Meisterporträt
Der unverhoffte Meister TuS Steinbach
Nur ein Jahr hat es gedauert. Die Fußballer des TuS 07 Steinbach sind als Meister der Landesliga West in die Verbandsliga Südwest zurückgekehrt. Lange lieferten sich die Donnersberger einen Zweikampf mit dem SC Hauenstein. Erst am letzten Spieltag fiel die Entscheidung. „Wir sind natürlich sehr froh und glücklich, dass wir das geschafft haben. Irgendwie kommt es auch unverhofft nach dem Abstieg aus der Verbandsliga im vergangenen Jahr und dem nicht so guten Beginn. Dass die Saison nun so ausgegangen ist, ist wunderbar“, sagt Patrick Wolf, der spielende Co-Trainer der Steinbacher.
Tatsächlich war der TuS nach dem Abstieg aus der Verbandsliga zunächst weiter mit dem damaligen Chefcoach Christoph Heinrich in die Saison gegangen, der die Mannschaft in der Verbandsliga komplett gecoacht hatte und im Sommer 2023 dann den Neuaufbau durchführte. Das Saisonziel der Steinbacher war, im vorderen Tabellenbereich mitzuspielen. Doch nachdem die TuS-Akteure in den ersten vier Spielen drei Niederlagen kassiert hatten, trennte sich der TuS vom Trainer. Etwas überraschend, weil die Klubführung im Januar Heinrich noch volle Rückendeckung gegeben hatte.
Ghoul und Wolf übernehmen
Der bis dato als spielender Co-Trainer fungierende Daniel Ghoul übernahm zusammen mit Defensivspieler Patrick Wolf das Team erst interimsmäßig. Nach einem Remis, dem Pokalsieg beim FC Queidersbach und zwei weiteren Dreiern in der Liga bekamen beide das Vertrauen der Vereinsführung bis zum Saisonende ausgesprochen. Und Ghoul und Wolf lieferten auch. Die Steinbacher verloren bis zur Winterpause nämlich nur noch eine Partie. Und diese Niederlage gab es im Pokal. Gegen den Verbandsligisten Hassia Bingen setzte es am 27. September ein 2:6. In der Liga dagegen stürmten die Steinbacher von Sieg zu Sieg und kletterten von Rang 13 an die Tabellenspitze.
„Der Saisonbeginn war natürlich holprig mit der frühen Trainerentlassung und der Situation, dass wir als Absteiger aus der Verbandsliga uns nach fünf Spieltagen auf einem Abstiegsplatz wiederfanden“, sagt Ghoul im Rückblick und betont: „Ich glaube, dass die Mannschaft die neue Kombi Ghoul/Wolf extrem schnell positiv aufgenommen hat und wir mit jeder Einheit zusammengewachsen sind. Ich glaube schon, dass wir sehr akribisch waren und versucht haben, unsere Stärken innerhalb des Teams zu nutzen und unsere Schwächen ein Stück weit zu minimieren. Wir haben versucht, einen Plan mit und gegen den Ball zu entwickeln und vor allem die Lust aufs Gewinnen zu steigern. Die Jungs haben uns dabei wirklich blind vertraut. Hut ab.“
Der Schlüssel zum Erfolg
Für Ghoul war die Arbeit mit dem Ex-Profifußballer Wolf der Schlüssel zum späteren Erfolg. „Die Kombination mit Patrick ist für mich perfekt, weil ich von seiner Erfahrung und dem ein oder anderen Blickwinkel aus seiner Profi-Vergangenheit extrem profitieren kann. Wir ergänzen uns aus meiner Sicht super, es macht einen Riesen Spaß, mit ihm über Fußball zu sprechen“, sagt der Coach, der aber auch seinen Vorgänger lobt: „Patrick und ich haben auch extrem von der guten und vor allem breiten Kaderplanung von Christoph Heinrich profitiert. Selbst wenn wir zehn Ausfälle hatten, waren wir spielfähig und hatten immer eine gute Mannschaft auf dem Platz.“
Der Teamgeist spielte für Ghoul und Wolf für den Titel auch eine ganz wichtige Rolle. „In der Mannschaft sind extrem viele Freundschaften entstanden. Dass wir nach der Meisterschaft mit 15 Mann vier Tage auf Mallorca waren, spricht für sich. Deshalb sind wir auch froh, unsere ersten 18 Spieler gehalten zu haben. Einige, die nicht so zum Zug kamen, wie sie es sich vorgestellt haben, werden sich anders orientieren, aber das ist ein Stück weit normal“, sagt der TuS-Trainer, der betont: „Der Star war und ist die Mannschaft.“
Die Überraschungsspieler
Ghoul zeigt sich begeistert über die Entwicklung von Rico Metz, Mika Herbert und Felix Metzinger. „Auf unsere gestandenen Spieler wie Hendrik Schwab, Dawid Szaszorowski, die Krautschneider-Brüder, Marvin Gödtel, Nils Frey, Lampert, Siebecker und Armen Hayrapetyan war auch immer Verlass.“ In Marcel Meinen hatten die Steinbacher außerdem den Landesliga-Torjäger in den eigenen Reihen. „Auch wenn er mal nicht gut im Spiel war, ist er immer wieder torgefährlich gewesen“, sagt Ghoul. Meinen erzielte 29 Treffer. Der zweitbeste Landesliga-Torschütze war Timo Mangold vom VfR Kaiserslautern, der 22 Mal getroffen hatte. „Wichtig waren auch die Spieler, die den Trainingsbetrieb hochgehalten haben, obwohl sie oft nur bei der zweiten Mannschaft zum Einsatz kamen. Robin Metz zum Beispiel war fast immer bei beiden Mannschaften im Kader und hat die beste Trainingsbeteiligung. Solche Jungs brauchen wir auch kommende Saison und hoffen, dass sie sich für ihren Einsatz belohnen“, sagt Ghoul.
Mit 69 Punkten und einem Torverhältnis von 91:42 Toren holten die Steinbacher die Meisterschaft. Am Ende hatte der TuS drei Punkte Vorsprung auf den Zweiten SC Hauenstein. „Unsere Bilanz von 22 Siegen und nur fünf Niederlagen ist in einer so ausgeglichenen Liga eine echte Hausnummer. Der SC Hauenstein war ein verdammt starker Konkurrent“, sagt Ghoul, der zusammen mit Patrick Wolf nun die Mannschaft ab Anfang Juli für die Verbandsliga fit machen wird.
„Ich kam ja im Winter 2022/23 nach Steinbach, habe den Abstieg aus der Verbandsliga mitgemacht. Wir wissen, an was für Stellschrauben wir drehen müssen, sind zuversichtlich, dass wir die Liga halten können“, sagt Wolf. Ghoul macht klar: „Spannend wird natürlich sein, wie wir in der Verbandsliga auf Rückschläge reagieren. Da wird es auch mal auf die Ohren geben. Aber ich glaube, dass wir untereinander so gefestigt sind, dass wir das einschätzen können.“ Es ist klar: Die Steinbacher Fußballer sind diesmal in die Verbandsliga gekommen, um zu bleiben.