Donnersbergkreis Die Sprache der Trauer lernen

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„Liebe sterbliche und trotzdem fröhliche Leute“: Der Landauer Theologe Ludwig Burgdörfer, in den 80er Jahren Pfarrer in Gundersweiler, fand zur Eröffnung der Ausstellung „Noch mal leben vor dem Tod“ im Museum Pachen einen leichten, heiteren Ton. Sein Werben, sich einzuüben im „abschiedlich werden“, blieb trotz des „unfassbaren Themas“ dieser Bilder kurzweilig und anrührend zugleich.

So voll hat man das Museum sicher selten erlebt, die Menschen drängten sich dicht an dicht, verteilten sich während der Ansprachen auch noch auf der Treppe oder hörten von der oberen Etage aus zu. Die überlebensgroßen Porträts von Hospiz-Bewohnern vor und kurz nach ihrem Tod – für die Betrachter beim Rundgang Partner in einem stummen Dialog –, sie verschwanden bei der Eröffnung geradezu hinter den vielen Menschen, die Stadtbeigeordneter Gerd Fuhrmann in Vertretung von Bürgermeister Karl-Heinz Seebald im Ausstellungsraum willkommen hieß. „Abschiedlich werden“: Burgdörfer, von seinen Rundfunk-Ansprachen bekannt, rückte Erfahrungen aus der Trauerarbeit in den Blickpunkt, etwa dass die Sprache der Trauer gelernt werden müsse. Oder wie sehr das Urvertrauen, dass nur die anderen sterben, man selbst aber nicht, den Menschen selbst noch im Hospiz, im Angesicht des Sterbens, trägt. Oder dass Todkranke sich weigern sich hinzulegen, weil sie kein Vertrauen haben, sich noch einmal erheben zu können. Zu den Erfahrungen gehöre auch die, dass der Umgang mit Sterben und Tod die Menschen menschlicher mache. Die Frage, was danach kommt, ob man sich „drüben“ wiedersieht, kommt. Ein sterbender Freund habe sie ihm gestellt, er habe es ihm versprochen – aber der wollte die Hand darauf. „Ich habe jetzt eine feste Verabredung dort“, schmunzelte Burgdörfer und ermunterte die Betrachter, vor den Bildern „nicht zu Tode zu erschrecken – das ewige Leben fängt hier an“. Die Ausstellungsmacher, die „Spiegel“-Redakteurin Beate Lakotta und den Fotografen Walter Schels, setzte Ruprecht Beuter von der Evangelischen Arbeitsstelle Nordpfalz mit einem Interview in Szene. Die eigene Angst vorm Sterben in ihrer von einem großen Altersunterschied geprägten Lebenspartnerschaft bekannten sie als Ausgangspunkt, sich dem Thema mit Bildern Sterbender vor und nach ihrem Tod zu nähern, um so eigene Ängste zu überwinden. Zu überwinden war ebenso die Befangenheit, mit diesem Anliegen auf die Menschen zuzugehen. Der Ausstellungstitel „Noch mal leben vor dem Tod“ sei ein Zitat einer Hospiz-Mitarbeiterin. „Die Zeit im Hospiz ist noch eine Zeit des Lebens“, sagt Beate Lakotta, die das Hospiz gegen alle Erwartung nicht als traurigen Ort erfahren hat, sondern als einen, wo intensiv gelebt wird und wo trotz alltäglichen Sterbens niemand in „verschmockter Weise pietätvoll“ sei. Die Bilder wiederum mit den Geschichten zu jedem einzelnen zeigten, wie sehr jeder Mensch ein Universum sei und ein Modell für uns selbst, so Walter Schels. Den Dank des Hospizdienstes und seines Fördervereins – die Ausstellung ist Teil der Veranstaltungsreihe zu dessen zehntem Jubiläum – brachte Pfarrerin Birgit Rummer gegenüber allen Beteiligten zum Ausdruck. Die Ausstellung helfe, den Menschen die Angst zu nehmen, die im Hospizdienst jene begleiten, die gehen müssen. (bke) Kurz-Info: Die Ausstellung „Noch mal leben vor dem Tod“ ist bis 15. November im Museum Pachen zu sehen.

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