Donnersbergkreis Die Macher klarer Ansagen in Sydney

91-73875722.jpg

Während andere Kinder auf dem Bolzplatz gespielt haben, hat der kleine Donald Dilocker im Wald Kabel verlegt und mit ausgedienten Elektrogeräten versucht, eine Leitung zum Senden und Empfangen von Signalen aufzubauen. „Schon als Kind hat mich die Technik rund um Kommunikation fasziniert“, sagt der heute 59-Jährige. Dass er in seinem Leben irgendwann mal beim englischen Rundfunksender BBC oder dem Bolshoi Theater in Moskau für den richtigen Ton sorgen würde, hatte er in den kühnsten Träumen nicht gedacht. Genau das tut der Göllheimer aber heute – mit seiner Firma Delec Audio- und Videotechnik GmbH, die sich im April vorigen Jahres im Eisenberger Industriegebiet Süd niedergelassen hat: im früheren Gebäude der Firma Solarkraftwerke Kasper. Insgesamt 15 Mitarbeiter sind für Delec tätig: vorwiegend Ingenieure. Übrigens: Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung sucht Delec derzeit noch weitere Entwickler. In diesem Jahr wird mit einem Umsatz von etwa drei Millionen Euro gerechnet. Über 80 Prozent davon erwirtschaftet Delec mit dem Export ihrer Kommunikationstechnik ins Ausland. Mit der begründeten Aussicht auf weitere Aufträge, informiert Geschäftsführer Norbert Schömel. Etwa über den Auftrag zur Ausstattung der Turner Studios, einem Filmproduzenten Atlanta (USA). Damit hat Delec erstmals auf dem schwierigen nordamerikanischen Markt den Fuß in der Tür. Andere namhafte US-Studios beobachten die Arbeit der deutschen Experten in Sachen digitaler Kommunikationstechnik und Kommandoanlagen in Atlanta seitdem ganz genau, so Schömel. Ins Reich der Science fiction gehört die Möglichkeit also nicht, dass sich in Zukunft auch Studios aus Hollywood in Eisenberg melden. Zumal sich Delec bereits bei der Ausstattung der Studios der englischen Rundfunkanstalt BBC einen Namen bei Rundfunk und Fernsehen gemacht hat. Bei der ein Jahr dauernden weltweiten Ausschreibung hatte schließlich Delec die Nase vorn, hat seit 2003 fast zehn Jahre lang die interne Kommunikationstechnik für die Runderneuerung der weltweiten Sendezentrale der BBC in London (und dann auch Manchester) entwickelt: nach Delec-Angaben eine der weltweit größten Intercom-Anlagen überhaupt. Weitere Nutzer der Eisenberger Technik sind unter anderem der Bayrische Rundfunk und Radio Vatikan. Intercom-Anlagen sind Grundlage jeder Film- oder Rundfunk-Produktion. Gemeint ist damit die direkte, verständliche Kommunikation aller an der Produktion Beteiligten untereinander, etwa die Verbindung zwischen Übertragungswagen zum Kameramann oder im Studio von der Regie zum Tontechniker: sozusagen die Technik von der Kommandozentrale des Produktionsleiters bis zum Knopf im Ohr des Moderators. „Auf diesem hoch spezialisierten Marktsegment gibt es weltweit nur vier namhafte Firmen. Und eine davon sind wir“, sagt Delec-Firmengründer Dilocker stolz. Ihr Know-how der internen Kommunikation verkaufen die Eisenberger aber nicht nur für Rundfunk und Fernsehen, sondern auch für Theater und Konzerthäuser. Auch hier muss die Verständigung aller Akteure untereinander für eine reibungslose Aufführung klappen. So hält der Inspizient nicht nur Kontakt auf die Bühne oder zum Dirigenten, sondern auch zu den Schauspielern in Kantine und Umkleideräumen oder zum Kulissenschieber. Auch hier sorgt Delec, seit 2002 ein Unternehmen der weltweit in Audiotechnik agierenden Salzbrenner Stagetec Mediagroup, für den „guten Ton untereinander“. Etwa bei Aufführungen im Staatstheater Mainz, aber auch im Bolshoi Theater in Moskau. Neuestes – und derzeit besonders erfolgreiches – Standbein der Eisenberger sind Rufanlagen, die für Durchsagen in größeren Hallen oder Plätzen gebraucht werden, so an Flugplätzen, Bahnhöfen oder Wartehallen. Den dicksten Fisch in diesem Marktsegment hat Delec im australischen Sydney an Land gezogen – dort haben sie übrigens auch das Opernhaus audiotechnisch bestückt. Aufgrund eines neuen Gesetzes im Bundesstaat New South Wales müssen Durchsagen an öffentlichen Plätzen im höchsten Grad verständlich sein. Um den weltweit besten Technik-Anbieter zu finden, wurden in Sydney extra zwei Testbahnhöfe errichtet, in denen die Durchsagequalität geprüft werden konnte. Delec setzte sich vor drei Jahren gegen die australische Konkurrenz durch und stattet nun in den nächsten fünf Jahren etwa 380 S-Bahnhöfe in Sydney mit Rufanlagen aus. Schömel: „Mit der Tonqualität von Durchsagen in deutschen Bahnhöfen oder Flughäfen ist das ganz und gar nicht vergleichbar. Das ist einfach eine ganz andere Hör-Dimension.“ Da geht es nicht nur um so profane technische Hilfsmittel wie Tonfilter, die ein Knacken und Rauschen verhindern. So fließt in die Technik auch die Berechnung der Schallwellen mit ein, damit die Tonsignale aus den unterschiedlich weit entfernten Lautsprechern exakt zum gleichen Zeitpunkt das Ohr erreichen. Durch eine integrierte Verzögerung der Signalgebung legt sich praktisch eine einheitliche Wellenfront über den gesamten Bahnsteig. Wenn Firmengründer Dilocker physikalische Probleme und technische Lösung erläutert, kann man sich gut vorstellen, wie er als Junge mit ausgedienten Elektrogeräten im Wald experimentiert hat. Damals wie heute Thema: Kommunikation. Und die möglichst glasklar.

x