STEINBACH „Der Sauna Gigolo“: Steinbacher Dorftheater steht fünfmal auf der Bühne
199 Plätze stehen bei jeder Aufführung im Steinbacher Dorftheater am Sportplatz, das der Förderverein des TuS unterstützt, zur Verfügung. Die heiß begehrten Plätze waren – traditionell – in Windeseile vergriffen, Rosy Kinzer, die den Vorverkauf regelt, wie immer im Stress. „Der Kartenvorverkauf hat uns überrollt. Trotz des Zusatztermins waren sämtliche Tickets innerhalb kürzester Zeit weg“, bilanziert Wolfgang Bauer. Er ist – wie Theaterleiter Gerald Heeger – ein Mann der ersten Stunde im Kult gewordenen Dorftheater. Bauer, ein pensionierter Polizeibeamter, Ex-Fußballer, Platzwart beim TuS, Übungsleiter im Seniorensport, Fasnachter und einst Kerweredner, ist selbst Kult in „seinem“ Theater. Er hat viele Hauptrollen gespielt, er ist der Programmheft-Macher und irgendwie auch der Regisseur. Er korrigiert, er präzisiert, er ermuntert mit all seiner Routine: „Mädels, hinne raus plärre …“, „Wir brauchen ein bisschen mehr Tempo“, „Logik spielt keine Rolle, wir wollen spielen“.
Über die Dorfwelt wird abgelästert
Beim „Sauna-Gigolo“ verkörpert er den Dr. Justus Möbius und steht mit seinen Söhnen Philipp und Florian zusammen auf der Bühne. Philipp spielt den Sauna-Schönling Sandro Kern ebenso überzeugend wie Bruder Florian den Wolfgang Hubschmidt.
Der „Sauna Gigolo“ stammt aus der Feder von Andreas Wening und erzählt von drei Damen, die in der Sauna mit spitzen Zungen über Gott und die Dorfwelt ablästern, sich beim Buhlen um die Gunst des Sauna-Masseur-Schönlings Sandro heillos zerstreiten. Richtig turbulent wird es, als Saunameisterin Rita Raffke, das „Uffguss-Luder“ – wunderbar gespielt von Sophia Selzer, die bei einer kurzfristig notwendig gewordenen Umbesetzung eingesprungen ist –, den gehörnten Ehemännern des Trios die Augen öffnet.
Jede Pointe sitzt – und auch jeder Augenaufschlag
Die „drei Schabracken“ (O-Ton Rita Raffke) werden von Aline Breitenbruch als Theresa Thomalla („Ich will um 17 Uhr aussehen, das die Natur den Atem anhält“), der pfiffigen Michelle Fauß (Ursel Hubschmidt) und der lang bewährten Nicole Geißler (Lisbeth Melzer) mit perfekter Leidenschaft gespielt. Da sitzt jede Pointe („Sie sollen mir eine Gesichtsmaske verpassen unn kä Garage verputze“, „Sie bringen die Hormone zum Sieden“, „Sie entfachen den Vulkan in meinem Schoß“), da sitzt jeder Augenaufschlag. Und auch nach knapp 20 Proben ist keinem der drei „Mädels“ die x-te Wiederholung zu viel. Und geht am späten Abend nach einem langen Arbeitstag auch mal eine Textpassage verlustig, wissen das Anna Dall, die Papa Heeger als Souffleuse gut zu vertreten weiß, und Ina Herrbruck mit Charme und Geduld auszubügeln. Dass Volker Bauer, der dem etwas trotteligen Gerhard Melzer Gesicht und Stimme gibt, sich textmäßig auch schon mal in eigene Interpretationen verliert und versteigt – das ist irgendwie auch schon Kult und sorgt beim Proben auch für allgemeine Erheiterung. Der Spaß spielt mit …
Dass der „Sauna Gigolo“ unterhält, vom Alltag ablenkt, dazu tragen auch die Sauna-Inhaberin Roswitha Algengrün, gespielt von Annika Bendel, und der Kosmetiker Jerome Quast, gespielt von Christoph Müller, bei. Der Jerome heißt eigentlich Karlheinz, der Sandro Schorsch – aber das ist eine ganz andere Geschichte der Geschichte. Theatergeschichte in Steinbach geschrieben hat Sandra Werner, die zwischen 2004 und 2018 in 15 Stücken auf der Steinbacher Bühne stand. Sie wäre stolz, könnte sie die Premiere ihres Sohnes Niko erleben, der den Kasimir Thomalla mit überzeugender Hingabe spielt.