Interview
DLRG-Ortsgruppen finden keine Hallenbäder zum Training
Seit März 2020 müssen Sie mit erheblichen Einschränkungen Ihres Angebots leben. Wie sind Sie bisher durch die Pandemie gekommen?
Krebs: „Lassen Sie mich kurz zurückblicken. Von Mitte März bis Anfang Juli 2020 hatten wir die erste größere Zwangspause über Sommer. Danach war Training in Rockenhausen unter Einhaltung des Hygienekonzepts – Eintritt über das Stadion Obermühle/unser Vereinsheim außerhalb der Schwimmbad-Öffnungszeiten möglich. Anfänglich nur ein Mal pro Woche und ab Mitte August wieder regulär zweimal wöchentlich. Das Wintertraining 2020/2021 ist aufgrund des geschlossenen Hallenbades in der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn ausgefallen. Wir haben versucht, ein Ersatztraining (Sportprogramm, Theorie et cetera) zu organisieren, aber das wurde nicht so gut angenommen. Vereinsmeisterschaften, Weihnachtsmarkt, Wettkämpfe, Abschlussfahrt in ein Freizeitbad, Lehrgänge, die große Nikolauswanderung – alles wurde entsprechend abgesagt. 2021 hatten wir ebenfalls einen Sommer-Trainingsausfall bis Mitte Juni. Dadurch, dass wir auch wieder alle Bahnen des Schwimmbads für unser Training nutzen konnten, konnten wir auch beim Schwimmtraining auf Abstand achten: pro Gruppe mindestens zwei Bahnen, getrenntes hoch- und zurück schwimmen. Das letzte Sommertraining in Rockenhausen war Ende August, danach waren wir noch fünf Wochen bis zum 1. Oktober im beheizten Freibad Winnweiler.“
Franzmann: „Unser Freibad wurde über zwei Jahre lang saniert, daher fanden in dieser Zeit keinerlei Aktivitäten der DLRG statt. Seit diesem Sommer ist das Freibad wieder geöffnet und es konnten trotz Corona, aufgrund der ,entspannten’ Lage im Sommer, zwei Schwimmkurse mit insgesamt 20 Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren und ein wöchentliches Training angeboten werden. Das Training wurde in drei Altersgruppen angeboten: Altersgruppe fünf und sechs Jahre, Altersgruppe sieben bis elf Jahre und ab 12 Jahren und Erwachsene. Darüber hinaus wurden unterschiedliche Rettungsschwimmabzeichen abgenommen.
Welche Aktivitäten konnten Sie dennoch durchführen?
Krebs: „Eine Mitgliedervollversammlung mit Neuwahlen im Freien mit genügend Abstand, sowie Mitte Dezember einen „2G Weihnachtsspaziergang“ – allerdings ohne Verpflegung und Zusammenkommen danach – das war es leider.
Franzmann: „Wir haben in 2021 Rettungsschwimmerinnen ausgebildet und dazu 15 Mal das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen beurkundet. 20 Mal haben wir das Deutsche Schwimmabzeichen abgenommen. Für Erzieherinnen in den Kindertagesstätten der VG Winnweiler haben wir Trainingseinheiten angeboten zum Erwerb der Rettungsfähigkeit: neun Mal erfolgreich. Ende Oktober haben unsere Schwimmer einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.“
Sie sprechen den Erste-Hilfe-Kurs an. Warum ist dieser so wichtig?
Franzmann: „Grundsätzlich sollte das jeder machen. Für die Schwimmer ist es zudem Voraussetzung, um die Rettungsschwimmabzeichen Silber und Gold erwerben zu können. Schulungsleiter Dominik Fellner von der Firma EHK Fellner aus Würzweiler vermittelte das notwendige Wissen. Herz-Lungen-Wiederbelebung, die stabile Seitenlage, das Anlegen von Druckverbänden und so weiter wurde durch die Teilnehmer anhand von praktischen Beispielen und an Übungspuppen nachvollzogen. Für das nächste Frühjahr ist ein weiterer Kurs geplant, in dem ganz speziell auf die Wasserrettung und Ertrinkungsunfälle eingegangen werden soll.“
Wie ist die Lage über Winter jetzt?
Franzmann: „Das ist ein großes Dilemma. Leider gab es von allen Hallenbädern in der näheren Umgebung eine Absage an uns – zuletzt trotz Kontakt zur neuen Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde (VG) Kirchheimbolanden Frau Wienpahl für das KiboBad. Diese Situation ist sehr unbefriedigend für uns als Ortsgruppe, da es gerade jetzt sinnvoll und wichtig wäre, Schwimmtraining für die Kinder anzubieten. Zumal die Diskussion um ,schwimmen lernen’ gerade in der Corona-Zeit ihren Platz in der Politik und den öffentlichen Medien findet. Leider sind unsere Möglichkeiten an dieser Stelle erschöpft und wir müssen auf die Öffnung des Freibades im nächsten Sommer warten. Besonders prekär ist, dass ,von oben’ propagiert wird, dass die Kinder schwimmen lernen müssen, aber ,von unten’ keine Trainingsmöglichkeiten in den Hallenbädern geboten werden. So sehen sich die Träger der Hallenbäder, wie zum Beispiel die VG Kirchheimbolanden nicht in der Pflicht, Trainingsmöglichkeiten an Vereine zu vergeben, die sich außerhalb der VG befinden. Wir als DLRG-Ortsgruppe Winnweiler haben hier natürlich besonders schlechte Karten, da sich in unserer VG kein Hallenbad befindet.“
Krebs: „Aktuell findet kein Wintertraining statt, da das Hallenbad der Bereitschaftspolizei Enkenbach-Alsenborn noch geschlossen ist. Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2022 wieder dort anfangen können. Im schlechtesten Fall geht es erst mit dem Sommertraining nächstes Jahr im Freibad in Rockenhausen weiter.“