BREUNIGWEILER / BOSENBACH
Der Ton macht die Musik
„Das war gerade noch rechtzeitig“, sagt Ulrich Matzenbach, während er oben auf der engen Kirchenempore vor einem Holzgestell kniet. Nur durch das Manual links und die Prospektpfeifen, die zum Kirchenraum weisen, ist das noch als Gehäuse einer Orgel erkennbar. In der Hand hat er eine Spritze mit einer dunklen Flüssigkeit. Es sei der Holzwurm, der hier in Breunigweiler an der Kirchenorgel Gefallen gefunden hat. Und nein: So viel Schaden, dass man Teile erneuern müsse, habe der noch nicht angerichtet. Aber nun müssen die Löcher, die die Käferlarven gebohrt haben, mit dem Mittel in der Spritze behandelt werden.
Über einige Wochen hatte Matzenbacher mit seinem Mitarbeiter Dirk Ekat hier zu tun, um die Orgel zu zerlegen, die Holzteile zu behandeln und alles wieder zusammenzumontieren. Aufgefallen sei das Problem bei einer regulären Wartung im Sommer, erzählt der Orgelbauer. Das Instrument, um das er sich hier bemüht, stammt laut der Festschrift zum 250. Kirchenjubiläum vor fünf Jahren aus dem Jahr 1915 und wurde gebaut von der Orgelbaufirma Poppe und Söhne. Es wurde 1955 erneuert und elektrifiziert und verfügt über fünf Register. Keine ungewöhnliche „Baustelle“ für den erfahrenen Spezialisten – zumal sein Können ihn zumeist erheblich weiter in der Welt umherführt.
Auch in Togo gefordert
Wie er an einen Auftrag in Togo in Westafrika gekommen ist? „Das lief über eine Stiftung in München, die dort Aufbauhilfe leistet, und zu der ich Kontakt habe“, schildert der Orgelbaumeister. Zweimal war Matzenbacher dort, um die Orgel wieder auf Vordermann zu bringen. Eine Vollrestauration sei es allerdings nicht geworden. „Wir haben ein paar Register wieder hergestellt, damit das Instrument wieder spielbar war“, erinnert er sich. Mehr Zeit sei nicht gewesen. Nicht Holzwürmer, wohl aber Termiten hätten dem Innenleben der Orgel besonders zugesetzt. „Wir haben am Morgen den Holzstaub zusammengekehrt, und am nächsten Tag sah es wieder so aus.“ Die Termiten haben bei ihm einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Ulrich Matzenbacher wurde in Kusel geboren. Seine Kindheit und Jugend hat er in Gehrweiler und Kaiserslautern verbracht. In jungen Jahren hatte er Orgelunterricht erhalten. Das hat in ihm das Interesse für dieses Instrument geweckt. Organist habe er einmal werden wollen, aber „ich wollte auch immer etwas Handwerkliches machen“, sagt er. So ist er dann zum Orgelbau gekommen, bei dem er das Künstlerische mit dem Handwerklichen verbinden kann.
Die Kunst: Pfeifen intonieren
In Hannover hat er dreieinhalb Jahre das Handwerk von der Pike auf gelernt. Später kam er zurück in seine Heimatregion und arbeitete bei einem bekannten rheinland-pfälzischen Orgelbauunternehmen. Bis er sich eines Tages sagte: „Selbstständig sein, wäre doch auch ganz schön. Wenn man den Meister gemacht hat, dann will man auch selbst bestimmen wie es weitergeht“, sagt Matzenbacher. Und da biete es sich an, eine eigene Firma zu gründen. Und nicht zu vergessen: Unabhängig zu sein, sei auch etwas wert. Den Schritt wagte er 1996 und hat ihn bis heute nicht bereut.
Es ist der künstlerische Aspekt beim Orgelbau und bei Restaurationen, der Matzenbacher sehr am Herzen liegt. Der Orgel einen unverwechselbaren Klang zu geben, das sei seine Aufgabe. Das sei eine höchst individuelle Sache, wie er sagt. Man könne es etwa vergleichen mit der Kunst des Klavierspiels. Wer nur mechanisch Noten spiele, sei vielleicht ein guter Techniker, aber noch kein ausdrucksvoller Musiker. So ähnlich sei es mit den Pfeifen einer Orgel. Die könne man zwar technisch herstellen, aber für den unverwechselbaren Klang der Pfeifen sei am Ende der Orgelbauer verantwortlich.
Ein eigenes Klangbild zu schaffen, jeder Orgel einen individuellen Klangcharakter zu geben, sei das Ziel. Matzenbacher bevorzugt einen vollen Ton. Seinem musikalischen Empfinden entspricht am ehesten der Klang, den die süddeutsche Orgeltradition repräsentiert mit einem runden, farbigen Timbre, das auch in der Region vorherrschend sei – im Gegensatz zum hellen, klaren Ton der norddeutschen Bauweise.
Jede Pfeife einer Orgel werde individuell intoniert, daher klinge auch jede Orgel anders. „Der Klang einer Orgel hat ja auch etwas Mystisches, das die Gefühlsebene anspricht. Und das sollte der Klang einer Orgel vermitteln“, ist Matzenbacher überzeugt.
Bosenbacher Orgel bevorzugt
Im Kreis Kusel hat er einige Wartungsverträge mit Kirchengemeinden. Gut kennt er die Orgeln in Jettenbach, Bosenbach und St. Julian, wobei ihm bei der Orgel in seinem jetzigen Wohnort das Herz aufgeht, was den Klang betrifft. Vom Klang der Bosenbacher Orgel, für deren Wartung er verantwortlich ist, schwärmt er. „Die Bosenbacher Orgel ist klein, aber fein“, sagt er lächelnd. Dass die Kirchengemeinden ihre Orgeln erhalten und pflegen mögen, das wünscht sich Matzenbacher für die Zukunft. Nicht zuletzt auch deshalb, „damit ich meinen Beruf noch möglichst lange ausüben kann“.
Mit seinem Mitarbeiter Dirk Ekat bewerkstelligt der 60-Jährige die Aufträge. Das Geschäft läuft gut. Es herrscht kein Auftragsmangel, im Gegenteil. Matzenbachers Auftragsbuch ist bis in den Herbst hinein gefüllt. „Es gibt mehr zu tun, als ich schaffen kann“, beschreibt er die Auftragslage. Allerdings: Es könnten etwas mehr Aufträge in der Pfalz sein, „damit wir nicht immer so weit fahren müssen“, sagt er schmunzelnd.