Donnersbergkreis Die Eisbrecherin

Liebt das Tanzen und Schwimmen: die zehnjährige Hannah Röß aus Steinbach.
Liebt das Tanzen und Schwimmen: die zehnjährige Hannah Röß aus Steinbach.

Für viele Familien ist es zunächst einmal ein Schock, wenn ein Kind mit der Diagnose Down-Syndrom zur Welt kommt. Doch wie wunderbar ein Leben damit sein kann, zeigt eine Ausstellung, die derzeit in der Kreisverwaltung und dem Westpfalz-Klinikum in Kirchheimbolanden zu sehen ist. Wir haben uns diese von der zehnjährigen Hannah zeigen lassen – einem Mädchen aus Steinbach mit Down-Syndrom.

„Hannah – Ein Lächeln das alle ansteckt.“ Nein, bei dieser Bildtafel handelt es sich nicht um Hannah Röß. Und dennoch könnte dieser Titel auch für die junge Steinbacherin gelten. Da die zehnjährige Hannah die zwölfjährige Namensvetterin kennt, führt der Weg des Mädchens eben auch direkt zu diesen Bildern. „Die pure Lust am Leben“: So lautet der Titel der Ausstellung. Die Idee dazu hatten die Gruppe „Down-Town 21“ und die Junge Lebenshilfe Westpfalz (Jule), wie Hannahs Mutter Susanne erzählt. Die von Markus Nagy konzipierte Schau zeigt Menschen mit Down-Syndrom mit ihren Familien, Freunden und Mitbewohnern. Die Nachricht an Heiligabend Wie etwa die zweijährige Malina. Hannah kennt auch das Mädchen. Eine kleine Künstlerin, wie auf der Bildtafel steht. „Obwohl es zunächst schwierig war, die Diagnose Trisomie 21 zu begreifen, und der Weg manchmal ein steiniger ist, ist Malina eine Bereicherung für ihre Umwelt“, ist dort weiter zu lesen. Worte, die Susanne Röß sehr gut nachvollziehen kann. Hannah kam kurz vor Weihnachten in Kirchheimbolanden zur Welt. An Heiligabend haben die Eltern dann die Diagnose erhalten. „Wir haben uns relativ schnell damit abgefunden. Hannah ist ja organisch kerngesund“, sagt Susanne Röß. Und doch: Auch nach zehn Jahren sei es noch schwierig. Dabei habe man versucht, mit Hannah das Gleiche zu machen, wie mit anderen Kindern auch. Und wer mit Hannah redet, der merkt schnell: Sie ist eine Eisbrecherin. Sie plaudert davon, dass sie gerne tanzt – was sie am Sonntag beim Bierwochen-Umzug als Teil der „Rock-Funken“ des Karnevalvereins „RoHau“ aus Rockenhausen zeigte. Sie spielt gerne mit Freunden, besucht die Grundschule in Dannenfels und ist eine begeisterte Schwimmerin. Doch auch da sind die Eltern an Grenzen gestoßen. Sie haben niemanden gefunden, der Hannah in einem Schwimmkurs aufnehmen wollte. Dinge, die das Mädchen beschäftigen. „Sie fragt nach, warum sie keinen Schwimmkurs machen darf. Das können wir ihr leider auch nicht erklären“, erzählt Susanne Röß. Umso glücklicher ist Hannah, dass sie in Steinbach Klavierunterricht erhält. „Das ist dann ihr Ding, das sie alleine machen kann“, sagt die Mutter. Stolz ist Hannah auf das Seepferdchen, das sie geschafft hat. Und aufgeregt ist sie, weil sie bald zu Mark Forster zu einem Konzert darf. Sie ist großer Fan des aus Winnweiler stammenden Popstars. Ach ja: Schweine haben es der Zehnjährigen auch angetan, wie sie erzählt. Kein Mädchen für Streit Außerdem liebt sie das italienische Nudelgericht Combinazione. Und wie ist es daheim, gibt es da mit den Geschwistern Frida (7) und Mats (4) auch mal Krach? „Mit Hannah kann man sich nicht streiten“, sagt die Mama – und schiebt nach: „Wir sind auch nicht die Typen, die mit erhobenem Zeigefinger kommen. Kinder haben ein gutes Gespür.“ Das gilt auch für Hannah. Die gibt jetzt mal das Signal, dass es genug ist mit dem Plaudern über persönliche Vorlieben und es weiter geht zur nächsten Bildtafel – eine, auf der es um eine ganz besondere Wohngemeinschaft geht. Deren Mitglied ist die 28-jährige Kathrin. Eine große Freundin von Hannah, wie das Mädchen berichtet. „Mit Freunden geht sie gerne in die Stadt bummeln oder Feste feiern. Sie liebt es, wenn sie Besuch bekommt oder gemeinsam mit ihren WG-Mitbewohnern kocht“, steht auf der Tafel über Kathrin. Sogar in der Hauptstadt Die Menschen, die für die Ausstellung fotografiert wurden, kommen aus dem Raum Kaiserslautern, aber auch aus dem Donnersbergkreis. Die Ausstellung wurde eigentlich für den Welt-Down-Syndrom-Tag entwickelt (21. März) und war in der Veranstaltungshalle der Gartenschau zu sehen. Dort wurde sie zu einem großen Erfolg, und so entstand die Idee, sie auch an anderen Orten zu zeigen – in Kirchheimbolanden noch bis zum 29. Juni im Westpfalz-Klinikum und in der Kreisverwaltung. Im Oktober wird sie sogar beim Fest zum Tag der Deutschen Einheit in Berlin aufgebaut. Hannah wird dann sogar in der Bundeshauptstadt zu sehen sein. Denn auch das Steinbacher Mädchen ist auf einer Bildtafel zu sehen. Und ihrer Mutter wäre es lieb, wenn Menschen mit Down-Syndrom oder auch anderen Beeinträchtigungen einmal ein ganz selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wären. „Aber da brauchen wir noch ein, zwei Generationen, bis es normal ist.“ Hannah hat derweil genügend Bilder gezeigt. Bei dem warmen Wetter locken verständlicherweise jetzt auch andere Dinge: das Schwimmbecken bei Oma und noch ein Eis.

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