Donnersbergkreis „Der harte Kampf geht uns ans Herz“

In unserer Serie „Schnappschüsse von früher“ veröffentlichen wir in loser Folge alte Fotos und ihre Geschichten. Die heute veröffentlichten Aufnahmen hat uns unser Mitarbeiter Andreas Fischer aus Falkenstein zur Verfügung gestellt. Aus seiner Feder stammt auch der Text.
Vor 40 Jahren ist die im Jahre 1764 erbaute kleine Falkensteiner Katharinenkapelle abgerissen worden, weil sie zu klein und vor allem sehr marode war. An ihrer Stelle wurde eine moderne Betonkirche errichtet. Lieselotte und Albert Bauer waren Zeitzeugen dieses denkwürdigen Moments, als der Glockenturm des Kirchleins am 9. Juni 1975 fiel. Sie hielten nicht nur diese Augenblicke mit dem Fotoapparat auf Dias fest – sie schrieben überdies ihre Gedanken als wehmütige Bemerkungen auf die Diarahmen. Das Ehepaar Bauer wohnt direkt oberhalb der Kirche. Aus seinem Fenster hat es den besten Blick auf das Gotteshaus. Viele Bilder hat das Paar vom Abriss der alten Kirche und auch vom anschließenden Bau der neuen Kirche geschossen. Das linke Foto wurde von der Hauptstraße aus gemacht. Lieselotte Bauer erzählt, dass sie die Momente, als das Türmchen fiel, mit Tränen in den Augen durchlebten. Beim Betrachten der geschichtsträchtigen Fotos kann man dies gut nachfühlen. Der Abriss begann am 21. Mai 1975, und man sah jeden Tag „ein Stück weniger Kirche“. Nach dem Ausräumen der Kapelle und der angrenzenden Sakristei wurde das Dachgebälk mit den Ziegeln abgetragen. Schließlich stand nur noch das glockenleere Türmchen der Kapelle. Mitsamt seiner grauen Schiefertafeln wurde es schließlich am 9. Juni 1975, einem Montag, umgerissen. Dazu hatte man ein Stahlseil vom Turm zu einem Lastkraftwagen gespannt und den Turm mit Hilfe der Motorkraft umgezogen. Am Gummiabrieb der hinteren Reifen auf der Straße kann man erahnen, dass es wohl ein minutenlanger „Kampf“ und ein Hin und Her war, bis der Turm schließlich kippte und sich seinem Schicksal fügte. Als die Balken zerbarsten und das meterhohe Türmchen unter einer großen Staubwolke in den Kirchenbau krachte, gab es einen fürchterlichen Lärm. Lieselotte Bauer hielt diese Momente mit dem Fotoapparat fest. Später schrieb sie mit Bleistift auf den Diarahmen des Fotos Nummer 20: „,Er’ ächzt und stellt sich wieder“, und beim nächsten Dia mit der 21 ist zu lesen „,Er’ muss fallen – nur langsam gibt er nach“. Der traurige und entscheidende Augenblick des Turmfalls wird so umschrieben: „,Er’ wehrt sich noch“, „,Er’ neigt sich“. Dia Nummer 24 gibt Aufschluss über die Gefühlswelt und den exakten Zeitpunkt der Aktion: „Der harte Kampf geht uns ans Herz. 15.27 h.“ An diesem 9. Juni 1975 sind gewiss viele Menschen wie gewohnt zur Arbeit gegangen oder hatten Sonstiges in Falkenstein zu tun und kamen am Kirchlein vorbei. Die Kapelle bot einen traurigen Anblick. Als die Personen abends an derselben Stelle vorbeikamen, war von der über 200 Jahre alten Kapelle kaum noch etwas zu sehen. Doch die Falkensteiner wollten eine neue Kirche haben. Bereits seit dem Jahre 1958 hatten sich Pfarrer und Kirchenverwaltung ernsthaft mit dem Gedanken befasst, eine neue Kirche zu bauen. Von diesem Zeitpunkt an wurden Sammlungen veranstaltet, die schon bald zu beachtlichen Ergebnissen führten. Das Kirchlein war nass und modrig. Der kleinen katholischen Kirchengemeinde war es unmöglich, die Kapelle zu erhalten, dazu eine weitere Kirche zu bauen und diese auch noch zu unterhalten. Eine Generalrenovierung der Kapelle wäre dringend notwendig, ihr Erfolg jedoch von vornherein fraglich gewesen. Die Feuchtigkeit des Platzes war sichtbar in die schweren Sandsteinwände eingedrungen und reichte, wie sich später herausstellte, bis zum Dach. Auch im Hinblick auf die Planungen, Falkenstein zu einem „großen Freizeitdorf mit viel Touristenverkehr“ zu machen, musste eine größere Kirche her. Schließlich bot die „alte“ nur 40 Kirchengängern einen Sitzplatz. Im neuen Gotteshaus finden immerhin 220 Menschen Sitzgelegenheiten. Nach Abwägung aller Gründe und Gegengründe, nach vergeblichen Bemühungen, die Kirche für 10.000 DM an die wenigen Falkensteiner Protestanten zu verkaufen und nach lebhaften Diskussionen – die teilweise in der Öffentlichkeit durch Presse und Fernsehen ausgetragen wurden – drängte sich schließlich die Notwendigkeit auf, die Kapelle abzureißen. Große Unruhe kam ins Dörflein, weil viele Auswärtige an der Kapelle festhielten. Ein von den Einheimischen geschriebenes Transparent „Wir wollen unsere neue Kirche“ prangte über dem Eingang der Kapelle. An der Burgruine hing hingegen ein Spruchband „Wir brauchen keine neue Kirche“… Der Gottesdienst fand übrigens während der gesamten Bauphasen im Falkensteiner Bürgerhaus statt. Von dort schaut man mit einem Blick auf die alte Burgruine und auf die neue Kirche. Die moderne Betonkirche hat sich gut in den Ortskern eingefügt – die Falkensteiner können zu Recht stolz auf das Geleistete sein. Bei der aktuellen Kirche, die ebenfalls der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht ist, handelt es sich vermutlich um die vierte Kirche im kleinen Falkenstein. Burgkapellen waren feste Bestandteile einer Burg, so auch der Burg Falkenstein. Eine Urkunde von 1360 spricht von einer Kapelle „uf der Burg zu Falkenstein“, während später nur noch von einer solchen „vor der Burg Falkenstein“ die Rede ist. Diese stand wohl der Burg gegenüber neben der ehemaligen Zehntscheune. 1770 bestand diese Kapelle nicht mehr. 1764 war unten im Dorf Falkenstein die 1975 abgerissene und durch den neuen Kirchenbau ersetzte Kirche St. Katharina errichtet worden. Vermutlich war die alte Kapelle vor der Burg im Zuge des Neubaus im Jahr 1764 abgerissen worden. Leserfotos Wer Interesse hat, dass auch „sein“ altes Foto und die Geschichte dazu veröffentlicht werden, kann sich an uns wenden: E-Mail unter reddonn@rheinpfalz.de, unter Telefon 06361 91318 oder in unserer Lokalredaktion, werktags von 10 bis 14 Uhr, in der Luitpoldstraße 20 in Rockenhausen.