Eisenberg
Der Pärchen-Check: Wie gut kennt man sich eigentlich nach knapp 50 Jahren Liebe?
Heike Rogozinski (67 Jahre) und ihr Mann Fritz (71 Jahre) aus Kerzenheim sind seit 49 Jahren verheiratet, haben zwei erwachsene Töchter und vier Enkelkinder. Die ehrenamtliche Leiterin der Bücherei in Kerzenheim und ihr Mann, der als Produktmanager in der BASF gearbeitet hat, haben viele Gemeinsamkeiten und kennen sich als Paar sehr gut.
In welchem Land würden Sie am liebsten den nächsten Urlaub verbringen?
Sie: „In Kuba – da würden wir immer wieder hinfahren. Das Land, die Menschen, die Musik sind einfach umwerfend, wir waren schon oft dort und haben inzwischen auch Freunde dort.“
Er: „Wenn es möglich wäre Kuba. Es ist ein faszinierendes Land. Besonders die Menschen, die wir dort kennengelernt haben und mit denen wir bis heute regelmäßig in Kontakt sind, haben es uns angetan. Wir unterstützen sie auch mit Geld und Medikamenten und tun das gerne. Wenn man die Dankbarkeit im Gesicht der Menschen sieht, geht das ganz tief rein.“
Was war sein/ihr Lieblingsfach in der Schule und in welchem Fach hatte er/sie die besten Noten?
Sie: „Seines war sicherlich Erdkunde – da kennt er sich super aus. Gerade diese Woche haben wir unsere alten Zeugnisse mit denen unserer Enkel verglichen – die Enkel haben den Opa aber geschlagen (lacht).“
Er: „Ihr Lieblingsfach könnte vielleicht Deutsch gewesen sein, vielleicht auch Kunst oder Handarbeiten.“
Was war bisher der größte Erfolg seines/ihres Lebens?
Sie: „Ich denke, sein Job als Produktmanager. Seine Arbeit hat ihm immer Freude gemacht.“
Er: „Ihr größter Erfolg war bestimmt das Besiegen der Krankheit Rheuma, an der meine Frau in jungen Jahren erkrankte. Sie lebt heute schmerzfrei ohne Medikamente, das ist ein großer Erfolg.“
Was ist die schönste gemeinsame Erinnerung 2020?
Sie: „Wir hatten viele einzelne schöne Tage, viele tolle Fahrradtouren – es ging ja vieles nicht wegen Corona.“
Er: „Das Jahr war durch Corona geprägt, aber eine sehr schöne Erinnerung war der Geburtstag meiner Enkelin einen Tag vor dem ersten Lockdown, den wir noch gemeinsam feiern konnten.“
Was ist die schlechteste gemeinsame Erinnerung 2020?
Sie: „Der Fahrradunfall meines Mannes. Er ist am Rhein einen Abhang hinuntergestürzt, leider ohne Helm, ich habe ihn fallen sehen und habe es krachen gehört, es war furchtbar. Ich dachte, er sei querschnittsgelähmt oder sogar tot. Er hatte sich eine Arterie am Kopf verletzt und es war alles voller Blut. Es war unglaublich, wie viele junge Menschen geholfen haben. Bei einem Mann aus Mainz, der geblieben ist, bis der Rettungswagen da war, konnte ich mich bis heute leider nicht bedanken, weil ich weder Name noch Adresse habe. Ich war so dankbar.“
Er: „Dass wir durch Corona unsere Kinder und Enkel nicht so häufig sehen konnten, wie sonst – das war schon sehr traurig.“
Was bedeutet Freundschaft für Sie beide?
Sie: „Freundschaft ist mir sehr wichtig, allerdings sind meine besten Freunde mein Mann und die Familie. Leider musste ich auch schon schlechte Erfahrungen machen mit Menschen, von denen ich dachte, sie seien Freunde – seitdem bin ich vorsichtig geworden.“
Er: „Freundschaft ist für mich geprägt von Vertrauen, Achtung, Verständnis und wohlgemeinten Ratschlägen. Für mich sind meine Frau und meine Familie die besten Freunde.“
Nennen Sie drei Charaktereigenschaften, die Sie gemeinsam haben. Stimmen sie überein?
Sie: „Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit.“
Er: „Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Zusammengehörigkeitsgefühl.“
Was war das schönste Erlebnis mit ihm/ihr?
Sie: „Es gibt viele schöne gemeinsame Erlebnisse mit meinem Mann, tolle Urlaubsreisen, viele schöne Erinnerungen mit unseren Kindern, zwei Prachtmädels, und mit unseren Enkeln.“
Er: „Auf jeden Fall unsere Hochzeitsfeier am 26. Oktober 1972 im damaligen „Scharfen Eck“ in Asselheim mit Familie und Bekannten. Als wir früh morgens nach der Feier nach Hause kamen, staunten wir nicht schlecht, als unser Bett abgebaut war und in Einzelteilen im Schlafzimmer stand. Wir haben es dann notdürftig zusammengeschraubt, um darin schlafen zu können (lacht).“
Was macht er/sie am liebsten, wenn er/sie allein zu Hause ist?
Sie: „Mein Mann will gar nicht gerne alleine zu Hause sein – er ist am liebsten mit mir zusammen zu Hause oder auch zusammen unterwegs.“
Er: „Lesen – das ist das größte Hobby meiner Frau. Sie liest alles, querbeet, und gibt in der Bücherei auch gerne Tipps, wenn jemand danach fragt. Sie hat sicherlich hunderte Bücher gelesen.“
In welchem Moment hat er/sie sich in den anderen verliebt?
Sie: „Im Tanzlokal Fuchs in Kerzenheim spielte früher samstags und sonntags immer eine Kapelle. Am 27. März 1972 haben wir uns dort kennengelernt. Er war hinter der Theke und half beim Ausschenken, ich war mit einer Clique dort. Als ich ihn gesehen habe, hab ich mich sofort verliebt. Ich wusste gleich, das ist der Richtige.“
Er: „Als ich sie im Tanzlokal zum ersten Mal gesehen habe, war mir gleich klar: Das ist sie. Wir haben uns danach ein paar Mal verabredet, wenige Monate später haben wir geheiratet.“
Was würde er/sie retten, wenn der Weihnachtsbaum brennt?
Sie: „Er würde vielleicht wichtige Papiere retten – mein Mann ist sehr pflichtbewusst und hat den Papierkram übernommen, seit er Rentner ist.“
Er: „Ich würde erst mal löschen (grinst) – meine Frau würde vielleicht individuelle Erinnerungen an die Kinder oder auch unser Hochzeitsalbum retten.“
Worüber kann er/sie am herzlichsten lachen?
Sie: „Wir lachen gerne und viel, lachen ist uns ganz wichtig. Am liebsten lachen wir über unseren vierjährigen Enkel, mit ihm haben wir gerade viel Freude.“
Er: „Wir haben beide gerne Spaß und lachen gerne zusammen, am liebsten über spontane Kinderreaktionen unserer Enkel.“
Mag er/sie Überraschungen?
Sie: „Mein Mann mag es lieber, wenn vorher alles geplant wird. Einmal ist mir allerdings eine tolle Überraschung gelungen: Ich habe ihn gebeten, ein buntes Hemd anzuziehen und hab die Kühltasche mit Getränken und Eiswürfeln gefüllt ins Auto gestellt und bin mit ihm nach Mannheim zu einem Konzert mit einer kubanischen Frauenband gefahren – es war ein sehr gelungener Abend.“
Er: „Meine Frau mag Überraschungen und ich hoffe, sie auch manchmal zu überraschen, beispielsweise mit spontan mitgebrachten Blumen. Den Valentinstag hab ich auch noch nie vergessen. Da bringe ich ihr meist etwas Süßes mit, auch an Ostern einen kleinen Osterhasen, an Nikolaus einen Schoko-Nikolaus.“
Wer schnarcht?
Sie: „Oh je, das bin ich. Mein Mann kann es nur mit Ohrenstöpseln aushalten und manchmal bekomme ich auch einen kleinen oder größeren Stupser. Ich versuche immer, länger wach zu bleiben, als mein Mann und lese gerne im Bett.“
Er: „Das ist meine Frau. Ich schnarche zwar auch mal, wenn wir gefeiert haben, sie schnarcht aber regelmäßig. Ohrenstöpsel sind an der Tagesordnung und manchmal wandere ich auch aus ins Nachbarzimmer.“
Womit bringt er/sie sie/ihn auf die Palme?
Sie: „Manchmal bringt er mich mit seiner Über-Korrektheit auf die Palme. Ich sehe manches einfach praktischer und lockerer. Mein Mann macht sich mit seiner Art manchmal das Leben schwer.“
Er: „Sie ist über-reinlich. Wenn ich da mal mit Straßenschuhen über die frisch gewischten Böden will, wird das nicht gern gesehen.“
Was wäre für ihn/sie der perfekte Tag?
Sie: „Für ihn wäre das sicherlich bei Sonnenschein im Garten zu liegen. Er mag es außerdem, wenn ich etwas Ausgefallenes koche, beispielsweise ein Menü. Für mich wäre der perfekte Tag ein toller Ausflug, etwas Neues kennenlernen – gerne auch in der Heimat – vielleicht ein kleiner Urlaub oder ein Fahrradausflug an den Rhein. – Wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, haben wir immer alles dabei: Tischdecke, Obst, Kuchen, Brot, einen Piccolo-Sekt und sogar Gläser.“
Er: „Zum perfekten Tag gehört für mich tolles Wetter, da könnte ich mir eine spontane Einladung zu einem Ausflug mit einem gepflegten Essen als Abschluss vorstellen.“
Was mag sie/er am meisten am Partner?
Sie: „Dass er mich so sehr liebt, treu und ehrlich ist, immer ein guter Kamerad, dass ich mich zu 100 Prozent auf ihn verlassen kann, er würde mich nie im Stich lassen. Er ist der absolut wichtigste Mensch in meinem Leben – aber gleich danach kommen unsere Kinder und die Enkel (lacht).“
Er: „Ich liebe ihr grenzenloses Vertrauen, ihre Zuneigung, ihr Verständnis, ihre ganze Persönlichkeit, einfach, weil sie ist, wie sie ist.“