Donnersbergkreis Der Wechsel und seine Folgen
«Kaiserslautern.» Einen Aderlass erlebt die Schauspielsparte des Pfalztheaters zum Ende der laufenden Spielzeit. Gleich sechs Akteure verlassen das Haus und damit fast die Hälfte des 14-köpfigen Ensembles. Alle gehen dabei auf eigenen Wunsch und alle durchaus im Guten, wie Schauspielchef Harald Demmer im RHEINPFALZ-Gespräch anmerkt.
Selten hat das Haus in seiner Schauspielsparte so viele Abgänge zum Saisonende zu verzeichnen wie dieses Mal. „Es tut mir um jeden leid“, bekennt der Schauspielchef, der nun auch schon die sechste Spielzeit am Kaiserslauterer Musentempel tätig ist. Die Gründe seien durchaus verschieden. Dass allen voran Daniel Mutlu nach neun Jahren das Haus verlässt, ist für den erfahrenen Spartenleiter keine Überraschung. „Es ist eigentlich schön, dass er den Sprung geschafft hat“, freut sich Demmer für einen seiner profiliertesten Schauspieler, der nun ans Mainzer Staatstheater wechselt. Er habe auch bereits einen adäquaten Ersatz für die Position des Mittdreißigers gefunden, so Demmer, der sich in den vergangenen Wochen erneut als Talentscout bei den diversen Vorsprechen der Schauspielakademien umgeschaut hat. Dass Kaiserslautern als Sprungbrettbühne gerade für den begabten Nachwuchs interessant ist, weiß Demmer ebenso, wie dass „es für junge Schauspieler nach etwa vier, fünf Jahren durchaus in Ordnung ist, das Haus zu wechseln“. Auf vier Spielzeiten hat es das junge Schauspielerpaar Nele Sommer und Harry Schäfer nicht ganz gebracht. Beide verlassen die Barbarossastadt nach drei Spielzeiten in Richtung Köln und wollen zunächst freiberuflich arbeiten. Für den Kölner Demmer, der dort mit seiner Frau einen zweiten Wohnsitz hat, ist dieser Schritt durchaus verständlich. Immerhin gibt es in Köln neben den Bühnen ein reichhaltiges Fernseh- und Filmleben samt der dazugehörigen Agenten. „Für junge, talentierte Akteure also durchaus ein spannender Standort“, so Demmer. Und vom Talent der beiden durfte sich das Lauterer Publikum in vielen Produktionen ein Bild machen – ein weiterer Vorteil für Berufsanfänger, die an kleineren Häusern wie dem Pfalztheater durchaus häufig und dann auch schon mal Hauptrollen ausfüllen dürfen. „Das sieht an den großen Häusern, in denen man vielleicht auch ein wenig mehr verdient, oftmals ganz anders aus“, so Demmer. Eine Parallele zum Fußballgeschäft wird deutlich. Neben beruflichen spielen jedoch auch private Gründe eine zunehmend wichtigere Rolle. Nach nur einer Spielzeit wechselt Stefan Herrmann in ein Festengagement nach Bamberg – seine Freundin lebt dort, so der Grund für diesen Wechsel. Und auch Luca Zahn geht seiner Partnerin zuliebe ins Ruhrgebiet, er war drei Spielzeiten am Pfalztheater. Auf zwei Saisons hat es Maike Elena Schmidt gebracht, die ebenfalls des Partners wegen und ebenfalls ins Ruhrgebiet wechselt, so Demmer. Sechs von 14 Schauspielern verlassen also die Bühne in der Barbarossastadt – dafür kommen acht Akteure neu ins Ensemble. „Zwei Frauen gehen, und vier kommen“, so Demmer. „Ich habe dem Chef noch eine Stelle aus den Rippen geleiert“, erklärt der Kölner, die zweite sei mit dem weitgehenden Verzicht auf Gäste erkauft – in der derzeit noch laufenden Saison waren es zehn gewesen. Und so wird das Grillfest, das zum Ende der Spielzeit im Garten des Schauspielchefs stattfinden wird, wohl auch ein bisschen zu einer Abschiedsparty werden.