Donnersbergkreis Der Funke springt vom Vater zum Sohn
Sie brennen für ihre Firma. Sie sind Feuer und Flamme für Warmluftöfen ... Es gäbe wohl noch viele Wortspiele, die zu den Krämers passen. Um es kurz zu machen, diese Familie hat sich seit über 40 Jahren einem besonderen Produkt verschrieben: holzbefeuerten Warmluftöfen, speziell für Schreinereien und Werkshallen. In der vierten Generation führen sie ihre Firma „Ewi-Therm“ in Winnweiler. Dabei haben sie spannende Zeiten hinter, aber auch vor sich.
„Ewi-Therm“ – selbst Einheimische wissen meist wenig mit dem Namen der Firma, die im Industriegebiet ihre Werkshallen stehen hat, anzufangen. „Die Abkürzung steht für ,Eisenwerk Winnweiler’“, erklärt Inhaber Hans-Jürgen Krämer, Enkel des Firmengründers. Opa Georg Krämer war es, der damals mit der Firma Geo-Therm den Grundstein für den Bau von Öfen und Lüftungsanlagen in Hessen legte. Als Ende der 50er Jahre der Bedarf an Öfen, die speziell mit Holzabfällen, etwa in Schreinereien, heizten stieg und damit auch der Bedarf an Gussteilen, führte der Weg der Firma nach Winnweiler. „Das damalige Eisenwerk Kappes & Müller direkt in Nachbarschaft der Bischoff-Brauerei stand zum Verkauf und wir stiegen hier ein“, erinnert sich Hans-Jürgen Krämer. Sein Vater Ludwig übernahm, expandierte mit der Firma, die Mutter führte die Geschäfte im Büro – klar, dass der Sohn als Former in die Gießerei anfing. Die Firma wuchs, machte satte Gewinne. Die Mitarbeiterzahl stieg auf über 60. „Irgendwann entschlossen wir uns, die Gießerei zu schließen. Die Technik war veraltet, und mein Vater beschloss, lieber in eine neue Werkshalle und eine Modernisierung der Fertigung zu investieren.“ Die Gussteile wurden von da an zugekauft. Der frühe Tod der Mutter 1982 und dann der plötzliche Tod des Vaters zehn Jahre später zwangen Hans-Jürgen Krämer, der bis dahin nur als Monteur tätig war, in die Geschäftsführung. Seine Frau Ute hatte er – natürlich – ebenfalls in der eigenen Firma kennengelernt. „Mit der großen Unterstützung unseres damaligen Buchhalters Günter Wilhelm haben wir das hinbekommen“, sagt Krämer dankbar. Heute sind auch die beiden Söhne Michael (29) und Timo (24) in der Firma eingestiegen und bereiten sich auf die Übernahme vor. Wenig verändert hat sich in all den Jahrzehnten dagegen am Kerngeschäft der Firma: Warmluftöfen. „Wir haben uns auf diese Nische spezialisiert und sind damit bundesweit führend“, sagt Krämer. Die Öfen, die Ewi-Therm herstellt, sind in höchstem Maß effektiv. Sie vereinen zwei Brennkammern, die Temperaturen von 1000 bis 1200 Grad erzeugen, und ein Luftgebläse zu einer idealen Werkstattheizung für alle Firmen, bei denen Holzreste anfallen. „Schreinereien, Zimmereien aber auch andere Betriebe nutzen unsere Öfen“, so Krämer. Die Brennleistung reicht von 25 bis zu 300 Kilowatt. Schon mit dem kleinsten Modell können damit Räume von 600 Kubikmetern geheizt werden. Die Öfen entstehen in Winnweiler in kompletter Handarbeit aus Stahl, hochwertigen Industrie-Schamott-Steinen und moderner Steuerungstechnik. „Wir haben über die vielen Jahre unsere Modelle immer weiter verbessert. Aber schon 1987 haben wir mit unseren Öfen die erst heute aktuellen, strengen Richtlinien in Sachen Feinstaub und Kohlenmonoxid-Ausstoß eingehalten“, sagt Krämer. Trotzdem sind es genau diese Immissionsschutz-Gesetze, die den Krämers und ihrer Firma aktuell zusetzen. „Wir besetzen mit unseren Öfen eine so kleine Nische, dass es bislang keine offiziellen DIN-Normen gibt. Im Vergleich zu anderen Öfen, Wasserkesseln und so weiter, sind somit zurzeit keine Modernisierungs-Förderungen etwa durch die KFW möglich“, erklärt der Firmenchef. „Das macht unsere Öfen für manche Kunden zu teuer.“ Billig-Konkurrenz-Produkte aus Süd- und Osteuropa, die über Internetplattformen vertrieben würden, sorgten zusätzlich für sinkende Umsätze. „Diese Blechbüchsen kosten eben nur ein Viertel. Dass sie weder die Anforderungen an Effizienz noch an Sicherheit erfüllen, kümmert viele offenbar nicht“, bedauert Sohn Michael. „Diese Öfen stehen ja oft mitten in einer Holzwerkstatt, zwischen Sägemehl und Staub. Da genügt ein falscher Funken für eine Katastrophe“, ergänzt sein Vater. Schon lange ist die Familie Krämer deshalb auf der Suche nach Hilfe bei den zuständigen Behörden. Ende Mai soll es nun einen Termin beim sogenannten DIN-Normenausschuss in Frankfurt geben. Dann könnte es eine bedeutende Wende geben, die die lang ersehnte Ofenprüfung ermöglicht. „Unsere Qualität wird zwar seit Jahren vom Fraunhofer Institut bestätigt, nun hoffen wir aber, dass es uns gelingt, eine offizielle Norm für unsere Öfen zu bekommen.“ Zurzeit hat Ewi-Therm Kurzarbeit angemeldet. Wenn von den aktuell 15 langjährigen Mitarbeitern jemand in Ruhestand geht, werde die Stelle erstmal nicht ersetzt, sagt Firmenchef Krämer. Seit 2013 stagnieren die Umsätze. Besonders hart hat es die Firma aber im September getroffen. 30 bis 40 Prozent weniger Öfen als üblich habe man verkauft. Warum, darüber rätselt die Familie schon früh morgens beim Frühstück oder spät beim Abendessen. Ewi-Therm – das ist für sie irgendwie immer. „Wir vermuten, dass viele Handwerker und Firmen zurzeit in moderne Maschinen zur Fertigung investieren. Das Geld ist billig, die Aufträge steigen. Da wird die Anschaffung eines neuen Ofens hinten an gestellt“, mutmaßt Krämer. Anfragen lägen genügend in den Schubladen, einzig die Aufträge fehlten. Zudem sei jetzt schon wieder Nebensaison. „Wir nutzen die Zeit, um weiter an Prototypen zu entwickeln oder auch mal was ganz anderes auszuprobieren“, sagt Krämer und zeigt auf einen Feuerkorb, der gerade am modernen CNC-Plasmaschneider entsteht. „Hier wäre vielleicht auch eine Lohnfertigung denkbar.“ Die Hoffnungen der Familie, der gesamten Firma, liegen aber nun auf dem Termin Ende Mai. Ein positiver Bescheid in Sachen DIN-Norm könnte das Firmenfeuer wieder so richtig entfachen. Ein letztes, feuriges Wortspiel zum Schluss muss einfach erlaubt sein.