Donnersbergkreis „Diese Hunde sind Alleskönner“
„Bouvier des Flandres“ – eine alte belgische Hunderasse, knuddelig-süß, pechschwarz. Sie ist die große Leidenschaft von Winfried Beyer: Seit 1996 dreht sich im Hause des 64 Jahre alten Bolanders vieles ums Thema Bouvier. Damals bekamen die Beyers ihren ersten. Ein Zufall. Heute steht die Zuchtstätte „Vom Donnersberg“ für große Sorgfalt und ausgezeichnete Bedingungen. Frankreich, Österreich, Kroatien – die Beyer-Bouviers sind verteilt in ganz Europa. Kürzlich kam sein sechster Wurf zur Welt.
„Tikki, komm! Tikki, tikki.“ Winfried Beyer sagt, das funktioniere immer. Auch nach Jahren noch. Ein Ruf, abgespeichert wie auf einer Festplatte, die emotionale Verknüpfung – und das Tier weiß, was es zu tun hat: der Stimme folgen. „Da kommen sie herbei. Selbst ein, zwei Jahre später, wenn sie hier schon weg sind“, erklärt Beyer. Etwas verdattert schlurfen vier putzige Hündchen aus ihrer Hütte. Schläfrig tapsen sie über den Teppich, zur Unterscheidung tragen sie farbige Halsbänder. Gestört beim Mittagsschlaf! Beyer lächelt. „Ja Fenja, das hast du fein gemacht“, lobt er „sein Mädchen“, als es langsam um die Ecke schleicht. Vor gut zwei Monaten entband Fenja die vier Rüden. Ein Bilderbuchwurf, weiß Beyer, „so kompakt, wie die Rasse sein muss“. Der 64-Jährige steht auf seiner Terrasse. Ein bisschen riecht es nach nassem Hund, in einer Ecke steht Cesar Millans Welpenschule, Grundlagenwerk für die Hundeerziehung. Heute ist die offizielle Wurfabnahme. Beyers Rasse, das sind die sogenannten Bouviers des Flandres. Körperbau, Zähne, Augen – alles muss heute untersucht werden. „Eine Fehlstellung ist kein Problem. Aber dann gibt es keine Zuchtlizenz, damit Fehler nicht weitervererbt werden“, meint Beyer. Also der Tag der Wahrheit. Brigitte Lautebach, Zuchtwart im Deutschen Bouvier-Verband, gibt Entwarnung: „Mit dem Wurf bin ich zufrieden. Winfried Beyer bemüht sich stets, gute Hunde zu züchten.“ Es ist der sechste Wurf, den Lautebach bereits begutachtet. Zur Bouvier-Zucht kam Beyer, ehemaliger Polizist, rein zufällig: Aus dem Bekanntenkreis holte er sich 1996 den ersten. Bonnie, ein Weibchen. Die beiden Kinder Anna und Jonas wuchsen mit ihr auf, beschützt habe Bonnie sie, war fast „wie ein Kindermädchen“ – bis sie 2008 bei einem Unglück ums Leben kam. „Ohne Hund wollten wir nicht sein“, blickt der Bolander zurück. Fenja kam – und Beyer, unterstützt von Ehefrau Petra, begann mit der Zucht. „Wir haben gemerkt, welch tolle Veranlagung diese Hunde haben“, schwärmt der Hobbyzüchter. Mittlerweile rieseln fast monatlich Anfragen ins Haus: Aktuell habe er sechs Wünsche für einen Wurf, der noch gar nicht in Aussicht ist. Beyers Bouviers gehen in sämtliche europäische Länder. Gerade erst kam ein Paar 1000 Kilometer aus Kroatien angefahren, um ihren Welpen zu besuchen. Wochen später holten sie ihn dann ab. „Bei mir bekommt nicht jeder einen Hund“, betont Beyer und schiebt nach: „Ich will wissen, warum gerade die Rasse und für was der Hund gebraucht wird.“ Auch Brigitte Lautebach lobt: „Die Bedingungen der Aufzucht hier sind absolut liebevoll.“ Beispiel: statt Industriefutter aus der Dose gibt’s Frischfleisch. Ein Bouvier, sollte man wissen, ist unter Hunden eine Rarität: Pro Kalenderjahr kommen in Deutschland nur etwa 120 zur Welt. Hundeliebhaber reißen sich um die lockig-schwarzen Tiere. Ursprünglich in Belgien zum Treiben von Großvieh sowie als Zugtiere eingesetzt, sind sie heute universell zu gebrauchen. Von wahren „Allroundern“ spricht Beyer. „Hospizdienst, Therapien, Personenschutz, Vielseitigkeitssport – Bouviers sind Alleskönner.“ Sie bellen und haaren nicht, sind zudem wachsam. Für Beyer die perfekte Mischung. „Bouviers haben eine psychologische Begabung. Ob du traurig oder fröhlich bist, sie nehmen die Stimmung auf“, sagt der 64-Jährige – dessen Zuchthündin Fenja übrigens den Championtitel des Verbandes Deutscher Hunderassen trägt und zweimal Silber bei den Deutschen Meisterschaften im Fährtenlesen geholt hat. Beyers Zuchtstätte „Vom Donnersberg“ genießt in der Bouvier-Szene mittlerweile Ansehen weit über deutsche Grenzen hinaus. Züchtet er auch wegen des Geldes? „Niemals“, winkt er ab. „Unsere Hunde gehören zur Familie. Für ihre Fähigkeiten werden sie noch zu günstig verkauft. Da müssten die Züchter mehr Selbstvertrauen haben“, appelliert er. Was ihn etwas fuchst: dass in seinem sechsten Wurf kein Mädchen dabei war, für die Weiterzucht. Fenja darf nach dem achten Lebensjahr nicht mehr. Doch Beyer hat ja auch noch seine Ika, die zweite Zuchthündin.