Donnersbergkreis Der Spaß kehrt zurück

91-91002503.jpg

Winnweiler. Wer in der Fremde nur einen mageren Dreier holt, muss zuhause eben reinhauen. Wie Verbandsligist ASV Winnweiler. Die Elf von Trainer Jürgen Giehl demolierte gestern den Vorderpfälzer Traditionsclub Ludwigshafener SC mit 4:1 (2:0). Phasenweise schwamm der ASV in der Defensive aber gewaltig. Wieder einmal. Der Sieg über das schwächste Auswärtsteam der Klasse war Pflicht. Vor allem jedoch: Er schafft weiter Luft zu den Abstiegsrängen.

Christoph Scharfenberger konnte sich das Lächeln nicht verkneifen. Ach, hatte er den anstürmenden Ludwigshafener alt aussehen lassen. Kurz vor dem eigenen Strafraum. Ein Hackentrick hier, eine Körpertäuschung da, die Fans johlten. Und Scharfenberger grinste schelmisch. Kann man mal machen. Das witzige Kabinettstückchen kurz vor dem Abpfiff zeigte: Vom ASV Winnweiler war eine Last abgefallen, die vier Treffer befreiten, plötzlich war Fußball wieder Spaßsache. Nicht wie zuletzt. Drei Pleiten in Serie, dabei zehn Gegentore, das Defensivverhalten ein Fiasko. Ende damit. „Wir zeigen oft ein Heim- und ein Auswärtsgesicht. Heute haben wir eines besser gemacht, sind aggressiv draufgegangen“, lobte Coach Jürgen Giehl. „Da waren aber wieder fünf, sechs Dinger, wo wir Glück hatten, dass Ludwigshafen die nicht macht.“ Der ASV kassiert wie kein zweiter Verbandsliga-Klub. 15 Spiele, 44 Gegentreffer. Erik Rehhäußer, Triebfeder des LSC, schlich geknickt über den lichtüberfluteten Kunstrasen. Der Kapitän gratulierte den Winnweilerern fair, seine Züge aber verrieten Enttäuschung und Ratlosigkeit. „Wenn wir am Anfang 2:0 in Führung gehen, läuft das ganz anders. Wir haben die Räume nicht zugestellt, zu viele lange Bälle gespielt“, fasste der 29-Jährige zusammen. Sein LSC hätte oft einnetzen müssen. Als er es wirklich tat, war es ohnehin zu spät: Dribbelkünstler Julien Jubin, der vorher dreimal an Blitzreflexen von ASV-Routinier Gerd Hanauer (51) gescheitert war (21., 64., 73.), zeigte seine Qualität. Ein Traumtor. Jubin ließ Winnweilers Abwehr locker stehen, sein feiner Zirkelball glitt drehend in den Winkel (76.). Es war das 1:3. Natürlich löste sich der LSC hinten auf. Ein Rückpass geriet zur Steilvorlage für Reservist Bastian Steer, er umkurvte Keeper Niklas Wiegand und machte endgültig den Deckel drauf (79.). Kein Nervenspiel. Und wichtige Punkte, um sich nach der Pannenserie Distanz zu schaffen. „Natürlich war da noch mal Hoffnung da“, meinte Rehhäußer, der zwar ackerte und alles gab, aber selten auffiel. „Über die 90 Minuten gesehen ist das verdient. Nach dem 3:0 sind wir halt wieder in alte Muster verfallen, haben zu viel Platz gelassen, keine Absprache gehabt“, sagte ASV-Spielmacher Waldemar Schneider. Ein Doppelschlag Schneiders hatte den 4:1-Sieg eingeleitet. Erst hatte er eine weiche Dreger-Flanke abgestaubt (27.), dann toll die Kugel aus der Luft geholt und staubtrocken eingeschossen (31.). Klasse, wie sich Angreifer Fabian Schmitt, emsiger Hansdampf des ASV, jeweils zuvor behauptete, uneigennützig weiterleitete. Es war diese Phase, in der beide Bollwerke irgendwo waren, nur nicht mit den Gedanken auf dem Feld. Ein Hin und Her, ein Festival der Torchancen. Hanauer per Fuß, Wiegand per Faust. „Wenn man dann das 1:0 macht, ist das die halbe Miete. Der Sieg heute war ein absolutes Muss“, sagte Schmitt. Er belohnte sich für eine couragierte erste Hälfte und traf mit einem Volleyschuss zum 3:0 (48.) – gerade, als der LSC neu eingestellt aus der Kabine marschiert war. Rot-Weiß, das schon bessere Jahre gesehen hat, fehlte die Messerspitze Biss. Und der ASV, der war vorne abgeklärter. „Wir waren immer in der Lage, uns eigene Chancen zu erarbeiten. Wir müssen die Positionen im Mittelfeld aber halten“, so Giehl. Das gilt auch für das Klassement. Mittelfeld heißt Sicherheit. Die hat der ASV durch das 4:1 zumindest teilweise wiedergewonnen. Sport So spielten sie ASV Winnweiler: Hanauer - Schwab, Scharfenberger, Siebecker, Geißler - Matinski, Tim Giehl (73. Orschiedt), Schneider, Dreger - Vollmer (69. Steer), Schmitt (61. Petrusch)

x