Donnersbergkreis Deutschlandpremiere im Eistal macht bald Schule
Genau morgen vor 25 Jahren, am 26. Mai 1994, war Eisenberg Schauplatz einer Deutschlandpremiere. Zum ersten Mal wurde eine stillgelegte Bahnstrecke für den Personenverkehr reaktiviert. Dieses Ereignis hatte eine teilweise abenteuerliche Vorgeschichte. Am Morgen des 26. Mai saß Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) in seinem Mainzer Ministerium und wusste immer noch nicht, ob der Eröffnungszug ab Eisenberg fahren würde oder nicht. Erst ein Telefonat mit einem führenden Manager der Deutschen Bahn (DB), dem Brüderle ein Platzen der Veranstaltung als für die Bahn wenig vorteilhaftes Szenario darstellte, brachte schließlich den definitiven Durchbruch. Duo Kuchenbecker-Schreiner Dass von den diversen Projekten für die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken, die es in Deutschland damals schon seit Jahren gab, gerade Grünstadt–Eisenberg als erstes Wirklichkeit wurde, war vor allem das Verdienst von zwei Personen. Zum einen von Karl-Geert Kuchenbecker, Leiter der Verkehrsabteilung im Mainzer Wirtschaftsministerium, zum anderen von Werner Schreiner, den das Land damals als regionalen Experten für den Aufbau des Rheinland-Pfalz-Takts engagiert hatte. Schreiner spielte hier schon eine Schlüsselrolle, obwohl er erst später als erster Direktor des für den regionalen Schienenverkehr zuständigen Zweckverbands offiziell verantwortlich wurde. Mit einer Kombination aus originellen Ideen und zielgerichtetem Pragmatismus fand Schreiner Lösungen für alle Probleme wie etwa die für die Reaktivierung erforderliche Besetzung des Stellwerks im Nordkopf des Grünstadter Bahnhofs. Brüderle macht der Bahn Dampf Bei der DB hatten damals die kooperativen Kräfte intern einen schweren Stand. Für manch altgedienten Bundesbahner, der an Stilllegungen und Rückzug gewohnt war, wirkte die Vorstellung, eine stillgelegte Strecke zu reaktivieren, ungeheuerlich. Dass diese Widerstände überwunden wurden, war vor allem das Verdienst von Kuchenbecker, der mit der Rückendeckung von Minister Brüderle der DB mit teilweise recht unkonventionellen Methoden Dampf machte. Nachdem es in letzter Sekunde tatsächlich gelungen war, alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, ging kurz vor der Abfahrt des Eröffnungszuges in Eisenberg der damalige DB-Personenverkehrschef Heinz Neuhaus öffentlich in Sack und Asche. DB-Manager kleinlaut Neuhaus räumte ein, dass die Bahn „nicht die schnellste in dem Spurt“ gewesen sei, der zur termingerechten Reaktivierung der Strecke nötig war und fügte an die Adresse der Kommunalpolitiker an: „Ganz, ganz herzlichen Dank und Bravo den Vertretern der hiesigen Kommunen, die sich durch nichts, auch nicht durch die anfangs zögernde Bahn haben entmutigen lassen.“ Zu den mit Recht gelobten Kommunalpolitikern gehörten besonders die beiden Landräte Winfried Werner und Georg Kalbfuß (beide SPD). Die Beschlüsse in den Kreistagen und Gemeindeparlamenten, mit denen sich Kreise und Kommunen an den Kosten der Reaktivierung beteiligten, wurden überall von einem breiten Konsens getragen – mit Ausnahme des Sonderfalls Mertesheim, wo es nur eine knappe Mehrheit gab, für die CDU-Ortsbürgermeister Gerhart Schreiner und die SPD-Ratsfraktion kooperierten. Am 26. Mai 1994 fuhr lediglich ein Sonderzug für geladene Gäste nach Neustadt zur Auftaktveranstaltung des Rheinland-Pfalz-Takts. Am 28. Mai gab es zum Eisenberger Fußgängerzonenfest Sonderzüge für das breite Publikum, einen Tag später begann mit dem Fahrplanwechsel am 29. Mai der reguläre Betrieb mit Zügen im Stundentakt, die fast alle nicht nur von Eisenberg nach Grünstadt, sondern weiter nach Frankenthal fuhren. Dort gab es direkten Anschluss zum ICE-Knoten Mannheim. So war man von Eisenberg aus mit dem Zug „in einer Stunde am Intercity-Netz“, wie es der damalige Eisenberger FWG-Chef Willmuth Klausing in einer Stadtratssitzung formulierte. Die positiven Erfahrungen mit der reaktivierten Strecke führten dazu, dass schon ein Jahr später auch der Abschnitt von Eisenberg nach Ramsen wieder in Betrieb genommen wurde. Im August 2001 folgte dann auch noch die Reaktivierung des Abschnitts von Ramsen zum Eiswoog. Überraschung mit gültigem Ticket Am Eiswoog hat der für den regionalen Schienenverkehr zuständige Zweckverband in Kaiserslautern für morgen zur Feier des Jubiläums eine kleine Überraschung in der Nähe des Seehauses Forelle angekündigt. Es genügt dafür die Vorlage einer gültigen Bahnfahrkarte. Das kann auch eine Jahreskarte des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar (VRN) wie eine Karte ab 60 oder ein Maxx-Ticket sein. Ab Eisenberg fahren die Züge zum Eiswoog stündlich ab 9.45 Uhr bis 18.45 Uhr, zurück vom Eiswoog stündlich von 10.01 Uhr bis 19.01 Uhr.