bekannte „Ich steh an deiner Krippen hier“.
Heutige Wahrnehmung anders als zu Bachs Zeit
Die heutige Wahrnehmung des Werkes unterscheidet sich sicher deutlich von der in Bachs Zeit. Damals, so Reitzig, seien Kirchenkonzerte unüblich gewesen, die Kantaten dieses Oratoriums – zum Jahreswechsel 1734/35 erstmals aufgeführt – seien als gottesdienstliche Musik verstanden und eingesetzt worden. Die Gemeinde habe die Choräle mitgesungen. Das Weihnachtsoratorium sei auch nicht als geschlossenes Werk geschrieben worden, sondern jede einzelne Kantate sei einem der Gottesdienste zwischen Weihnachten und dem 6. Januar zugedacht gewesen.
Die Art und Weise, wie das Werk heute gespielt und wahrgenommen wird, habe sich erst in jüngerer Zeit so herausgebildet, erläutert der Kantor, sie sei aus der Bach-Renaissance erwachsen, die Felix Mendelssohn-Bartholdy angestoßen hat. „Das ist eine Sache des 19. Jahrhunderts.“ Hinzu komme, dass sich auch der Stellenwert des Weihnachtsfestes seit der Zeit Bachs verschoben habe. „Damals war Ostern viel wichtiger“, erläutert der Kantor.
Ohne Parallele
Heute aber hat das Werk sich seinen Platz im Konzertgeschehen der Weihnachtszeit erobert und gesichert. Reitzig selbst hat es schon, in unterschiedlicher Kantatenzusammenstellung, mehr als ein Dutzend mal aufgeführt, wie er berichtet. Das Werk enthalte große, aufwändige Chorpartien, in denen die Sänger sehr gefordert seien. Es habe auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal – so, wie Bach das Werk gestaltet, mit seiner ganz eigenen Religiosität beseelt hat, in seiner ganzen Ausdruckskraft habe es keine Parallele.
Am Sonntag werde er voraussichtlich auf 34 Sängerinnen und Sänger in der Bezirkskantorei zurückgreifen können, so Reitzig. Geprobt werde seit Sommer, viele im Chor seien schon bei früheren Aufführungen des Weihnachtsoratoriums dabeigewesen. Die Gesangssolisten sind dem Kirchheimbolander Publikum zumeist bestens bekannt. Antonietta Jana singt die Sopran-Partien, Simone Pepping-Sattelberger den Alt. Für den Bass hat Reitzig wieder Thomas Herberich verpflichtet. Vor Ort weniger bekannt ist der Tenor Manuel Horras, der sich aber empfohlen habe, als er vor zwei, drei Jahren mal ausgeholfen habe. „Eine junge, frische Stimme“, sagt Reitzig zu dem Sänger vom Saarbrücker Staatstheater. Den Orchester-Part wird wieder das Collegium musicale Bingen übernehmen.
Die Aufführung in der protestantischen Peterskirche beginnt am Sonntag, 15. Dezember, um 16 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf bei Buchhandlung Sattler sowie beim Protestantischen Verwaltungsamt, Amtsstraße 7 (Telefon: 06352 706700