Donnersbergkreis Die Kräfte der Region bündeln

Placeholder-Image

Der Landkreis wird, zunächst für die Jahre 2014 bis 2016, den Verein „Zukunftsregion Westpfalz“ verstärkt finanziell fördern. Einer jährlichen Unterstützung in Höhe von 12.000 Euro gab der Kreisausschuss am Dienstag seine Zustimmung, wobei der Kreis im sich abzeichnenden Fachkräftemangel für sich ein bedeutendes Schwerpunktthema in der Arbeit des Vereins sieht.

Werner erinnerte daran, dass der Kreis 2012 dem Verein beigetreten ist. Dessen Ziel sei es, den Lebens- und Wirtschaftsstandort Westpfalz fit zu machen durch Nutzung aller in ihm verfügbaren Kompetenzen. Er sollte das stärkste Netzwerk in der Region sein, dem Kreis könne durch seine Nähe zu den Regionen Rhein-Main und Rhein-Neckar die Rolle eines Scharniers zwischen den Wirtschaftsräumen zukommen. Bislang zahle der Kreis nur den Jahresbeitrag in Höhe von 750 Euro. Die 12.000 Euro seien für den Haushalt keine Zusatzbelastung, da der Mitgliedsbeitrag für den Verein „Naturpark Pfälzerwald“ nach der Übernahme dieser Aufgabe durch den Bezirkstag entfalle. Von 13 Gründungsmitgliedern im April 2012 aus der Taufe gehoben, gehörten dem Verein inzwischen 163 Mitglieder an, informierte dessen Vorsitzender Ludger Müller, Geschäftsführer der MP Beteiligungs-GmbH, den Ausschuss. Unter den Mitgliedern seien 94 Unternehmen - aus dem Landkreis etwa Borg Warner, Mobotix oder die Sparkasse Donnersberg. Weiterhin seien 26 Verbände und Kammern sowie alle kreisfreien Städte, Landkreise, viele Verbandsgemeinden, fast alle wissenschaftlichen Einrichtungen, große Vereine wie der 1. FCK und Einzelpersonen unter den Mitgliedern. Der Verein unterhalte eine kleine Geschäftsstelle in Kaiserslautern. Ein 31-köpfiges Kuratorium setze sich überwiegend aus Bürgermeistern und Landräten der Region zusammen. Ziel sei es, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft bei Themen zusammenzubringen, die die Region fördern, aber nicht in einem dieser Bereiche allein gelöst werden können, so Müller. Es gehe darum, die Kräfte der Region zu bündeln. Als aktuelles Beispiel nannte Müller das Vorhaben, kostenloses W-Lan in pfälzischen Städten zu ermöglichen, dafür soll ein Pilotprojekt in Kusel, Pirmasens und Kaiserslautern starten. Ein anderes Ziel sieht Müller darin, in Kaiserslautern eine internationale Schule anzusiedeln, voraussichtlich werde das eine Zweigstelle der internationalen Schule in Neustadt sein. Ein solches Angebot sei wichtig für international aufgestellte Großbetriebe, die auf Mitarbeiter aus anderen Nationen angewiesen seien. Die Problematik der Westpfalz auch im Hinblick auf die Rekrutierung von Fach- und Führungskräften verdeutlichte Müller mit einigen Zahlen. So werde die Bevölkerung der Westpfalz von derzeit 500.000 Menschen in den nächsten 15 Jahren auf 460.000, bis 2060 sogar auf 367.000 zurückgehen. „Diese Situation ist nicht erfreulich“, merkte er an, sie stelle Probleme hinsichtlich der Auslastung der Infrastruktur, vor allem aber in der Frage, wie die Region attraktiv genug werde, um Fach- und Führungskräfte binden und anziehen zu können. Die Region habe indes als ländlich strukturierter Raum in reizvoller Landschaft mit mehreren attraktiven Ballungszentren in unmittelbarer Nähe viele Pluspunkte. Wer in Hamburg am Stadtrand wohne, brauche für eine Fahrt ins Theater länger als jemand in der Pfalz, der zudem wählen könne zwischen Saarbrücken, Frankfurt, Mainz/Wiesbaden, Kaiserslautern, Mannheim/Ludwigshafen. Auffällig sei, dass bei Umfragen die Westpfalz von den Einheimischen selbst schlechter bewertet werde als von Auswärtigen, so Müller. Während sich Nachbarregionen längst organisiert hätten, sei der Anstoß dazu für die Westpfalz erst vor vier Jahren gekommen. Die Gründung des Vereins sei erforderlich gewesen, um für Nachbarn wie die Metropolregion Rhein-Neckar Ansprechpartner auf Augenhöhe sein zu können, erläuterte Müller. Inzwischen seien auch Kooperationsvereinbarungen abgeschlossen worden. Der Verein finanziere sich aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, Zuschüssen für Einzelprojekte, vor allem aber durch eine jährliche Zuwendung der IHK in Höhe von 300.000 Euro – für die sich die Kammer ein größeres Engagement von kommunaler Seite wünsche. In der Diskussion war die verstärkte Förderung des Vereins durch den Kreis unstrittig. „Wir sollten das auf jeden Fall aufbringen“, strich Rudolf Jacob (CDU) heraus, das gebiete auch die Haltung der IHK. Er begrüßte, dass in dieser Organisation mehrheitlich die regionale Wirtschaft präsent sei, bisherige Initiativen vergleichbarer Art wären eher von der kommunalen Seite getragen worden. Zu Christian Ritzmanns (FDP) Frage, ob über Leader oder ähnliche EU-Programme Fördermittel reingeholt werden könnte, verwies Hans-Günther Clev – Leitender Planer der Planungsgemeinschaft Westpfalz und Geschäftsführer der Zukunftsregion – auf die Begrenzung der Leader-Förderung auf Teilregionen, für lokal begrenzte Projekte seien Förderungen denkbar, nicht aber für die Gesamtregion Westpfalz. Grenzübergreifende Zusammenarbeit sei selbstverständlich, wo gewachsene Verbindungen wie etwa die zwischen Zellertal und Rheinhessen das ohnehin nahelege, so Clev auf eine weitere Frage. (bke/Archivfoto: Gall)

x