Donnersbergkreis Die doppelte Ehrung

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Erwachsene geben Kindern gerne bestimmte goldene Regeln mit auf den Lebensweg. Beispielsweise immer ehrlich zu sein. Oder Dinge gleich zu erledigen. Eine weitere besagt, zu seinen Fehlern zu stehen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Nun tun sich die Großen bekanntlich nicht immer leicht damit, die von ihnen propagierten Weisheiten selbst zu befolgen. Das gilt gerade für Letztgenannte: Wer gibt schon gerne ohne Umschweife zu, einen Fehler begangen zu haben, statt nach irgendwelchen Ausflüchten zu suchen. Wie man offensiv und ohne Zögern mit einem Missgeschick umgehen kann, hat das Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler in der vorigen Woche gezeigt. Traditionell ehrt der WEG-Förderkreis die besten Schülerinnen und Schüler der einzelnen Klassen in der Unter- und Mittelstufe sowie die Jahrgangsbesten in der Oberstufe mit einem Büchergutschein – inklusive Foto und Bericht in der Presse. Ausschlaggebend ist jeweils der Notendurchschnitt im Zeugnis am Ende des vergangenen Schuljahres. Die jüngste Auszeichnung ist vor knapp zwei Wochen am Tag der offenen Tür des Gymnasiums vorgenommen worden. Helmut Mayer, Vorsitzender des „Vereins der Freunde des WEG“, hat die Preise verteilt, es wurden Bilder geschossen – so weit, so normal. Nur wenige Tage später hat dann die Schule allerdings einen Hinweis erhalten, dass bei der Preisvergabe möglicherweise etwas schief gelaufen ist: Ein Kind, das im vorigen Schuljahr das beste Zeugnis seiner Klasse erhalten hatte, sei offenbar vergessen worden. Schulleiter Ralf Schäfer hätte es sich einfach machen und diese Ehrung im stillen Kämmerlein nachholen können – das wäre nicht groß aufgefallen und die Sache damit erledigt gewesen. Doch er hat anders reagiert und sich gesagt: Wo ein Fehler passiert ist, könnte es weitere gegeben haben – daher hat Schäfer nochmals alle Notendurchschnitte des Vorjahres überprüfen lassen. Ergebnis: In vier Fällen hat das Computerprogramm den Schüler mit dem zweitbesten Zeugnis als vermeintlichen Klassensieger ermittelt – wobei, wie das WEG betont, der Unterschied zwischen Platz eins und zwei jeweils sehr gering gewesen ist. Die Schulleitung hat nun vor der Frage gestanden, wie diese Kuh am besten vom Eis zu bringen ist. Zumal die Veröffentlichung des Fotos mit den Preisträgern zwar in der RHEINPFALZ, nicht mehr jedoch in Wochenblatt und Winnweilerer Rundschau zu stoppen gewesen ist. Die Schulleitung hat dann das einzig Richtige getan und den Fauxpas offen kommuniziert. Von Anfang an ist klar gewesen, dass keiner der bereits ausgezeichneten Schüler den Preis wieder abgeben muss – schließlich haben auch sie im vergangenen Schuljahr hervorragende Leistungen erbracht und diese Auszeichnung absolut verdient. Die vier „Vergessenen“ sind dann zu einer zweiten Feierstunde eingeladen worden. Wieder wurden Preise verteilt und Bilder geschossen, wieder hat Schäfer die Freude betont, die mit Lernen und Lernerfolgen verbunden sei – dafür seien die Klassen- und Jahrgangsbesten (und natürlich auch die Zweitbesten) am WEG gute Beispiele. Und wieder hat Helmut Mayer hervorgehoben, dass es ein Anliegen des Fördervereins sei, diejenigen Schüler zu belohnen, die durch gute Leistungen herausragen – sie und ihre Klassenkameraden sollten auf diese Weise weiterhin zu Fleiß und Lerneifer motiviert werden. So gesehen hat es bei dem Missgeschick nur Gewinner gegeben: Es haben mehr Schüler als sonst einen Büchergutschein erhalten – und das „Krisenmanagement“ am Wilhelm-Erb-Gymnasium hat einwandfrei funktioniert. Nur der Förderkreis hat ein wenig tiefer als sonst in die Vereinsschatulle greifen müssen. Aber die Verantwortlichen werden sicher Verständnis dafür haben. Denn außergewöhnliche Situationen erfordern bekanntlich außergewöhnliche Maßnahmen. Noch so eine Regel ... Die Preisträger In alphabetischer Reihenfolge: Daniel Bohlander, Jannik Brack, Juliane Denzer, Selina Feth, Raphael Gaedtke, Lara-Sophie Geib, Elena Hartmann, Julian Herrgen, Luisa Kirch, Lilli Knoll, Ann-Christine Lampe, Marcel Mork, Paula Müller, Lisa Pfundstein, Elena Ritzmann, Mariam Rogge, Viktor Schäfer, Georg Schaf, Leonie Scheidt, Anna-Lena Schneider, Luisa Theilmann, Lara Wilbert, Lena Willenbacher, Luisa Ziepser, Lena Zuspann. Einen Sonderpreis erhielt Kancho Kavardzhikov-Petrov: Er ist im Sommer 2014 ohne Deutsch-Kenntnisse ans Wilhelm-Erb-Gymnasium gekommen – mittlerweile zählt er schon zu den besten Schülern seiner Klasse.

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