Donnersberger Echo
Die Reize der Nordpfalz: Ein Bayer am Donnersberg
Am Samstag ist ein emotionaler Tag für mich. Nein, ausnahmsweise hat’s mal nix mit „meinem“ FCK zu tun. Der war schon vorigen Sonntag dran: Falls Sie in oder um Rockenhausen unterwegs gewesen sind und es gegen 15.30 Uhr haben laut rumpeln hören: Das waren die Steine, die mir (und sicher vielen anderen) vom Herzen fielen, als feststand, dass die Roten Teufel dank Braunschweiger Schützenhilfe auch nächste Saison zweitklassig bleiben.
Dieses Wochenende gibt’s in meiner Familie wieder etwas zu feiern, was mich – man höre und staune – sogar noch mehr freut: Unsere ältere Tochter und ihr Verlobter heiraten. Na und, werden manche sagen, unsere Kinder hatten auch schon Hochzeit. Ich schreibe das deshalb, weil die Geschichte der Beiden gut zu den Ergebnissen der RHEINPFALZ-Telefonumfrage passt. Demnach blicken 64 Prozent der Donnersberger „etwas“ oder „sehr optimistisch“ in die Zukunft. Das überrascht auf den ersten Blick, wird unsere Region doch oft mit Begriffen wie rückständig, abgehängt oder strukturschwach charakterisiert.
Münchner mit in die Nordpfalz gebracht
Jedenfalls teilt das Brautpaar die positive Einschätzung. Das ist nicht selbstverständlich, weil mein Schwiegersohn (ab heute kann ich das „in spe“ endlich weglassen) gebürtiger Münchner ist. Besser gesagt – darauf legt er Wert – ein Putzbrunner, wie die Bewohner der südöstlich der Stadtgrenze gelegenen Gemeinde heißen. Kennengelernt haben sich die zwei während des Studiums unserer Tochter in München. Als fertige Tierärztin ist sie vor rund zwei Jahren in die Nordpfalz zurückgekehrt – und hat ihren Lebensgefährten mitgebracht.
Die Reaktion in unserem Bekanntenkreis war fast immer die gleiche – ungläubiges Staunen und die Frage: „Was? Der is aus Münche mit doher kumm? Freiwillich???“ Er selbst hat das so ausgedrückt: „Es war von Anfang an klar, dass sie nach dem Studium zurück in die Pfalz geht – ich wusste also, wenn unsere Beziehung eine Chance haben soll ...“ Was zweierlei zeigt: Erstens wie groß ihre Liebe (natürlich von beiden Seiten!) ist, zweitens die Heimatverbundenheit unserer Tochter – die in der Großstadt super zurechtkam, dort eine zweite Familie fand, aber nach eigenen Worten nun mal „e Roggehaiser Mädche“ ist.
Etliche Junge bleiben hier – oder kommen zurück
Das macht uns als Eltern froh und stolz, ist aber nach meiner Wahrnehmung kein Einzelfall mehr. Es scheint, als drängt es spätestens seit Corona die junge Generation nicht mehr mit Gewalt in die weite Welt hinaus – oder sie kommt nach gewisser Zeit gerne wieder zurück. Da spielen sicher die in der Pandemie geänderten Arbeitsbedingungen – Stichwort Homeoffice – eine Rolle. Auch unser im Softwarebereich als Kundenbetreuer tätiger Schwiegersohn ist weiterhin bei einem Unternehmen in München beschäftigt, kann aber überwiegend von hier aus arbeiten – was für ihn „purer Luxus“ sei. Möglich ist dies nur mit gutem Internet: Das in Rockenhausen ist für ihn „absolut ausreichend“.
Generell gilt: Unsere Landschaft kann so schön sein wie sie will – Neubürger siedeln sich nur an, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: DSL, Kitaplätze („Freunde in München können ihre Kinder teils erst mit vier, fünf Jahren in die Kita geben, weil sie vorher keinen Platz bekommen – das ist hier viel besser“), Wohnraum, Verkehrsanbindungen, allen voran – auch das hat die Umfrage gezeigt – eine gute Gesundheitsversorgung. Dafür zu sorgen, ist Sache der Politik – das richtige Personal auszuwählen, ist am 9. Juni Sache der Bürger, die von dem Recht unbedingt Gebrauch machen sollten! Dass sich bei den genannten Punkten in den letzten Jahren einiges getan hat, zeigt sich etwa an einem zumindest in Teilen des Kreises zu verzeichnenden Bevölkerungszuwachs.
Die Nordpfalz bietet Entschleunigung
Damit schließt sich der Kreis zum Brautpaar: Klar ist meinem Schwiegersohn der Abschied von Freunden und Familie schwer gefallen. Aber – das betont er – die Entscheidung „war nach Abwägen aller Vor- und Nachteile für uns völlig logisch“. In München wie hier in einem Haus mit Hof und Garten zu leben, käme finanziellem Selbstmord gleich. Die Natur vor der Haustür für Spaziergänge mit dem Hund sei traumhaft. Vor allem eines biete ihm unsere Region gegenüber der hektischen, vollen Großstadt: „Entschleunigung“. Was auch den Menschen zu verdanken sei: Diese erlebe er als „bodenständig, ehrlich und mit beiden Beinen im Leben stehend“.
Auch die Münchner seien nett und aufgeschlossen. „Aber wenn du dort in eine volle Kneipe kommst, rücken die Gäste nur zusammen, wenn sie dich kennen. Hier machen sie dir auch Platz, wenn du ein Fremder bist.“ Diese Mentalität habe dazu geführt, „dass ich mich von Beginn an hier aufgehoben fühle. Rockenhausen ist für mich in kurzer Zeit Heimat geworden.“ Anders gesagt: Er und unsere Tochter sind rundum zufrieden hier – Zufriedenheit und Optimismus sind aber zwei Seiten derselben Medaille. Als (Schwieger-)Eltern wünschen wir ihnen alles Glück der Welt – besser gesagt alles Glück der Nordpfalz!
Hochzeit und Pokalsieg: doppelte Freudentränen?
Übrigens: Heute findet die standesamtliche, nächsten Samstag die „große“ Trauung statt. Und was ist noch am 25. Mai? Richtig, der FCK steht im Pokalfinale! Gegen die Unbesiegbaren von Bayer Leverkusen sind die Chancen zwar äußerst gering – aber ich nehme mir mal ein Beispiel an den Donnersbergern und bin optimistisch. Wer weiß, vielleicht habe ich dann ja zweimal Grund zu Freudentränen ...
Ich wünsche Ihnen ein schönes Pfingstwochenende voller Zuversicht!